Freitag, 30. Januar 2009

Warum Realität, wenn wir reality TV haben?


Noch sehr gut kann ich mich an das Fernsehen in meiner Kindheit erinnern. Kinderfernsehen war zum Beispiel nicht in die Zeit zwischen 5 Uhr früh und 10 Uhr vormittags verbannt, sondern reichte sogar bis in den frühen Nachmittag hinein. Bei einem großen, deutschen TV- Sender spielte es sogar Kinderserien und Zeichentrickserien bis ungefähr 17 Uhr.
Danach folgten Sitcoms und TV- Serien.
Einige Jahre später kam die große Talkshow- Welle. Es wirkte auf mich nahezu, als wäre es über Nacht passiert, dass plötzlich jeder private Sender mindestens 3 Talkshows anbot. Zumeist konnten Talkshows von ungefähr 10, 11 Uhr morgens bis um ca. 17 Uhr gesehen werden. Das Kinderprogramm verschwand vom Mittags- und Vormittagsfernsehen und wurde endgültig durch Talkshows ersetzt. Die Qualität wurde dadurch sicherlich nicht besser. Statt Fred Feuerstein in den frühen Abend begleiten zu können, konnte man Otto Jedermann und Mathilda Muster beobachten, in ihren Streitigkeiten rund um eine vermutliche Vaterschaft, ein Lügendetektortest oder eine Sexgeschichte.
Die Sitcoms verblieben an ihrem alten Platz und wurden nicht verdrängt. Endgültig Probleme kamen auf, als die Talkshows schon enorm ominöse Züge annahmen. Die Realität schien wohl zu langweilig zu sein und deshalb begann man ernsthaft, Talkshows zu „schauspielern“.
Obskure Shows mit schlechten Darstellern, die wohl endgültig aus Realität ein reality- Format machten.
Zu meiner Auffassung des Wortes „reality- Fernsehen“ werde ich noch abschließend kommen. Für lange Zeit vom Bildschirm verbannt wurden die TV- Serien, als die so genannten Richtershows anfingen. Die Talkshows zogen sich immer mehr zurück und wurden durch unzählige Richtershows ersetzt. Zuerst noch realistischen Fällen nachempfunden, mutierten sie binnen kürzester Zeit ebenfalls zur schlechten Kopie der realen Lebenswelt.
Mittlerweile sind „reality- Formate“ endgültig zur Farce verkommen, da sie zu einer unwahrscheinlich schlechten Kopie der Realität verkommen sind. Konkret gibt es sogar Formate wie „Flavor of Love“, „I love New York“ oder „Made“. Die ersten beiden Formate wurden dem Konzept der im deutschen Sprachraum schlecht gelaufenen Bachelor- Reihe nachempfunden. Ehemalige, in der Versenkung verschwundene, oder unbedingt Marketing benötigende Menschen können sich unter vielen Kandidaten und/oder Kandidat/Innen ihren Traumpartner herauspicken. Dabei entscheiden natürlich hauptsächlich schlecht gespielte „Gefühle“, sexuelle Anreize die einem schlecht gemachten Porno entsprungen sein könnten und Intrigen.
Die Serie „made“ verkörpert grundsätzlich die Kommerzialisierung der Gesellschaft. Unbeliebte Schüler, Student/Innen, Menschen versuchen Alles, um von der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Dicke versuchen auf Teufel komm raus abzunehmen, um dann in weiterer Folge auf ihr Aussehen reduziert werden zu können, Schüchterne versuchen künstlich Selbstvertrauen auftanken zu können, indem sie sich der Mehrheit anpassen und sich im Sumpf der Konsumgesellschaft etablieren zu dürfen und schwerfällige, ungeschickte Menschen versuchen Beliebtheit zu erlangen, indem sie ihre Fähigkeiten trainieren.
Diese reality- Formate haben schon jegliche Form von Realität verloren. Mittlerweile versuchen die teilweise der Realität entsprungenen Kandidat/Innen lediglich der von Massenmedien suggerierten Idealen zu entsprechen. Und letztendlich sind sie Alle zufrieden, wenn sie Sex haben wie Tila Tequila, geschminkt sind wie New York und sich kommerziell an die Massen anpassen, um letztendlich Frisuren wie Flav zu tragen und die Frauen aufgrund der Körbchengröße auszuwählen.
Die Qualität des Fernsehens ist wohl nicht gestiegen...

