Donnerstag, 28. August 2008

Newsflash- Nationalratswahl 2008 Teil 5: Angriffslustiger Haider gegen verstaubten Erbsenzähler


Gestern Abend kam es zur Konfrontation zwischen BZÖ und ÖVP. Nach dem Fernsehduell konnte sich so mancher linksgerichteter Mensch entspannt zurücklehnen. Molterer ist offensichtlich genau der Mensch, für den ihn die Kritiker halten: Emotionslos, fast „verstaubt“, kühl und zeitweise sogar „versteinert“ rechnete Molterer gelegentlich das Budget des Staates vor und sprach immer wieder von der Verantwortung gegenüber dem „Ganzen“. Diese Aussagen erinnerten mich fast an das Bundesheer. Des Weiteren sprach er immer davon: „Man muss zuerst etwas verdienen und dann verteilen und nicht umgekehrt.“ Tatsächlich ist genau umgekehrt das ideale Wirtschaftssystem, das die Konjunktur in den goldenen Jahren vorangetrieben hat. Haider erinnerte Molterer daran, dass er enorm hohe Steuereinnahmen habe und als „Säckelwart“ Alles in der Hand hätte, um das Geld aufzuteilen.
Des Weiteren bekräftigte der Jurist, dass die Menschen jetzt unter der „Katastrophe“ der Teuerung leiden und daher JETZT Hilfe erwarten, und nicht erst 2010. „Erweichen sie ihr Herz!“ appellierte Haider an Molterer, und dieser tat, was er konnte, um möglichst bewegungs- und regungslos am Sessel zu kleben, um letztendlich sogar kurzweilig die eigene ÖVP Statistik der höheren Steuereinnahmen aufgrund ihrer Richtigkeit anzuzweifeln.
Die Rolle des „sozial gerechten“ Menschen kann Molterer in keiner Sekunde des Gespräches an sich reißen. Er betont auch mehrmals, dass es darum ginge, die Menschen zu entlasten, die Steuern zahlen. Damit klammert er nahezu alle von potentieller Armut betroffenen Menschen automatisch aus.
Alle sozialpolitischen Erfolge, die der Finanzminister seiner Partei zuschob, waren Innovationen der Gusenbauer- SPÖ. Egal ob es die Streichung der Arbeitslosenversicherung, die Erhöhung des Pflegegeldes, usw. warà Wie dumm müssen die Menschen sein, um nicht sofort zu erkennen, dass die Worte „Sozial“ und ÖVP niemals zusammenpassen. Tatsächlich meinte sogar Pastor Willi, wie ihn Haider bei Gelegenheit taufte, dass eine Entlastung der Menschen durch die Abschaffung der Schenkungs- und Erbschaftssteuer durchgesetzt wurde. Dieser Umstand ist Verhöhnung pur. Letztendlich hilft es hauptsächlich den Menschen, die etwas zu verschenken und/ oder zu vererben haben.
Während in seiner ersten Konfrontation Haider noch einen Schritt weniger machte und Strache politisch nicht der Unfähigkeit preisgab, griff er Molterer wesentlich entschiedener an. Natürlich muss man in diesem Zusammenhang erwähnen, dass Haider auf mich oftmals den Eindruck macht, er habe das BZÖ lediglich aus Eitelkeit ins Leben gerufen und möchte seit dem hauptsächlich, eine Zusammenarbeit mit der FPÖ ermöglichen.
Außerdem macht es Molterer einem alten Politiker wie Haider sehr leicht, ihn aufgrund der nicht existierenden Sozialpolitik anzugreifen. Für den Finanzminister gibt es viele Bezeichnungen, die nach dieser Konfrontation möglich sind: Erbsenzähler, Bürokrat, ermüdend, verstaubend, kraft- und saftlos.
Mit diesen Gedanken freue ich mich bereits auf die Konfrontation ÖVP gegen SPÖ.

