Montag, 22. Dezember 2008

Das Spiel mit der Hoffnung

Mittlerweile wird ja immer wieder von der Armutsgefährdung gesprochen. Unglaublich viele Menschen werden Tag für Tag in den Strudel der angeblichen Armut gezogen und kommen kaum wieder heraus.
Doch was veranlasst all diese Menschen, die Armut gefährdet, chronisch arm oder benachteiligte Lebewesen sind, nicht zu revoltieren und sich zu wehren?

Gegenwärtig habe ich einen meiner Lieblingsfilme gekauft und sehe ihn mir zu Hause an. Es ist „Der Seewolf“ von Jack London. Dabei erstaune ich immer wieder, wie der Kapitän der Ghost, Wolf Larsen, in unglaublicher Grausamkeit über sein Schiff „herrschen“ konnte. Und da wurde es mir klar. Erstens glaubten viele daran, dass es besser werden könnte. Und zweitens, selbst diejenigen, die es nicht wirklich glaubten, hofften zumindest.

Es ist die Hoffnung der Besserung, die uns Menschen untätig werden lassen. Warum revoltierten während des zweiten Weltkriegs kaum jüdische Opfer gegen ihre Mörder? Die Antwort ist leicht und wird auch teilweise in dem Roman „weiter leben“, dass dieses Jahr unter dem Motto „Eine Stadt- Ein Buch“ in Wien herauskam, beantwortet. Weil die Hoffnung da war, dass sie es überleben könnten.
Erst ein Mensch, der überhaupt keine Hoffnung in sich trägt, nimmt letztendlich die Zügel seines Lebens selbst in die Hand. Dabei ist die Grenze, ab wann ein Mensch tätig wird oder nicht sehr flexibel und von der jeweiligen Person abhängig.

Mag sein, dass sich ein Mensch schon in seiner Existenz bedroht sieht, weil er es sich nicht mehr leisten kann, Versicherungen zu bezahlen oder Aufträge an Land zu ziehen, andere Personen, insbesondere Personen, die arm oder unter ärmeren Verhältnissen aufgewachsen sind, implizieren mit ihrer Existenz lediglich die Stillung der Grundbedürfnisse Essen und Trinken.

Erst wenn die Hoffnung auf Besserung endgültig abstirbt, werden alle Menschen für Ideen aufgeschlossen. Vorher sind Streikbewegungen wie in den 1968er Jahren, gegenwärtig in Griechenland oder während der schwarz- blauen Koalition in Österreich zum Scheitern verurteilt.
Denn der Mensch, der noch etwas hat, hat ebenso etwas zu verlieren. Und gerade der Mensch, der noch ein bisschen Mehr als Gar Nichts hat, tritt und schlägt oft besonders auf diejenigen ein, die Gar nichts haben, weil er sie einerseits fürchtet, und andererseits Angst davor hat, selbst bald zu ihnen zu gehören.

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