Donnerstag, 29. Januar 2009

Brief an EUCH

Warum ich blogge und warum generell gebloggt wird
Meinen Lesern und Leserinnen wird es nicht entgangen sein, dass sie sich in diesem Falle auf meinem so genannten Blog befinden.
Es gibt auch die Möglichkeit, über meinen Blog auf andere Blogs wahllos zurückzugreifen und sich ein wenig um zu schauen, im Dschungel des world wide web letztendlich sicherlich eine Möglichkeit, in der sich auch verirrt werden kann.
Denn tatsächlich findet man nur wenige, qualitativ gut gemachte blogs. Es ist sogar vielmehr so, dass die Meisten unter blog ihre persönliche Homepage begreifen und sich hauptsächlich damit beschäftigen, Fotos von ihrer letzten Party, ihren neuen Schuhen oder ihrem Ausschnitt zu veröffentlichen.
Dahinter steckt der Trend, sich ständig immer mehr und mehr in der Öffentlichkeit des Internets zu präsentieren und darzustellen.
Darunter verstehen die Meisten hauptsächlich Oberflächlichkeit, Besitz, Aussehen und Partys zu dokumentieren.
Ursprünglich ist der blog meiner Ansicht nach als individuelle, politische Partizipationsmöglichkeit initiiert und auch benutzt worden.
Durch diesen blog bin ich ein Teil der Internet- Öffentlichkeit. Zugegebenermaßen werden blogs von privaten Personen zumeist selten gelesen. Mein persönlicher blog scheint eine überschaubare, feste Fangemeinde von ungefähr 4 bis 5 Personen aufzuweisen, sowie weitere 3 bis 5 Personen, die gelegentlich meine Kommentare lesen.
Ich biete den Lesern und Leserinnen keinen Seelenstriptease, keine Veröffentlichung von persönlichen Schicksalen usw. Tatsächlich offenbare ich der Öffentlichkeit meine Gedanken zu Alltagsproblemen, politischen Gedanken, Ideen,Theorien und sportliche Präferenzen, insbesondere Fußball.
Ich kann auch nicht konkret nachvollziehen, wieso die breite Öffentlichkeit immer mehr Angst vor Videoüberwachungen im öffentlichen Raum und Datenschutzmissbrauch aufzeigt- zumindest meiner Meinung nach, und gleichzeitig die Menschen in ihrer Privatsphäre immer mehr dazu neigen, ihre Psyche in der Öffentlichkeit zu denunzieren.
Selbstverständlich finden meine Leser/innen auch private Fotos von mir. Ich bin der Auffassung, dass jeder blog einen persönlichen Touch benötigt, um interessant und „sympathisch“ zu wirken. Dementsprechend ist es notwendig, das benötigte Gleichgewicht zwischen der Übertretung persönlicher Interessen und dem Recht der Leser/Innen auf nähere Informationen zu den Schreiber/Innen zu finden.
Ich würde mich in Zukunft auch sehr darüber freuen, Kommentare über meine blogeintragungen lesen zu können.