Mittwoch, 27. August 2008

Das dunkle Gotham City


Mit dem tragischen Tod des Schauspielers Heath Ledger erlangte der Film „The dark knight“ mehr Aufmerksamkeit, als jede Werbekampagne möglich gemacht hätte. Nachdem der sympathische Australier unter mysteriösen Umständen an einem unverträglichen Medikamentencocktail starb, verabsäumte es die Filmindustrie keinen Moment und mystifizierte den neuen Batman- Film. „Die letzte Rolle von Heath war seine beste und er müsse dafür den Oskar erhalten.“sprachen viele Menschen ihre Meinung konkret aus.
Heute habe ich den neuen Batman gesehen und ich muss sagen: Der Film gehört tatsächlich zu den besten Batman- Verfilmungen aller Zeiten. Allerdings hätte sich Ledger bereits als homosexueller Cowboy, der seine Neigung unterdrückt und daran nahezu zerbricht einen Oskar verdient.
Heath war ein sehr talentierter Darsteller, der keine 30 Jahre alt wurde. Er hatte noch viele Filme zu drehen, die höchstwahrscheinlich seiner Karriere noch mehr Auftrieb gegeben hätten. Womöglich war es ohnehin bereits zuviel Auftrieb, der ihn letztendlich in all seinem Erfolg vereinsamen ließ. Zu seiner Rolle als Joker: Anders als in den ersten Batman- Verfilmungen wurde mit dem letzten Teil „Batman begins“ eine neue Ära eingeläutet. Die Zeiten der Comichelden sind endgültig vorbei. Der neue Batman spielt in einem realen Gotham City, mit psychologisch ausgearbeiteten Charakteren und einem zweifelnden Helden.
Der innere Kampf, den Bruce Wayne mit sich selbst führt, wurde noch nie dermaßen offen gelegt, wie in der neuen Verfilmung. Batman wurde mehr als nur ein Held. Er ist nunmehr ein dunkler Ritter mit Ecken und Kanten. Konkret ähnelt die Fledermaus der Figur aus der Batman- Comicreihe „Inferno“. In dieser Reihe wurde Gotham City durch eine Katastrophe zerstört und die gesamte Umgebung des Helden änderte sich, die Stadt wurde düster und die Zukunft war nicht verheißungsvoll. Ähnlich verhält es sich auch beim neuen Film, der gemeinsam mit Dino Comics ein sehenswertes Filmereignis auf die Leinwand bannte. Im Gegensatz zu früheren Verfilmungen ist insbesondere die Figur des Twoface toll in Szene gesetzt. Heath Ledger überzeugte in seiner Rolle als Joker. Die Figur hatte allerdings auch wesentlich mehr Tiefgang, als in früheren Zeiten mit Jack Nicholson als Interpreten. Während die Figur des Joker unter Nicholson eher als Schlitzohr fungierte, machte Ledger aus dem Verbrecher seine wahre Identität: Ein geisteskranker, aufgrund seiner gewalttätigen Vergangenheit schwer gebeutelten, genialen, gefährlichen und gesetzloser Schurke, der rücksichtslos seine Ziele verfolgt und über Leichen geht. Dies soll natürlich die schauspielerische Leistung von Jack Nicholson nicht schmälern- Der geniale Schauspieler wirkte in der alten Batman- Verfilmung ebenfalls ausgezeichnet, und dieser alte Film zählt neben der Version mit Danny de Vito als Pinguin immer noch zu den besten Batman Filmen ever. Neben den ausgezeichneten Darstellern ist im neuen Blockbuster auch die düstere Stimmung ein Umstand, der dem Ganzen das Prädikat „wertvoll“ verleiht.
Im Gegensatz zum zeitweilig äußerst langweiligen „Batman begins“ beginnt meiner Meinung nach die neue Batman- Saga erst mit diesem Teil. Einzig störend empfinde ich immer noch dem Umstand, dass Batman zwar eine Fledermaus ist, allerdings in früheren Zeiten niemals so grunzend und ächzend artikulierte, wie Christian Bale.

Falls in einer weiteren Verfilmung der Charakter von Catwoman wieder zum Tragen kommt, bitte ich in diesem Zusammenhang auf die substanzlose Halle Berry zu verzichten. Ihre Interpretation der Katzenfrau war äußerst dubios und verzauberte mich keine Sekunde lang. Da lobte ich mir noch die gute, alte Michelle Pfeiffer, die den Menschen unter dem Katzenkostüm wesentlich besser Leben einhauchen konnte.
Nicht immer bedeutet „Neu“ automatisch besser. Zumeist ist sogar das Gegenteil der Fall. In diesem Zusammenhang muss ich eindeutig mein Kommentar auf folgende Weise beenden: Besuche diesen Film und genieße das Abenteuer. Er ist zu den drei besten Batman- Verfilmungen aller Zeiten zu zählen und ist eindeutig die dunkelste Version des Helden.

