Donnerstag, 18. Dezember 2008

Job- Nein, aber wir wünschen viel Glück

Oftmals denke ich so bei mir, dass ich wohl zu einer verlorenen Generation gehöre. Viele Menschen in meinem Alter, die in das Berufsleben einsteigen wollten und/oder es immer noch vorhaben, arbeiten jenseits ihrer Qualifikation.

Ich absolvierte eine Höhere Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe und demzufolge wurde uns immer eingetrichtert, dass wir zur Hot Volley gehören, insofern wir sie abschließen.

Nun, mir blieb das Vorrecht verwährt und ich konnte diese Schule nicht abschließen. Dennoch war ich noch längere Zeit mit einigen ehemaligen Mitschüler/Innen sporadisch in Kontakt und war bald verwundert.
„Alle zehn Finger werden sie sich nach euch lecken,…“ wurde uns immer gesagt. „Ja die im Gymnasium, die können ja nichts- Aber ihr im Vergleich…“ kamen die Aussagen Tagein Tagaus.
Unter den Absolvent/Innen meiner Schule arbeitete ein Mädchen bis vor kurzem nachweislich beim H&M. Eine andere Person hatte einen Job gesucht, keinen gefunden und danach erst beschlossen, zu studieren.
Warum also gibt es offensichtlich in meiner Generation keine guten Jobchancen?
Das Computerzeitalter setzte unmittelbar und endgültig während der ersten oder zweiten Klasse Oberstufe ein.

Demzufolge ist so ziemlich jede Person, die auch nur 1, 2 Jahre jünger ist bereits um einiges besser qualifiziert in diesem Bereich. Des Weiteren bin ich mit meinen 25 Jahren in einer Welt aufgewachsen, in der es keine „Schande“, noch ein Ausdruck für besonders verachtenswerte Ausbildung gewesen ist, eine Lehre absolviert zu haben.
Richtig- Aufgewachsen bin ich in dieser Zeit. Die Schule letztendlich fertig gemacht habe ich allerdings in einer Zeit, in der ich als Schulabbrecher kurz vor der Matura nicht mal qualifiziert war, um eine einfache Lehre als Reisebüroassistent zu erhaschen.
In diesen wenigen Jahren vollzog sich eindeutig ein Wechsel des Alltages.
Noch wenige Jahre vorher (drehen wir die Uhr um ungefähr 10 Jahre zurück) wären Schulabbrecher im Vergleich dazu mit Handkuss als Lehrlinge aufgenommen worden.

Ich lebe also nun in einer Zeit, in der ich einerseits keinen einfacheren Job bekomme, weil ich mit meinen 25 im qualifizierten Bereich noch kaum Erfahrungen habe. Da sind mir einfach die ehemaligen Lehrlinge voraus. Einen weniger qualifizierten Job bekomme ich schwer, und wenn, dann nur unter prekären Arbeits- und Vertragsverhältnissen.
Bereits jetzt geht in meiner, wie ich sie so oft nenne- verlorene Generation, die Angst um, dass beim Abschluss des Studiums es noch „besser“ wird.
Da stellen wir uns schon richtiggehend darauf ein, dass wir dann als Herr und Frau Doktor soundso zu wenig Erfahrung haben, für einen Job im akademischen Umfeld, zu überqualifiziert sind für eine simplere Arbeit im Büro und zu guter Letzt darum kämpfen müssen, im Winter in Wien Schnee schaufeln zu können.

Denn viele Akademiker/Innen meiner Generation sind aus der Not geboren. Allein aus meiner letzten Klasse aus der HBLA fallen mir mehrere Fälle ein, die allein aufgrund des Perspektivenmangels das Unileben dem Arbeitsleben vorgezogen haben.
In weiterer Folge habe ich letztendlich ein Abendgymnasium mit Matura abgeschlossen. Und dort bin ich dann erst recht auf unzählige Personen getroffen, die im eigentlichen Sinne Schulabbrecher/Innen waren und wussten, dass sie ohne Matura keine Chance auf einen einigermaßen gut bezahlten Job haben.
Schon zur damaligen Zeit habe ich oftmals nach guten Jobs Ausschau gehalten und bald aufgegeben, in der Annahme, dass ich aufgrund der fehlenden Matura keine geeignete Beschäftigung finden würde.

Nun- Mehrere Jahre danach habe ich immer noch die selben Erfahrungen im Angestelltenverhältnis: Nämlich so gut wie keine. Sicherlich, einige Zeit war ich geringfügig angestellt, doch auch in dieser Zeit habe ich mehrfach nach Teilzeitbeschäftigungen im Angestelltenverhältnis gesucht, gelegentlich welche gefunden und wurde abgelehnt.
Meine Generation ist mittlerweile eine Welt, die das normale Dienstverhältnis, wie es über Jahrzehnte Brauch war, kaum noch kennt.

Prekäre Arbeitsverhältnisse, keine Überstundenzuschläge, zu lange Arbeitszeiten und Terror/ Überwachung am Arbeitsplatz sind für viele Menschen meiner Zeit schon Gewohnheit und werden gar nicht mehr angeklagt.

„Ja so ist das halt,…“ sagen dann viele Betroffenen und meinen, dass es schon immer so war und immer so sein wird. Allein mein älterer Bruder und einige Freunde, die um mehrere Jahre älter sind als ich sind mein Zeuge: Diese gegenwärtige Welt wurde konstruiert und geschaffen und jetzt hört Alle zu: Sie kann sich auch ändern.“

Und weil ich das glaube, und weil ich mich dafür engagiere, und weil ich immer diesen Gedanken in mir tragen werde, und weil ich nie aufgeben werde- Deshalb mache ich weiter.

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