Sonntag, 25. Januar 2009

Die Weltwirtschaftskrise


Unzählige Beispiele haben bereits mehrere Male die inneren Widersprüche des kapitalistischen Systems belegt. Das System funktioniert aufgrund der gewaltfreien Produktion von Mehrwert, der veräußert wird. Dabei ist von einer liberalen Definition von Gewaltfreiheit zu sprechen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen haben konkret nämlich im eigentlichen Sinne lediglich die Wahl zwischen Arbeit und dem Hungertod. In den Ländern der Westindustriestaaten ist es noch anders. Gegenwärtig gibt es noch Arbeitslosengelder, Sozialhilfe usw. Liberale Wirtschaftskräfte sehen gerade in diesen staatlichen Hilfsgeldern die Problematik der Stagnation der Wirtschaft.
Es wird argumentiert, dass die Menschen nicht zu viel Geld erhalten dürfen, ohne Leistungen zu erbringen. Kürzungen der Sozialleistungen werden in diesen Zusammenhängen ebenso gefordert, wie teilweise Zwangsrekrutierungen in sozial wertvolle Arbeitstätigkeiten (Zwangsarbeit um Sozialhilfe beziehen zu können).
Das eigentliche Problem ist allerdings ein anderes. Erstens müssen wir wegkommen von dem Trugbild, dass Arbeit Alles ist. Arbeit ist nur in dem Zusammenhang Alles, in dem es Leben und Zivilisation garantiert. Niedrige Arbeitslosenraten nutzen Nichts, insofern die arbeitende Bevölkerung hungert.
Zweitens ist die Wirtschaftskrise keine Frage der Regulation und Problem der „Wetten“ auf den Börsen. Die Wirtschaftskrise ist die Wiederkehr des immer gleichen Phänomens. Das kapitalistische System kann auf Dauer nicht funktionieren. Mit regulativen Eingriffen können die inneren Widersprüche verlangsamt und die konkreten Folgen abgeschwächt werden, das eigentliche Problem bleibt allerdings das Gleiche.
Das kapitalistische System machte der Menschheit den industriellen und technischen Fortschritt möglich. Insbesondere im Bezug auf der Schnelligkeit des Fortschritts, konnte der Realsozialismus der UDSSR spätestens ab den 80er Jahren nicht mehr richtig mithalten.
Der eigentliche Vorteil des Kapitalismus gegenüber dem Realsozialismus war die Dynamik des Individualismus. Kollektive Ziele zu erreichen und kollektive Maßnahmen durchzusetzen sind immer wesentlich schwieriger, als einfach einen Menschen gewissermaßen als „Fürst“ seiner Firma auf diktatorische Art und Weise Fortschritt in Produktion, Leistung und Qualität der Produkte werken zu lassen.

Im Kapitalismus wird natürlich auch immer die Souveränität des Staates ein Problem. Insofern hinter den Interessen von Konzernen mehr Geld und mehr Interessensgruppen stehen, als hinter staatlichen Institutionen, bekommt das staatliche System ein Legitimationsproblem.
Daher wäre gerade die gegenwärtige Wirtschaftskrise eine Möglichkeit, die regulativen Möglichkeiten des Staates zurück zu erhalten und effektiv in die Wirtschaft eingreifen zu können. Realpolitisch ist dies wohl auf kurze Sicht die einzige attraktive Perspektive.
Ideologisch betrachtet ist allerdings festzuhalten, dass lediglich eine Umstrukturierung der Verhältnisse, eine Neuformierung des wirtschaftlichen Systems und eine Veränderung der politischen Bedingungen zum Ziel führen kann.

Ja und man muss sich endgültig darauf einigen, was denn eigentlich das Ziel ist. Ist es denn, die negativen Auswirkungen der Globalisierung und des Neoliberalismus zu verlangsamen? Oder ist es vielmehr die Schaffung und Etablierung eines homogenen Systems, dass Wohlstand, technischen Fortschritt und menschliche Solidarität garantieren kann?