Newsflash- Nationalratswahl 2008 Teil 4: Duell um das linke Klientel unter Ausklammerung des LIF


Nach dem Duell der Rechtspopulisten Haider und Strache kam bei der Diskussion Grüne gegen Faymann eine wesentlich bessere Grundstimmung zu Stande. In vielen Punkten gab es Überschneidungen in den Ansichten zwischen van der Bellen und Faymann. Der einzige, wesentliche Unterschied liegt in den Vorstellungen der Entlastungen der Menschen. Während Faymann von einer Halbierung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel drängt, argumentierte van der Bellen mit der niedrigen Zielsicherheit und verlangte eine Entlastung der Steuer auf Arbeit und Erhöhung der Negativsteuer. Der letzte Punkt wurde im Übrigen schon mehrfach auch von der SPÖ verlangt. Im Zusammenhang mit Preisen usw. argumentieren die Grünen immer mit einer Etablierung einer Wettbewerbskommission. Dies ist eindeutig ein wirtschaftsliberaler Zugang. Der Wettbewerb allein garantiert keine Senkung der Preise. Im Gegenteil: Mit Fortdauer und Verschärfung des Wettbewerbs kommt es zu Monopolbildungen, die die Preise willkürlich erhöhen. Andererseits muss die Senkung der Mwst nicht im Preis der Lebensmittel weitergegeben werden. Faymann vertraut in diesem Zusammenhang auf eine Art „Gentleman- Agreement“ und baut darauf, dass die Supermärkte die Preise tatsächlich senken. Allein eine gesetzliche Verpflichtung gibt es dazu nicht, und im Falle dessen, dass sie die Preise nicht anpassen, kommt es sogar zu einer noch größeren Gewinnspanne der Supermärkte. Interessant der Wortlaut Faymanns: „Ich war nie dafür, dass die Benzinpreise so hoch angesetzt werden, dass man sich das Autofahren nicht mehr leisten kann“ Ich glaube durchaus, dass er nicht dafür war. Leider sind dem Staat die Möglichkeiten genommen worden, effektive Preispolitik machen zu können, seitdem die keynesianische Wirtschaftspolitik Mitte der 80er Jahre nachhaltig gegen einen neoliberalen Wirtschaftsdarwinismus gefallen ist.
Eine Preiskommission usw. würde nur europaweit Sinn machen. Die EU würde unzählige soziale Errungenschaften auf ewig garantieren können, insofern der Wille da wäre.
Man merkte einerseits van der Bellen die Routine und Faymann die Frische in der Diskussion an. Interessanterweise diskutiert und argumentiert van der Bellen zumeist relativ aus dem linken Spektrum heraus und handelt konkret zumeist eher konservativ. Die Grünen haben zwei historische Fehler in ihrer unmittelbaren Vergangenheit begangen. Einerseits wollten sie keine Minderheitsregierung unter Gusenbauer unterstützen und andererseits haben sie sich anfänglich in dem Wahlkampf 2008 Richtung ÖVP orientiert. Solche Umstände vergessen und verzeihen die Stammwähler/Innen der Grünen nicht so schnell.
Insgesamt gesehen war es ein konstruktives Gespräch mit vielen Schnittpunkten. Faymann bemühte sich besonders, die Differenzierung in der Infrastrukturpolitik zwischen sich und den Grünen hervorzuheben. Dahinter steckt natürlich auch der taktische Gedanke, dass insbesondere die „militanten“ Autofahrer/Innen zumeist gegen die Grünen sind. Denn wenn es zwei Grundvorurteile gibt, die die Medien usw. bezüglich der Grünen immer schüren, dann sind es Folgende: Die Grünen wollen, dass alle Ausländer/Innen reinkommen und ihnen Alles schenken und sie wollen, dass das Autofahren so teuer wird, dass es sich keiner mehr leisten kann.
Diese zwei Vorurteile werden die Grünen nicht los und sie können sie auch nicht wegdiskutieren. Für Otto Normalverbraucher ist es auch schwer verständlich, wenn van der Bellen argumentiert, dass verpflichtende Deutschkurse wirtschaftspolitisch Schwachsinn sind und unverträglich sind mit der Konjunktur. Vor Allem da es grundsätzlich nicht stimmt. Verpflichtende Deutschkurse bringen den Zuwander/Innen, wie auch den Inländer/Innen etwas. Die Integrationsmöglichkeiten werden wesentlich ausgebaut und die Wahrscheinlichkeit für Ausländer/Innen, einen besseren Job in Zukunft zu ergattern, wird ungleich erhöht.
Die Immigranten, von denen van der Bellen spricht, sind ohnehin besser Ausgebildete, die in ihren höheren Funktionen höchstwahrscheinlich gar nicht zwangsläufig Deutschkenntnisse nötig haben. Ich gehe davon aus, dass diese Fachkräfte ohnehin Deutsch lernen möchten.
Ingesamt gesehen war die Diskussion ziemlich ausgeglichen. Inhaltlich gesehen konnte sich Faymann sozialer, und van der Bellen wirtschaftlich sattelfester etablieren. Interessanterweise argumentierte van der Bellen insbesondere beim Thema Kindergarten und Pädagogik enorm sozialistisch und sozialdemokratisch. Die Wichtigkeit dieser Einrichtungen wurde bereits vor Jahrzehnten von der Sozialdemokratie hervorgehoben. Aufgrund dieser Umstände bemerkt man ja auch immer wieder, dass van der Bellen sozialistisch sozialisiert ist.
Immerhin kommt der Parteiobmann der Grünen aus der Sozialistischen Jugend.
Andererseits hat er sich im Laufe der Jahre insbesondere ökonomisch in eine neue Richtung entwickelt, die zwar gegenwärtig die einzige Variation innerhalb der Wirtschaftspolitik darstellt, eigentlich jedoch dem rechten Spektrum zuzuordnen ist.
Die so häufig geforderte Wettbewerbskommission führt auf lange Sicht zu keiner Verbesserung, sondern vielmehr zu einer Verschlechterung der Situation. Was nutzt es den Menschen wenn sie wissen, dass das Brot bei A sehr teuer, und bei B ein wenig weniger teuer ist? Insbesondere wenn man daran denkt, dass dann in Zukunft A kein Geschäft mehr macht, zusperren muss und B das Monopol für Brot innehaben wird, und danach die Preise komplett willkürlich gestalten kann?
Ein staatlicher Eingriff ist notwendig und in diesem Zusammenhang hat van der Bellen recht: Treffsicherer wäre die Entlastung für Arbeit innovativ zu gestalten, als die Lebensmittel, die letztendlich von allen Menschen konsumiert werden, langfristig zu verbilligen. Dabei vergessen hat der Professor, dass diese Forderungen ohnehin bereits mehrmals von der SPÖ geäußert wurden.
Laut einer spontanen Umfrage auf oe24.at hat Faymann das Duell zu 70% klar gewonnen. Ich würde dem ganzen jedoch die Note eines Unentschieden geben. Dieses Unentschieden ist jedoch nur möglich, da ich der Meinung bin, dass van der Bellen die Grünen inhaltlich bei der Diskussion wesentlich linker interpretiert hat, als die Partei tatsächlich ist.
Faymann machte in seiner ersten Diskussion einen guten, kooperativen und konstruktiven Eindruck und wird sich im Zuge der Konfrontationen, insbesondere gegen die ÖVP und FPÖ noch um Einiges steigern und mehr profilieren können.
Eckpunkte und Kanten zwischen zwei Parteien zu finden, die in 4 der 5 Punkte der SPÖ ohnehin einig sind, gestaltete sich erwartungsgemäß schwierig.

