Vor einigen Tagen konnten wir ein sehr interessantes Ereignis erleben. Die so genannte Lange Nacht der Forschung hielt bis auf wenige Ausnahmen wirklich die hohen Versprechungen. An den verschiedensten Universitäten herrschte Hochbetrieb und Jedermann/ Jederfrau konnte Einblick in den Wissenschafts- und Forschungsalltag verschiedenster Studienrichtungen erlangen.
Dabei waren meine Freundin und ich besonders auf Astronomie neugierig. Aus diesem Grund statteten wir der universitären Sternenwarte einen Besuch ab. Mehrere Stunden hielten wir uns dort auf, hörten zwei Vorträgen zu, aßen und tranken und lernten etwas dabei.
Neben den vielen Informationen, die auf uns niederprasselten konnte ich insbesondere einen einzigartigen Einblick in die Welt der Astronomie erhaschen.
Dabei ist mir insbesondere wie üblich das Instrument der Feldforschung wichtig- sprich: Ich habe mich umgesehen und mir ein Bild über die Menschen, die Student/Innen, deren Sozialisation und die Hintergründe gemacht.
Besonders auffällig ist, dass Astronomie ein sehr selten gewähltes Studium in Österreich ist. Die wenigen Astronomen kennen sich untereinander und das Studieren gleicht vielmehr einer schulischen Organisation, denn einer Uni im ursprünglichen Sinn.
Die Anonymität und Namenlosigkeit, die bei Massenstudien herrscht ist beim Studium der Astronomie offensichtlich ein Fremdwort. Dabei herrschte aber zumindest oberflächlich betrachtet eine außergewöhnlich gute Stimmung. Die typische Zerstreutheit der Wissenschaftler/Innen schließt im Übrigen offensichtlich alle Wissenschaften ein.
Danach statteten wir noch dem Neuen Institutsgebäude einen Besuch ab und bestaunten einen enorm großen, multimedialen Globus, der über Projektoren sein Erscheinungsbild erhielt und es auf Wunsch wechseln konnte. Nicht nur, dass aus dem Abbild der Erde der Mond, der Mars und ohnehin jeder Planet werden konnte, so war es auch möglich, Entwicklungen des blauen Planeten genauestens dokumentiert erleben zu können.
So wurden wir zum Beispiel Zeugen der durchschnittlichen Aufheizung des Planeten Erde bis in das Jahr 2100 ungefähr, konnten den Urkontinenten Pangaea, deren Zerstörung und in Zukunft dessen neue Zusammensetzung bestaunen.
Ein Globus dieser Art kostet gegenwärtig bis zu 100 000 Euro und wird auch in Ausstattung usw. immer weiter ausgebaut.
Den ersten Teil unserer Bildungsoffensive am langen Tag der Forschung verbrachten wir auf der Hauptuniversität. Die Stände waren sehr übersichtlich aufgebaut und es war enorm schwierig, Informationen mitzunehmen oder Anregungen zu erhalten.
Mich persönlich hätte ein Vortrag von Dr. Müller interessiert, den bekannten Kriminologen, doch da dieser erst spät abends stattgefunden hätte, zogen wir es vor, bereits vorher die Sternwarte zu besuchen.
Aufgrund der positiven Erfahrungen dieser Institution kann ich getrost sagen, dass es die richtige Entscheidung war.
Nicht überrascht aber dennoch immer wieder enttäuscht bin ich letztendlich über die kapitalistische Auslegung der Forschung. Letztendlich gilt im Volksmund immer lediglich die Naturwissenschaft als Wissenschaft. Es gab meines Erachtens keine sozialwissenschaftlichen Projekte, Vorlesungen und/ oder Ähnliches.
Aus meiner Erfahrung heraus kann ich immer wieder beobachten, dass die Sozialwissenschaften in Österreich immer noch eine stiefmütterliche Rolle einnehmen.
Ich empfehle auf jeden Fall jedem die Lange Nacht der Forschung, die auch wieder nächstes Jahr ihre Tore öffnen wird. Sie stellt die neue Errungenschaft des so genannten Edutainment dar. Dies ist eine Mischung aus Unterhaltung (Entertainment) und Education (Bildung).
Glücklicherweise sind wir zumindest an Tagen der offenen Tür und langen Nächten der Forschung, Museen usw. ein wenig vom klassischen, langweiligen Frontalunterricht abgekommen.
Mein letzter abschließender Gedanke: Mit diesem Globus in einer Schule würde Geographie jedem Schüler merklich mehr Spaß machen…
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