Donnerstag, 22. Januar 2009

Die Zentralmatura


In den letzten Tagen war öfters die Rede von der Etablierung der so genannten „Zentralmatura“ in Österreich. Ich bin dieser Auffassung von Bildung persönlich sehr aufgeschlossen. Aus eigener Erfahrung erinnere ich mit Schaudern an die verschiedensten Ansprüche und Prioritäten der Lehrer/Innen.
Es ist tatsächlich so, dass es nicht nur eine Frage des Schultyps ist, inwiefern die Matura geschafft, beziehungsweise überhaupt in die höchste Klasse aufgestiegen wird.
In Wien haben viele Gymnasien nicht mal das Niveau von Hauptschulen am Land. Umgekehrt wiederum herrscht in berufsbildenden Schulen ein Betrieb, der häufig bis zu doppelt so viel Zeit täglich verschlingt, als es die Gymnasien tun.
Während wir oftmals noch von Ganztagsschulen reden und darüber diskutieren, gibt es diese Modelle schon mehrfach. Selbstverständlich ist dies ironisch gemeint, denn statt die Zeit am Nachmittag mit Lernen verbringen zu können, müssen in höheren berufsbildenden Schulen die Schüler/Innen bis teilweise 20 Uhr abends den Unterricht ertragen.

Die Zentralmatura würde wenigstens bis zu einem gewissen Grad die gleichen Anforderungen zum Erreichen der Matura garantieren. Gegenwärtig verhält es sich so, dass die Noten der Schüler/Innen kommen und gehen mit ihren Lehrer/Innen. Dabei gibt es nicht nur unwahrscheinlich große Unterschiede zwischen den Schulen, sondern auch innerhalb der Institutionen zwischen den Klassen.
Die Schulen in Österreich sind Talentvernichtungsmaschinerien und werden nur noch durch die Amateurhaftigkeit der Universitäten überboten.
Das Gegenargument konservativer Kräfte ist immer das Unwort „Gleichmacherei“. Schon als Kampfbegriff gegen den Sozialimus und Kommunismus verwendet, fällt er gegenwärtig immer im Zusammenhang mit Gerechtigkeit und Fairness. Wann immer es etwas zu relativieren, Missstände zu verbessern oder Bedingungen an die Bedürfnisse der Mehrheit anzupassen gilt, wird das Wort „Gleichmacherei“ in die Schlacht geworfen.

Insofern das Schaffen von gleichen und fairen Bedingungen für Alle Gleichmacherei ist, so bin ich gerne ein Gleichmacher.



W- Doubleyou


Unlängst sah ich die Premiere des biographischen Films „W“. Es beinhaltete kurze Einblicke in das Leben des ehemaligen US- Präsidenten George W. Bush jr.
Realpolitisch gibt es keinen Zweifel an der Fehlerhaftigkeit, den konservativen Denkstrukturen und der Cowboy- Kompromisshaftigkeit des Sohnes von George Bush sr.
Oftmals konnte jeder Mensch beobachten, inwieweit der ehemalige US- Präsident die Probleme rund um Kain und Abel, Gut und Böse zu lösen bereit war. Insofern das Gute das Böse umbringt, bleibt letztendlich nur das Gute auf der Welt. So ähnlich schien wohl die Grundauffassung von Politik in den letzten Jahren im Weißen Haus ausgesehen zu haben.
Oliver Stone blieb in der Biographie „W“ durchaus im realistischen Zusammenhang zwischen Fiktion des dümmsten Präsidenten aller Zeiten und dem in der Zivilgesellschaft gescheiterten Sohnes einer großen Familie.
„W“ sagt in dem Film einen gut ausformulierten Satz: „..die Menschen glauben, ich sei mit einem silbernen Löffel aufgewachsen, dabei wissen sie nicht, wie schwierig es ist, ein Bush zu sein.“
In dieser Aussage steckt die gesamte Problematik der Kinder berühmter Elternteile. Es ist tatsächlich so, dass die Kinder zumeist mit einem „silbernen“ Löffel aufwachsen. Gleichzeitig ist dieser Löffel allerdings auch Verpflichtung und Erwartungshaltung in die Zukunft. Der Sohn eines Bush wird mit anderen Augen gesehen, als es der Sohn von „Joe, the plumber“ wird.
Es ist völlig klar, dass der Vorteil eines Nachfahren berühmter Menschen ist, zumeist im Reichtum und finanzieller Absicherung aufzuwachsen. Im konkreten Fall konnte Bush mehrmals zivilgesellschaftlich und privat scheitern. Aufgrund seiner Abstammung bekam er immer wieder Chancen und Möglichkeiten. Höchstwahrscheinlich ist es für den Sohn des ehemaligen Präsidenten im Regelfall leichter, einen Job als Senator oder Gouvaneur zu erhalten, als für Andere eine Beschäftigung bei Aldi oder Spar zu ergattern.