Montag, 25. August 2008

Newsflash- Nationalratswahl 2008 Teil 3:Intelligent vs. "aalglatt"

Vorweg wurden viele negative Assoziationen mit dem Wechsel von Dr. Gusenbauer zu Werner Faymann publiziert. Da wurde einerseits von dem intelligenten, wenngleich auch an mangelndem sozialem Gespür leidendem Dr. Gusenbauer und andererseits von dem „aalglatten“ Liebling der Kronenzeitung Werner Faymann geschrieben.
Vorweg muss ich eine Frage in den Raum werfen: Dr. Gusenbauer’ s Intelligenz wurde immer untermauert aufgrund des Umstandes, dass er ziemlich belesen ist, viele Sprachen kann und viele verschiedene Interessen aufweist. An diesem Punkt muss eingelenkt und festgestellt werden: Bildung allein macht keine Intelligenz aus. Des Weiteren gehört soziale, emotionale Intelligenz zu den wichtigsten Puzzleteilen eines intelligenten und erfolgreichen Politikers.
Zum Vorwurf der Kritiker an Werner Faymann: Der Begriff „aalglatt“ lässt sich auch positiv assoziieren: Ein „aalglatter“ Mensch ist zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, kennt die wichtigen und entscheidenden Mechanismen der Macht und nutzt sie, zeichnet sich durch kooperative Kraft aus und ist auf Konsens aus. Kurz: Die Attribute „aalglatt“ treffen mit Sicherheit auf nahezu jeden Politiker im so genannten „linken“ Spektrum aus. Experten erkennen und wissen schließlich seit Langem, dass lediglich im „rechten“ und konservativen Spektrum teilweise Loyalität und das Wesen der Hierarchie wichtiger ist als Konsensfähigkeit. Des Weiteren versteht man mitunter die Kritik am Leserbrief an die Kronen Zeitung, der den Schwenk der SPÖ bezüglich der EU- Politik beinhaltete. Der Inhalt selbst ist wenngleich auch zu verstehen und entspricht einer breiten Meinung der österreichischen Bevölkerung. Selbstverständlich ist die Kronen Zeitung auch ein gutes Medium, um diese Umstrukturierung der parteiinternen Politik zu verkünden: Immerhin hat die Zeitung den höchsten Leser/Innenanteil Österreichs und ist zu den größten EU- Skeptikern ad hoc zu zählen. Als parteiloses und unabhängiges Medienblatt ist die Kronen Zeitung selbstverständlich zu hinterfragen und letztendlich sind spätestens seit dem skandalösen arte- Film über das Massenblatt die Arbeitsweisen der Zeitung positiv ausgedrückt dubios.
Außerdem muss erwähnt werden, dass die SPÖ im selben Atemzug auch andere Medien informiert hat und der Schwenk der SPÖ bezüglich EU- Reformvertrag bereits mehrere Stunden früher auf dem Teletext des ORF zu lesen war.

