Freitag, 24. April 2009

Schule - Neuanfang oder alte Last?

Gerade wird darüber diskutiert, inwiefern Einsparungen im österreichischen Bildungssystem umgesetzt werden können. Dabei muss vorweg gesagt werden, dass in erster Linie an schlechten, unmotivierten Lehrern und Lehrerinnen, an frustrierten weil nicht geförderten Schülern und Schülerinnen und an den verstaubten, bürokratischen Formen des unbeweglichen Frontalunterrichtes gespart werden sollte.
In Zukunft wird es in Österreich nicht mehr ständig nur still more of the same geben können und dürfen. Genau so wenig wie Feuer mit Feuer bekämpft werden kann, kann auch kein krankendes Schulsystem durch quantitative Erhöhung, egal ob mehr Stunden, mehr Lehrer/Innen usw. verbessert werden.
Aufgrund der wirtschaftlichen Problematik gegenwärtig und dem immer enger werdenden Budget der Bildungsministerin mag kurzfristig kostensparende Politik, bei gleich bleibender Qualität notwendig und wichtig sein, die Zukunft muss allerdings baldigst beginnen.
Wir brauchen nicht länger ein System, dass nur aussiebt und selektiert, statt individuell fördert und fordert. Außerdem wird kein System benötigt, dass schon im Vorhinein entscheidet, dass in einigen wenigen Fächern mehr, in anderen wiederum gar Nichts gefordert wird.
Gewissen Unterrichtsfächern wird strukturell dermaßen viel Macht eingeräumt, dass sie nahezu übermächtig wirken. Hätte Gott Kupfer in „Der Schüler Gerber“ dermaßen viel Macht ausüben können, wäre er Deutsch oder Geschichtslehrer gewesen?
Nahezu unvorstellbar ist die Geschichte eines gnadenlosen Zeichenlehrers, der seine Schüler und Schülerinnen terrorisiert und sitzen bleiben lässt.
Ich sage : Nein, liebe Lehrer und Lehrerinnen. Die Prioritäten möchte ich ab einem gewissen Alter selbst treffen und entscheiden können.
Selbst in neoliberaler Argumentation ist es kaum erklärbar, warum einerseits immer erklärt wird, man solle seine individuellen Stärken einsetzen, und andererseits jeder Schüler und jede Schülerin zum Zwölfkämpfer ausgebildet wird, der letztendlich höchstwahrscheinlich keine Sportart wirklich gut kann.
Sozialpolitisch und pädagogisch gibt es in diesem Bereich auch viele Argumentationen, die in der Diskussion um die dauerhafte Etablierung der Gesamtschule, Umstrukturierungen der Lehre und polytechnischen Schulen eingefügt werden müssen.
Die Schule muss den Menschen geöffnet, nicht versperrt werden. Des Weiteren muss Bildung außerhalb der Institutionen Schule und Universität leistbar, bzw. gratis werden. Es kann nicht sein, dass simple Kurse für Buchhaltung, Öffentlichkeitsarbeit, Pädagogik usw. mehrere Tausend Euro kosten. Gerade in Zeiten der Arbeitslosigkeit muss Bildung gefördert, nicht versperrt werden.
Dabei müssen arbeitslose Menschen ihre Bildung selbst aussuchen können.

Dienstag, 7. April 2009

EU- Wahl

Am 7. Juni dieses Jahres werden die EU- Wahlen stattfinden und erneut wird sich die schwierige Frage aufkommen, inwieweit die Probleme der Wirtschaftskrise, des Sozialabbaus, usw. gelöst werden können. Gleichzeitig wird auch wieder aktuell, dass die Europäische Union eine stärkere, demokratische Legitimation benötigt. So wird es in Zukunft ratsam sein, dem Parlament mehr Einfluss zu geben, und nicht lediglich der nicht direkt gewählten Kommission das Initiativrecht zu belassen.
Vorweg muss erwähnt werden, dass ebenso wenig wie soziale Normen , Arbeitsrechte usw. jemals vereinheitlicht wurden. Die Europäische Union wurde in erster Linie als wirtschaftspolitische Innovation betrachtet und um in Zukunft keine Kriege mehr innerhalb Europas möglich zu machen. Aus diesem Grunde wurde auch die so genannte EGKS gegründet, die Union für Kohle und Stahl, um einen kriegerischen Alleingang auf ewig unmöglich zu machen.
Insbesondere gegenwärtig rückt allerdings der Fokus aus Sozialpolitik. Insofern der Reformvertrag von Lissabon nicht abgelehnt worden wäre, könnten gemeinschaftliche, europaweite, z.b. gewerkschaftliche Innovationen, Aktionen usw. Realität werden. Dies wäre politisch unheimlich wichtig. Sind doch die wirtschaftspolitischen Institutionen im Vereinheitlichen von Normen immer sehr schnell, während die Menschen und Staaten im Vereinheitlichen von sozialen Normen, bzw. Verbindungen zwischen sozialen und wirtschaftspolitischen Normen, wie Kollektivverträge, Mindestlöhne, vereinheitlichte Steuersätze usw. oftmals hinterher hinken.
Am 7. Juni jedenfalls wird sich erneut die Frage nach der Sozialpolitik innerhalb Europas stellen. Gegenwärtig gibt es eine konservative Mehrheit im Parlament und dementsprechend ist auch die EU- Politik. Trotzdem zwar oftmals über die EU „gemeckert“ wird, kommt es oftmals zu einer sehr niedrigen Wahlbeteiligung. Den Menschen muss klar werden, dass die Wahlen auf europäischer Ebene einen enorm großen Einfluss auf ihr tägliches Leben haben können.
In den Augen vieler Menschen sind Brüssel und Straßburg oftmals nur weit entfernt klingende Namen, doch in Wahrheit sind sie maßgebliche, politische Faktoren.