Der Vorgänger von Barack Obama jedenfalls brauchte jede Menge Chancen, um sich in der Erwachsenenwelt etablieren zu können. Er scheiterte nicht nur geschäftlich, sondern hätte höchstwahrscheinlich nicht einmal studieren können, ohne Hilfe seines Daddys. Des Weiteren war er dem Alkohol und der Lasterhaftigkeit verfallen und zelebrierte immer wieder Selbstzerstörung.

Sehr markant für den Präsidenten ist auch seine Vorstellung internationaler Beziehungen. Bald machte er klar, dass man in Europa entweder für die U.S.A, oder für die Terroristen sein konnte. Bald wurde die Einteilung in das „alte“ und neue Europa modern.
Bush betrieb Kommunikation mit dem Revolver.
Dabei ist immer zu sagen, dass er persönlich im Rahmen seiner Möglichkeiten sicherlich das Optimum, höchstwahrscheinlich sogar mehr als das Optimum erreicht hat. Ein Mensch vom Typ des George Walker Bush jr. würde wohl im Normalfall Pakete austragen, Rinder züchten oder Ähnliches.
Im Zusammenhang mit seiner berühmten Familie und unter mehrfacher Mithilfe seines Vaters konnte er sich letztendlich sogar zum Präsidenten der USA machen. Dahinter stecken natürlich immer breite, konservative Interessen und Machtgefüge. Wer einen derartig unbelesenen, der Reflexion nicht möglichen und „einfach“ gestrickten Menschen zum Präsidenten machen möchte, verfolgt damit eigene Interessen.
In der Ära Bush war der Vizepräsident so mächtig wie niemals zuvor. Des Weiteren bin ich davon überzeugt, dass so intensiv wie niemals zuvor die Rüstungsindustrie und Ölindustrie Einfluss in die Politik des Weißen Hauses genommen hat.

Der Film „W“ handelt hauptsächlich von seinem Werdegang und seiner neuen Identitätsfindung. Konkret wendet sich „W“ ab vom Alkohol und sucht Rat in der Religion. Des Weiteren zeigt er das simple Politikverständnis und Auffassungsvermögen des Kriegspräsidenten.

Im Sinne von „Wer Wind sät, wird Sturm ernten.“ hat er nun endgültig das Oval Office verlassen und hinterlässt dem neuen Präsidenten Obama einen Scherbenhaufen. Niemals zuvor gab es eine dermaßen hohe Verschuldung, zwei Kriegsschauplätze und ungelöste soziale, sowie wirtschaftliche Probleme.

Samstag, 10. Januar 2009

In der Disko


In den letzten Tagen habe ich mir das neueste Album von den „Toten Hosen“ gekauft und es bereits unzählige Male abgespielt. Auch die vorangegangenen Alben waren grandios und auch dieses Werk enthält viele ausgezeichnete Lieder.
Gegenwärtig gefällt mir ihr Song „Disko“ am Besten. Er behandelt und definiert das „in die Disko“ gehen, zeigt die verschiedenen Charaktäre der Diskogänger auf, entlarvt sie teilweise und/oder macht sie „sichtbar“.