Nachdem bereits wenige Stunden nach dem bereits berüchtigten Ausspruch von Wilhelm Molterer: „Es reicht.“ Josef Broukal von den eigenen Parteigenossen bezüglich des Antrages auf Abschaffen der Studiengebühren zurückgepfiffen wurde und danach zurücktrat, wurde interessanterweise folgendermaßen argumentiert: „In diesem Moment wäre dies juristisch gar nicht möglich, man dürfe nicht den ehemaligen Koalitionspartner verärgern usw.“
In einem Interview in der ZIB argumentierte insbesondere der kürzeste Bundeskanzler aller Zeiten, Dr. Gusenbauer auf diese Art und Weise und nun, wenige Monate danach, setzt Werner Faymann ein Zeichen und bringt fünf Anträge zur Abstimmung in das Parlament.

Das 5 Punkte Programm der SPÖ beinhaltet die Erhöhung des Pflegegeldes und die Verbesserung der 24h Pflege, die Etablierung der 13. Familienbeihilfe, die Halbierung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel, die Abschaffung der Studiengebühren und der Verlängerung der Hacklerregelung.
Insbesondere die Verlängerung der Hacklerregelung war bereits seit Monaten ein fest angenommener Kompromiss der Koalitionspartner. Letztendlich konnte dieser Vorsatz aufgrund der Aufkündigung der Koalition seitens der ÖVP nicht umgesetzt werden.
Bei der Abschaffung der Studiengebühren könnten höchstwahrscheinlich die Grünen, die FPÖ und die SPÖ zu einer gemeinsamen Mehrheit kommen und interessanterweise ist es gerade die ÖVP, die dem Antrag auf 13. Familienbeihilfe höchstwahrscheinlich nicht zustimmen würde. Die konservative Partei möchte nämlich lediglich die Familienbeihilfe für Kinder in Ausbildung erhöhen.
Letztendlich sollte ein Politiker nie nach Sozialisierung, politischem Hintergrund, politischer Erfahrungen in der Jugend usw. beurteilt, sondern immer nach den konkreten Ergebnissen gemessen werden.
Was nützen Bundeskanzler aus der eigenen Parteijugend, die im Moment ihres größten Triumphes ihre eigene Herkunft verleugnen, und vergessen, woher sie kommen und wer sie groß gemacht hat?
Da sind im Zweifelsfall Politiker/Innen wirkungsvoller, die kooperativer Artikulieren und im Zweifelsfall ein Problem aus der Offensive heraus zu lösen bereit sind.

Morgen kommt es zur Diskussion zwischen Faymann und van der Bellen. Ein ausführlicher Bericht wird folgen.

Samstag, 23. August 2008

Newsflash- Nationalratswahl 2008 Teil 2: BZÖ gegen FPÖ


Gestern begann der Kampf um jede Stimme mit dem Fernseh- Duell des dritten Lagers. Auf der einen Seite diskutierte der Mensch, der in damaligen Zeiten aus der ursprünglich liberal positionierten, freiheitlichen Partei die Repräsentation des so genannten dritten Lagers formte und sie letztendlich am Tag des persönlichen Triumphes zur zweitstärksten Partei Österreichs machte- Dr. Jörg Haider. Seines Zeichens Populist, Jurist und passionierter 1 Euro- Party-Besucher. Auf der anderen Seite diskutierte der Zahntechniker HC Strache. Seines Zeichens der „Königsmörder“ von Dr. Haider in der freiheitlichen Partei, der ihn zuerst jahrelang zu schleimte, um ihm im geschwächten Moment das Messer in den Rücken zu stechen und als Parteiobmann bei der FPÖ abzulösen. Anders als Haider vermag es Strache nicht, Visionen, politische Ambitionen und Vorhaben auch realisierbar und konkret darzustellen. Der Grund liegt in seiner fehlenden Bildung und seinem nicht vorhandenen politischen Weitblick. Um Steuerreformen zu verwirklichen, das Gesundheitssystem zu reformieren usw. bedarf es entsprechend ausgebildeter Personen und/ oder gebildeter Menschen- Strache ist in keiner Form gebildet und/ oder intelligent genug, um in diesen Zusammenhängen konkret verwirklichbare und realisierbare Modelle aufzeigen zu können.

