Donnerstag, 4. September 2008

Farblose KPÖ, Weltfremde Christen und die erste TV Konfrontation der Polit- Dinosaurier

Unlängst gab es im österreichischen Fernsehen eine sehr informative Unterhaltung. Zwar können sich die Parteien, die gegenwärtig nicht im Parlament vertreten sind nicht über direkte TV Konfrontationen beweisen, doch immerhin kommt es zu einer Einladung des ORF und einer darauf folgenden Vorstellung des Programms. Unlängst konnten in diesem Zusammenhang der Spitzenkandidat der KPÖ, Mirko Messner- und der auserwählte Kandidat der Partei „Die Christen“ Dr. Adam ihre diametralen Ansichten im Fernsehen entgegen spielen.
Besonders auffällig bei dem Spitzenkandidaten der KPÖ war die offensichtliche Planlosigkeit. Auf die Frage, inwieweit Steuer auf Vermögen wieder eingeführt werden solle, antwortete Messner in etwas: „…so weit, als dass es zu einer wirksamen Aufteilung von oben nach unten kommt…“ Offensichtlich gibt es keine Polit- Strategen, Spindoktoren usw. die der KPÖ ein seriöses Bild geben können.
Der Kandidat der Christen, Dr. Adam wirkte wie ein verklemmter Spießer, der Homosexualität im TV im Jahre 2008 als „heilbare Krankheit“ identifizierte und dabei selbst enorm a- sexuell wirkte.
Unfassbar, dass diese Partei bei den Tiroler Landtagswahlen um die 1,4 % erhalten hatte. Offensichtlich ist in dem konservativen Bundesland ein überdurchschnittliches Potential für altbackene, traditionelle Parteien, die viel von Himmel, Hölle und Verdammung sprechen. Dieser Umstand wird allein durch den großen Erfolg von Fritz Dinkhauser bestätigt.

Gestern kam es des Weiteren zum ersten Duell der ältesten Spitzenkandidaten der Parlamentsparteien. Mittlerweile tritt Dr. Haider bereits zum fünften Mal in eine Nationalratswahl und Prof. van der Bellen agiert zum vierten Male in seiner Funktion als Parteiobmann und Spitzenkandidat der Grünen.
Die Beiden schenkten sich Nichts. Bereits anfangs argumentierte Haider, das er wenige Stunden vor der Konfrontation unter Vollnarkose gewesen wäre, aufgrund der Behandlung eines Wespenstiches. Deshalb solle das Publikum nicht überrascht sein, falls er ähnlich müde wirke, wie dies im Normalfall der Universitätsprofessor van der Bellen tue.
Nach einem kurzen Angriffs auf den aus der Untersuchungshaft entlassenen Tierschützer und der routinierten Abwehr des Grünen kam es zu einer baldigen Offensive des Professors. Er attackierte den Kärntner Landeshauptmann aufgrund seiner dubiosen Abschiebeaktivitäten und dem Ortstafelstreit. Trotzdem Dr. Haider meiner Ansicht nach dieses Thema gut bewältigen konnte, verirrten sich die beiden Kandidaten nahezu eine halbe Stunde in Diskussionen über Paragraphen, Gerichtshöfe usw. Dieses Fachchinesisch ist für das Hauptklientel des Rechtspopulisten kein leichtes Brot und schwer zu verstehen. Schließlich hat das BZÖ eher Wähler/Innen mit niedrigem Bildungsniveau, während die Grünen unter Anführungszeichen hauptsächlich von jungen und der „Bildungselite“ der Menschen gewählt werden. Eine Verzerrung der Diskussion weg von Oberflächlichkeiten, Populismus und leichter Verständlichkeit ist also eher als Vorteil für van der Bellen zu werten.
Im Punkt der Förderung des Individualverkehres wurde Dr. Haider von der Moderatorin nahezu ein politischer „Elfmeter“ aufgelegt, denn der gebürtige Oberösterreicher routiniert zu verwerten wusste.

Während bei Tageszeitungen, die traditionell von Menschen mit höherem Bildungsstandard gelesen werden, van der Bellen als Sieger der Zuseher/Innen identifiziert wurde, gilt bei anderen Blättern Dr. Haider als Sieger der TV Konfrontation.
Ich sehe das Ganze differenziert: Dr. Haider griff den Parteiobmann der Grünen an dessen Achillesferse regelmäßig an- Ausländerpolitik, Kriminalität und Sicherheit. Prof. van der Bellen seinerseits attackierte mit Ortsschildern und rechtswidrigen Abschiebungen. Interessant in diesem Zusammenhang, wie zwei Akademiker die gleichen Situationen im Rechtsstaat anders auslegen können.

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