Tatsächlich erweckt dieses Lied für mich sogar so etwas wie Nostalgie. Ich selbst ging jahrelang jedes Wochenende in die Disko, und demzufolge habe ich diese Wochenendbeschäftigung noch sehr gut in Erinnerung. Auch die schlimmen Erfahrungen sind mir allgegenwärtig.
Das schlimme unter Anführungszeichen, das ich mit „Disko“ in Erinnerung habe ist die unwahrscheinliche Unsicherheit. Man ist unsicher, weil die gesamte Fortgehphase grundsätzlich nur auf „Kennen lernen“ aufgebaut ist, und insofern dieses Vorhaben nicht eintrifft, ist Spaß zu haben in der Disko mehr als Luxus. Um dem Spaß eine „Chance“ zu geben, wird sich dementsprechend viel „angetschechat“. Dieses Wort ist ein österreichisches Wort für „besaufen“. Im alkoholisierten Zustand wird tatsächlich gelegentlich so etwas wie „Spaß“ empfunden, doch insofern nüchtern rekapituliert wird, ist schnell die absolute Sinnlosigkeit enttarnt.

Es ist unglaublich, insofern erkannt wird, dass es total viele Menschen gibt, die nur für „dieses“ Wochenende leben. In ihrem trüben Job haben sie keinerlei Aussichten, im Grunde wollen sie oftmals gar nicht wirklich nach Hause und dementsprechend ist ihr einziger Spaß die „Disko“.
Oberflächliches Geplänkel, gelegentlich werden Menschen auf banalste Art und Weise kennen gelernt und die Gespräche bleiben zumeist ohnehin immer nur leichtgeistig, insofern denn überhaupt Gespräche aufgebaut werden.
Dementsprechend habe ich persönlich auch kaum und/oder nie soziale Erfolge in der Disko aufweisen können. Meine persönliche, einzigartige Stärke ist das Interagieren mit anderen Menschen, das Reden und Kommunikation.
Demzufolge ist die Welt in der Disko das schlechteste Szenario. Oberflächlichkeit ist ein „Must have“ und zumeist kann Spaß ohne Alkohol nur in einer abgesicherten Gruppe entstehen. Da hat man dann zwar ein wenig Spaß in der Gruppe, aber am nächsten Morgen ist letztendlich wiederum die Tatsache klar: wieder Niemanden kennen gelernt, mit niemanden gesprochen, keine humoristischen Einlagen, oberflächliches Geplänkel, und übrig bleibt nur der Kater, der einen einmal wöchentlich grüßt.

Total viele Menschen zieht es in die Disko, die nicht mal die grundsätzlichen Erfahrungen mit Spaß zu machen im Stande sind. Gesellschaftlich gesehen sind sie allein auf weiter Flur, in weiterer Form sind sie nicht die Typen, die sich durch Oberflächlichkeit und Primitivität schnell Freunde machen können und außerdem sind sie auch noch finanziell oftmals nicht in der Lage, sich mehr als zwei Bier zu leisten. Dennoch, aufgrund des objektiv fühlbaren sozialen Drucks, zieht es sie immer wieder in die Disko.

So wie „Die toten Hosen“ singen: …wo die Steher stehen und die Spanner sich umsehen.
Glücklicherweise ist nicht das gesamte Leben eine Disko, in der soziale Betätigungen nur aufgrund Oberflächlichkeit und Alkohol zustande kommen können und niemand etwas Konstruktives aus Interaktionen mitnehmen kann.

Oder ist pessimistisch betrachtet, an dem Vergleich des Lebens mit der Disko, doch etwas dran? Dieser Polemik müsste man sich mal näher auseinandersetzen,…