Die Diskussion BZÖ gegen FPÖ begann zunächst durchaus amüsant. Dr. Haider sprach über Strache, als einen alten Wegbegleiter, den er noch aus alten Zeiten in Kärnten kennt und der ihn regelmäßig medial gelobt hat. Strache verbat sich seinerseits das DU- Wort und siezte Haider die ganze Diskussion durch. Während Haider immer darauf setzte, bereits Modelle entworfen zu haben und sie umzusetzen in Kärnten, griff ihn Strache immer wieder unqualifiziert und unter der Gürtellinie an. Der Gipfel der Frechheit geschah kurz vor Schluss der Diskussion, als er seinen ideologischen Mentor Haider ein Plastik- Rückgrat eines Menschen schenken wollte. Doch dies ist durch die Bank die politische Arbeit des Strache.
Letztendlich sind seine politischen Visionen niemals wirklich durchdacht und seine Stimmen gewinnt er, in dem er auf Rot und Schwarz schimpft und Nationalismus und Ausländerhetze betreibt.
Ich glaube nicht, dass Strache von durchschnittlich gebildeten Menschen gewählt wird. Jeder Mensch, der sich politisch Gedanken macht, weiß und erkennt dass Strache lediglich eine demagogische Kopie Haiders ist, der anders als sein Mentor über kein Know- How und/oder Weitblick verfügt.
Haider präsentierte sich interessanterweise gealtert und staatsmännisch. Er war wesentlich ruhiger und insbesondere am Anfang der Diskussion um einen „normalen“ Dialog bemüht. Nachdem Strache diesen mehrmals ablehnte, beschränkte er sich auf politische Inhalte und griff seinen jungen Schützling kaum an. Dahinter liegt natürlich auch die Strategie, sich wesentlich seriöser und gesitteter als Strache darzustellen. Während Strache lediglich die Wirtshaus- und Stammtischpolitik erreichen kann, weiß Haider um seinen gegenwärtig einzigen strategischen Vorteil, auch über den Wirtshaustisch hinaus sehen und Stimmen holen zu können. Haider kann seine Gesichter wechseln und den seriösen Juristen, ebenso wie den tobenden Nationalisten auf Stammtischen auspacken, während Strache aufgrund seiner Sozialisation politisch und ideologisch sehr beschränkt wirkt, und immer wieder entlarvt wird in seiner Planungs- und Ahnungslosigkeit.

Gestern fiel mir besonders auf, dass er Fragen der Verwirklichung, Planung und Machbarkeit immer konkret auswich. Egal ob es um die Frage der Kindergärten, des „Muttergeldes“ usw. ging- konkrete Pläne sehen anders aus.
Insgesamt gesehen war die Diskussion dennoch relativ enttäuschend. Da beide Parteien nationalistisch angedacht sind, hatte Strache wenig Angriffspotential und Haider war sichtlich über die Beleidigungen und den rüden Ton seines ehemaligen „Ziehsohnes“ verärgert. Tatsächlich werden die beiden Nationalisten gegen die Großparteien besser punkten können. In diesem Zusammenhang gebe ich dem alten Dr. Haider mehr Chancen, als Strache, da Haider seine populistischen, demagogischen und oftmals menschenverachtenden und geschichtsverfälschenden Ansichten politisch, mitunter wirtschaftlich und rentabel erklären, definieren und formen kann, während Strache oftmals so wirkt, als scheitere er bereits an der Rechtschreibung.

Das nächste Duell wird wesentlich interessanter werden und sich zwischen SPÖ und den Grünen abspielen. Auch in diesem Zusammenhang wird es einen Bericht geben.

