Sonntag, 25. Januar 2009

Die Weltwirtschaftskrise


Unzählige Beispiele haben bereits mehrere Male die inneren Widersprüche des kapitalistischen Systems belegt. Das System funktioniert aufgrund der gewaltfreien Produktion von Mehrwert, der veräußert wird. Dabei ist von einer liberalen Definition von Gewaltfreiheit zu sprechen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen haben konkret nämlich im eigentlichen Sinne lediglich die Wahl zwischen Arbeit und dem Hungertod. In den Ländern der Westindustriestaaten ist es noch anders. Gegenwärtig gibt es noch Arbeitslosengelder, Sozialhilfe usw. Liberale Wirtschaftskräfte sehen gerade in diesen staatlichen Hilfsgeldern die Problematik der Stagnation der Wirtschaft.
Es wird argumentiert, dass die Menschen nicht zu viel Geld erhalten dürfen, ohne Leistungen zu erbringen. Kürzungen der Sozialleistungen werden in diesen Zusammenhängen ebenso gefordert, wie teilweise Zwangsrekrutierungen in sozial wertvolle Arbeitstätigkeiten (Zwangsarbeit um Sozialhilfe beziehen zu können).
Das eigentliche Problem ist allerdings ein anderes. Erstens müssen wir wegkommen von dem Trugbild, dass Arbeit Alles ist. Arbeit ist nur in dem Zusammenhang Alles, in dem es Leben und Zivilisation garantiert. Niedrige Arbeitslosenraten nutzen Nichts, insofern die arbeitende Bevölkerung hungert.
Zweitens ist die Wirtschaftskrise keine Frage der Regulation und Problem der „Wetten“ auf den Börsen. Die Wirtschaftskrise ist die Wiederkehr des immer gleichen Phänomens. Das kapitalistische System kann auf Dauer nicht funktionieren. Mit regulativen Eingriffen können die inneren Widersprüche verlangsamt und die konkreten Folgen abgeschwächt werden, das eigentliche Problem bleibt allerdings das Gleiche.
Das kapitalistische System machte der Menschheit den industriellen und technischen Fortschritt möglich. Insbesondere im Bezug auf der Schnelligkeit des Fortschritts, konnte der Realsozialismus der UDSSR spätestens ab den 80er Jahren nicht mehr richtig mithalten.
Der eigentliche Vorteil des Kapitalismus gegenüber dem Realsozialismus war die Dynamik des Individualismus. Kollektive Ziele zu erreichen und kollektive Maßnahmen durchzusetzen sind immer wesentlich schwieriger, als einfach einen Menschen gewissermaßen als „Fürst“ seiner Firma auf diktatorische Art und Weise Fortschritt in Produktion, Leistung und Qualität der Produkte werken zu lassen.

Im Kapitalismus wird natürlich auch immer die Souveränität des Staates ein Problem. Insofern hinter den Interessen von Konzernen mehr Geld und mehr Interessensgruppen stehen, als hinter staatlichen Institutionen, bekommt das staatliche System ein Legitimationsproblem.
Daher wäre gerade die gegenwärtige Wirtschaftskrise eine Möglichkeit, die regulativen Möglichkeiten des Staates zurück zu erhalten und effektiv in die Wirtschaft eingreifen zu können. Realpolitisch ist dies wohl auf kurze Sicht die einzige attraktive Perspektive.
Ideologisch betrachtet ist allerdings festzuhalten, dass lediglich eine Umstrukturierung der Verhältnisse, eine Neuformierung des wirtschaftlichen Systems und eine Veränderung der politischen Bedingungen zum Ziel führen kann.

Ja und man muss sich endgültig darauf einigen, was denn eigentlich das Ziel ist. Ist es denn, die negativen Auswirkungen der Globalisierung und des Neoliberalismus zu verlangsamen? Oder ist es vielmehr die Schaffung und Etablierung eines homogenen Systems, dass Wohlstand, technischen Fortschritt und menschliche Solidarität garantieren kann?


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