Mittwoch, 26. November 2008

Thomas Bernhard - Der Keller


Der Keller ist die Rettung, die Zuflucht des mittlerweile sechzehnjährigen Thomas Bernhard. Nach den jahrelangen Quälereien in der Andräschule und den Jahren im Gymnasium hält er es nicht mehr länger aus. Während seines alltäglichen Schulweges macht Bernhard Halt und dreht in Richtung Arbeitsamt um. Er möchte in die „völlig andere Richtung“, in die Gegenrichtung so zu sagen. Nach jahrelangem Aufenthalt in der „Geistesaustreibungsanstalt“ nimmt er einen Job an im „Keller“. Der Keller ist ein Einzelhandel in der Scherzhauserfeldsiedlung, der verschrieensten Siedlung in ganz Salzburg. Er wählt ganz bewusst diese Adresse als Lehrstelle, und nimmt auch keine Andere an, obwohl ihm vorher viele „bessere“ Stellen angeboten werden. Bernhard geht in die Lehre des Herrn Podlaha. In dem Mann, der selbst Musiker werden wollte, es allerdings leider nicht dazu gebracht hat, sieht Bernhard seinen „Lehrer“. Neben seinem Großvater meint er am Meisten von Podlaha profitiert zu haben. Podlaha kann sehr gut mit Menschen umgehen. Er kann mit nahezu jedem reden und sich verstehen, bzw. verständigen. Der Großvater lehrte Bernhard die Ansichten über Schule, Institutionen, Menschen im Allgemeinen und die philosophischen Ansichten der Welt. Allerdings war der Großvater zeit seines Lebens ein Einzelgänger. Podlaha lernte ihm den leichten Umgang mit anderen Menschen. Der Keller versorgte die gesamte Scherzhauserfeldsiedlung. Bernhard’ s Kollegen waren Karl, ein anderer, älterer Lehrling und eine Aushilfe. Hauptgesprächsstoff im Keller war Sex, der Krieg und die Atombombe. Es war gerade große Not. Der Krieg war vorbei und die Amerikaner waren in Salzburg. So manches Mädchen aus Salzburg hatte sich einen „Amerikaner“ angelacht und wurde von ihm reich beschenkt, mit Seidenstrümpfen u.Ä.
In dem Roman erfährt man ebenso etwas von Bernhard’ s Lebensumständen. Er lebte zu Neunt in einer Wohnung. Sein Großvater stand jeden Tag um 3 Uhr morgens auf und wickelte sich in eine Pferdedecke um an seinem Lebenswerk, seinem großen, tausendfünfhundertseitigem Manuskript weiter zu arbeiten. Bernhard’ s Onkel, der Sohn seines Großvaters, der zeit seines Lebens ein genialer Erfinder war und Kommunist hatte seine Erfindungen im Keller gebunkert und arbeitete jeden Tag daran weiter. Ebenso lebte Bernhard’ s Mutter im Keller, seine Stiefgeschwister, ebenso wie sein „Vormund“, der während der Kriegszeit als Soldat in Yugoslawien stationiert war, und niemals sein „Vater“ oder „Stiefvater“ war, da er ihn in dem Sinne niemals „adoptiert“ hatte.
Bernhard geht in seiner Kaufmannslehre auf. Der Umgang mit Menschen macht ihm wieder Spaß. Bis zum heutigen Tage wagt er es nicht, das alte Gymnasium wieder zu betreten. Vor ein paar Jahren, schreibt der Autor, hat er einen alten Bewohner der Scherzhauserfeldsiedlung wieder gesehen. Er war Bauarbeiter und hatte mittlerweile ein total versoffenes Gesicht und Bernhard wieder erkannt.
Der Mann fragte den Autor, was er nun beruflich mache. Er sagte, dass er schreibe und der Mann konnte damit Nichts anfangen. So sind sie: Die Leute aus der Scherzhauserfeldsiedlung. Fast alle Verbrecher und Ausgestossenen kommen aus diesem Gemeindebau, der sorgsam an den Rand der Stadt verlegt wurde, um möglichst unbemerkt dort dahin zu vegetieren.
„Der Keller“ endet mit der einsetzenden Krankheit des Autors, die ihn beinahe umgebracht hätte. Nach einer Erkältung und Fieber hatte sich der junge Bernhard zu schnell wieder zurück in die Arbeit gemeldet und in der Kälte sich beinahe den „Tod“ geholt.
Der Leidensweg des Autors geht weiter.
„Der Keller“ ist die geniale Fortsetzung der autobiographischen Meisterwerke Bernhards. Ein Muss für alle Bernhardfans.

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