Mittwoch, 20. August 2008

Die Angst des Österreichers vor dem Sieg


Schon im Freundschaftsspiel gegen die Niederlande wurde ich endgültig in meinen Vermutungen bezüglich des österreichischen Fußballs bestätigt: Das österreichische Fußballnationalteam hat Angst vor dem Sieg. Sobald das Team gegen eine große Mannschaft in Führung geht und einen Gegentreffer erhält, brechen im Regelfall alle Dämme. Falls dies einmal, wie im gestrigen Match gegen den Weltmeister Italien, nicht geschieht, sorgt ein Teamkollege (Özcan) dafür, dass die Last der Führung gegen Italien genommen wird. Auffällig für mich war Karel Brückner’ s Gestik- Er hat immer darauf bestanden, dass das Team ruhig spielen sollte. Für den Tschechen wird es ein komisches Bild gemacht haben, dass das Team beim Stand von 2:0 und auch beim 2:1 zeitweise sehr nervös agiert und viele Fehler gemacht hat.
Natürlich hat das Match nicht viel Aussagekraft. Die Italiener befinden sich Großteils noch in der Vorbereitung und waren ersichtlich noch nicht in Topform. Aber auch die Österreicher haben während der EM bewiesen, dass sie besser spielen können und werden.
Offensichtlich war Brückner binnen weniger Trainingseinheiten klar, dass Janko der technisch viel bessere, gefährlichere und „intelligentere“ Stürmer ist und Maierhofer hauptsächlich auf den Umstand verweisen kann, dass er 6cm größer als der Star von Red Bull Salzburg ist. In allen anderen Belangen ist er dem Topscorer der Bundesliga unterlegen.
Interessant auch die Auswechslungen des neuen Teamchefs Brückner. Zu einem Zeitpunkt, in dem es schwierig wurde, das Unentschieden zu halten, entschied sich der Tscheche auf die Einwechslung eines zusätzlichen Stürmers (Linz) und verzichtete darauf, in den letzten Minuten die Defensive punktuell zu verstärken. In diesem Zusammenhang war auch die Unzufriedenheit mit Stefan Maierhofer auffällig, der kaum Defensivarbeit zu leisten bereit war.
Aber so ist halt der Rapidler Maierhofer, der Ansprüche wie Toni Polster stellt und qualitativ immer noch schwächer ist, als die Christian Mayrlebs dieses Landes.
Generell dürfte das Nationalteam erstmals seit Ende der 90er Jahre wieder stärker geworden sein. Viele Spieler wechselten in das Ausland und derzeit gibt es eine sehr gut besetzte Abwehr und viele Variationen an Stürmern, worunter auch Roland Linz fällt, der sich bereits vor Jahren in Portugal durchgesetzt hat.
Gestern schoss Österreich 4 Tore gegen den amtierenden Weltmeister und das Spiel ging 2:2 aus. Die Angst vor den großen Nationen müsste eigentlich im Laufe der Zeit vergehen, insofern die neuen Legionäre sich auf Dauer im Ausland durchsetzen und überzeugen können.
Die Hoffnung stirbt zuletzt und erstmals seit Jahren ist die Hoffnung auf Erfolg nicht unbegründet,…