Mittwoch, 7. Januar 2009

Die angebliche, hierarchische Bildung

Die Welt ist grundsätzlich einfach aufgebaut. Immer wieder will man uns das weiß machen. Es gibt nun mal ärmere und reichere Menschen, genauso wie es klügere und dümmere Personen gibt. Immer wieder wird das gesagt und Viele nicken dann bereitwillig und wissend. Genauso sieht es auch mit den Schulen aus. Jedem Hauptschüler wird kontinuierlich eingeredet, dass er es nicht zu „Mehr“ bringen möchte. Leicht zu erkennen ist dies zum Beispiel an dem Umstand, dass nahezu kein Hauptschüler nach abgeschlossener Unterstufe eine Oberstufe besuchen will.
Das liegt daran, weil ihm und ihr eingeredet wird, dass die Intelligenz einfach nicht ausreichen würde. Darunter sind einige hoch intelligente Menschen, die im Vorhinein niemals überhaupt eine höhere Schule anzustreben wagen würden.
Insofern zum Beispiel Student/Innen und/oder auch nur Maturant/Innen mit Arbeiter/Innen und Angestellten ins Gespräch kommen, kommt automatisch die Frage nach dem Grund der Berufswahl. Sehr häufig habe ich da bereits von Arbeiter/Innen gehört: Naja, ich wollte eigentlich schon immer arbeiten. Ich war immer faul, lernen und in die Schule gehen war nie meine Sache.“
Mit der Schule gebe ich jedem Menschen sofort Recht. In die Schule zu gehen war so gesehen auch nicht meine „Sache“, weil sie einengend und normierend ist, sowie Individualismus eher bestraft, denn fördert. Alle meine Fähigkeiten, die ich im Laufe meines Lebens mir angeeignet habe, habe ich definitiv NICHT in der Schule gelernt.
Mein Wissen aus Literatur stammt nicht aus Deutsch, meine sportlichen Fähigkeiten verdanke ich nicht dem schlappen Turnunterricht und Mathematik habe ich ohnehin nie gekonnt.
Sofort glaube ich an eine Abneigung gegen Schule. Felsenfest bin ich jedoch davon überzeugt, dass grundsätzlich jeder Mensch ein Interesse daran hat, zu lernen. Selbstverständlich unterscheiden sich dabei die Wissensgebiete enorm und haben oftmals keine wirtschaftliche Verwertbarkeit, sprich: Sie bringen kein Geld ein.
Doch auch Wissen, dass die Gelbbeutel nicht zum klimpern bringt, ist wertvoll und unbezahlbar.

Meiner Ansicht nach ist ein Mitgrund für die häufige Ablehnung von Oberstufen, Matura und ein etwaiges Studium einerseits der schlichte Pragmatismus, und zweitens die Fehleinschätzung der eigenen Fähigkeiten.
Pragmatismus deshalb, weil Menschen aus sozial ärmeren Schichten sofort wissen, dass es viel Geld kostet, bis zur Matura vorzudringen. Es ist nicht der eigentliche Schulabschluss, der Geld kostet, sondern das „Nicht in die Arbeitswelt eindringen“. Das bedeutet, dass viele Menschen, den Weg in die Arbeit suchen, um schneller unabhängig von den Eltern werden zu können. Selbst finanzielle Absicherung und/oder Anstreben von Geldmitteln kann eigentlicher Initiator sein, um letztendlich einer höheren Bildung abzusagen.

Der zweite Grund wurde meiner Ansicht nach selten bis niemals durchleuchtet. Immer wieder entdecke ich Menschen, die den Schritt auf die Universitäten und/oder Oberstufen nicht gewagt haben, weil sie mit Universität und Oberstufe eine unwahrscheinliche, bildungstechnische Schwierigkeit implizieren. Sie schätzen ihre Fähigkeiten ein und halten sich schlichtweg für „ungeeignet“, womöglich sogar mit unter für zu „dumm“.

Das liegt daran, weil von vornherein in den Schulen immer suggeriert wird, dass Studieren grundsätzlich schwieriger ist als die Schule. Die Oberstufe ist schwieriger als die Unterstufe und die Spitze der Sahnetorte ist letztendlich die Universität. Das gesamte Bildungssystem sei also hierarchisch stratifiziert und demzufolge habe jemand, der in der Schule bereits Probleme habe, ohnehin auf der Universität keine Chance.
Diese Ansicht ist meiner Meinung nach der größte Denkfehler und bildungspolitisch ein unwahrscheinlicher Fehlschluss.
Bildung ist eben nicht hierarchisch stratifiziert. Selbst in der Schule ist dieser Umstand leicht zu bemerken. Ich habe einige Klassen wiederholen müssen, und in meinem Wiederholungsjahr hatte ich mitunter keinerlei Schwierigkeiten und/oder größere Schwierigkeiten als je zuvor, wobei die Fächer blindlings und ohne erkennbarem Muster variierten, in denen sich Nicht Genügend ankündigten.
Konnte ich in dem einen Jahr Textverarbeitung noch Gut, so war es bereits möglich, dass ich im darauf folgenden Schuljahr mit einem Nicht Genügend zu rechnen hatte. Unterschied darin waren lediglich die Professorinnen.
Das verhielt sich so mit den Nebenfächern und selbst in Mathematik, einem Fach, indem man an sich glaubt, dass es eine Art „ultimative“ Wahrheit gäbe, machte in diesem Fall keine Ausnahme.
Tja, und genauso verhält es sich mit der Universität. Scheitern ist immer möglich und letztendlich gibt es wohl für jede Schüler/In und für jede/n Student/In eine Achillesferse, in Form eines Professors und Lehrers.

Unsere Lehrer/Innen erklären uns das Schul- und Bildungssystem hierarchisch, um die Abschlüsse mit Intelligenz gleich zu setzen. Jeder, der bereits Universitäten besucht hat, wird mir Recht geben und wissen: Das stimmt nun mal gar nicht.

Dienstag, 6. Januar 2009

2009, Boris Becker, Neujahrsvorsätze und sister act


Im neuen Jahr da wird Alles anders. So und so ähnlich höre ich immer wieder viele Menschen über ihre Vorsätze diskutieren. Tatsächlich sind die Veränderungen zumeist von kurzer Dauer. Es ist bereits länglich bekannt, dass die Neujahrvorsätze ungefähr so viel Gültigkeit besitzen, wie ein Liebesantrag von Boris Becker.

Gerade während der Feierlichkeiten sind Streitigkeiten in der Familie oftmals vorprogrammiert. Sehr gut erinnere ich mich noch an ein Werk von Thomas Bernhard, der in schauerlichen Worten die Wochenenden beschrieb. An diesen Wochenenden gab es Ausschreitungen, Prügeleien usw. unter der Familie. In diesem Zusammenhang sprach er meistens, insofern er die Begebenheiten in der Scherzhauserfeldsiedlung, einem Gemeindebau in Salzburg, der mittlerweile abgerissen wurde, determinierte.

Dabei haben natürlich auch die neuen grundsätzlichen Verhältnisse mitgespielt. Während in früheren Jahren Ehen und Partnerschaften häufig lediglich Abhängigkeitsverhältnisse widerspiegelten, so sind heute öfter denn je gleichberechtigte Partnerschaften aufgebaut.
Dabei ist vor allem interessant, dass es zumeist nicht die ärmeren, sozialen Schichten sind, die zunehmend aufgeklärten Feminismus leben.
Die Tendenz geht eher in Richtung Mittelstand und aufgeklärter Familienpolitik innerhalb seiner Liebsten.
In den ärmsten Schichten, ebenfalls wie oftmalig auch in den reicheren bis reichsten Schicht gibt es häufig noch ein grundsätzlich patriarchisch ausgeprägtes Familienbild.

Wie dem auch sei. Nun haben wir mittlerweile die Zeit der weggeworfenen Weihnachtsbäume, des Winterspecks und der Wiedereinführung in die Arbeitswelt eingeläutet.
Und ich sah mir im Fernsehen die Komödie „Sister act“ an und entdeckte, dass ich sie bereits kannte, als sie ins Kino kam, allerdings noch zu jung war, um allein ins Kino zu gehen.
Immerhin ein Film von 1992- Ich bin 25 und ein großer Teil der Erinnerungen, der ein Menschenleben erfahrungsgemäß bis ins hohe Alter prägt, ist bereits verstrichen…