Arbeit 2008


Insofern die Zeitungen aufgeschlagen oder Statistiken durchblättert werden, lässt sich eindeutig der Trend zum Rückgang der Arbeitslosigkeit feststellen. In diesem Zusammenhang ist besonders erfreulich, dass diese Entwicklung trotz einer Reduktion der Menschen, die bei verpflichtenden AMS und WIFI Kursen eingespannt werden, vonstatten gegangen ist.
Generell hat sich die Arbeitswelt in den letzten Jahrzehnten enorm verändert. Während frühere Arbeitnehmer/Innen oftmals ihr ganzes Berufsleben in einem Betrieb, in einer Firma und/ oder in einem Büro verbracht haben, bleibt der gegenwärtige, durchschnittliche Mensch um die 2 Jahre bei der gleichen Arbeitsstelle. Die so genannte Nachfragepolitik war früher allgegenwärtig. Das bedeutet, dass die Unternehmen den Menschen etwas bieten mussten und die Wirtschaftspolitik an den Konsument/Innen orientiert war. Heute herrscht die Angebotspolitik. Die Konsument/Innen und philosophisch betrachtet die Arbeitnehmer/Innen müssen sich an die Unternehmen, an das Waren, Produkt- und Arbeitsplatzangebot anpassen und orientieren. Polemisch ausgedrückt: Hat man früher bei Arbeitslosigkeit gemeint, das Angebot an Arbeitsplätzen erhöhen zu müssen, ist heute alltägliche Meinung, dass die potentiellen Arbeitnehmer/Innen sich selbstständig besser ausbilden müssen, um am Arbeitsmarkt erfolgreich sein zu können. Die Verantwortlichkeit für Arbeitslosigkeit wurde also vom Staat und den Menschen der Wirtschaft auf die arbeits- suchenden Personen abgeschoben.
Des Weiteren bedeutete in früheren Zeiten ein Arbeitsplatz finanzielle Sicherheit, gesundheitliche Versorgung und vollständige Eingliederung in das soziale System. Bis vor kurzem florierte das Beschäftigungsverhältnis „freier“ Dienstnehmer. Es gab in diesem Zusammenhang keine Krankenversicherung, keine Anrechnung für Pensionsjahre usw. Auch im Falle der Kündigung gab es kein Arbeitslosengeld. Mittlerweile hat die nun scheidende Regierung auf Initiative der SPÖ die freien Dienstnehmer/Innen auf Arbeitslosigkeit versichern lassen.
Trotzdem gibt es immer noch die große Gruppe der geringfügig und Teilzeit beschäftigten Menschen, die ständig damit auseinandergesetzt werden, aus dem sozialen Auffangnetz zu fallen und zu wenig Geld zum Leben haben. Insbesondere die Teilzeitarbeit ist weiblich. Nachdem die Frauen jahrelang zu Hause bei Familie und Kind bleiben ist ihnen die Rückkehr in den Beruf zumeist nur noch auf Teilzeit möglich. Der Vorteil für die Arbeitgeber/Innen sind die geringeren Kosten. Derzeit floriert die so genannte soziale Schicht der „working poor“. Sie beinhalten die Menschen, die zu wenig Geld aufbringen um leben zu können, trotzdem sie arbeiten. 230 000 Menschen sind in Österreich trotz! Arbeit armutsgefährdet und 97 000 Personen sind bereits manifest von Armut betroffen.
In diesem Zusammenhang und diesen Statistiken sind die arbeitslosen Menschen nicht erwähnt.
Insgesamt sind über 1 Million Menschen in Österreich armutsgefährdet.
Das ist jeder achte Mensch in diesem Land. Gleichzeitig befinden sich in diesem Staat über 60 000! Euro- Millionäre. Ein prekäres Bild der sozialen Situation in Österreich und repräsentativ für die Entwicklung der Wirtschaftspolitik aller Westindustriestaaten.

Während früher also Arbeitsplätze soziale Sicherheit und die Leistbarkeit des Lebens implizierten, sind heutige Beschäftigungsverhältnisse keine Garantie für die Teilnahme an der Gesellschaft. Viele Arbeitnehmer/Innen sind berechtigt, trotz Arbeitsstelle Sozialhilfe zu beziehen.
In diesem Zusammenhang ist die Entwicklung des Arbeitsmarktes differenziert zu betrachten. Nachdem die Arbeitslosigkeit real gesunken ist, müssen auch die notwendigen Maßnahmen getroffen werden, um den Menschen soziale Sicherheit zu geben. Die schon oft angesprochene Steuerreform ist in diesem Zusammenhang notwendig. Die Bezieher/Innen von kleinen und mittleren Einkommen müssen enorm entlastet werden. Auch wirtschaftspolitisch betrachtet, ist die Entlastung der kleinen Einkommen immer rentabel gewesen, da diese Menschen zumeist wenig sparen und das „Mehr“ im Geldbörsel auch wieder in die Wirtschaft stecken.
Abschließend gesagt: Können sich die armen Menschen mehr leisten, geben sie auch mehr aus.
Antizyklische Wirtschaftspolitik ist nach dem Desaster mit ehemaligen Finanzministern in Österreich notwendig.

Dienstag, 19. August 2008

Zu jung für "Reigen"?!

Unlängst führte ich eine interessante Unterhaltung mit einem Gast eines Würstelstandes. Gemeinsam hatten wir das Schreiben, die Literatur und Wirtshausphilosophie. Während des Gespräches kamen wir auf das Theater. Der Mann hatte sich „Der Talisman“ angesehen. Über kurz oder lang kamen wir auch auf Arthur Schnitzler zu sprechen. Ich persönlich bin kein besonderer Liebhaber von Schnitzler. In der Schule musste ich Anatol lesen und war begeistert. Danach hat man mir jahrelang vom Gustl und Reigen erzählt und gemeint, dass diese Werke seine besten wären. Mittlerweile habe ich sie alle gelesen und musste feststellen, dass Anatol eindeutig mein Favorit ist.
Der Mann beim Würstelstand begann mir ernsthaft zu erklären, dass ich für das Stück „Reigen“ noch zu jung sei. Er schätzte mich allerdings durchaus alterstechnisch über 20 Jahre alt ein.
In diesem Moment stutzte ich. Ich sollte zu jung für „Reigen“ sein? Sofort begann ich mich an meine Oberstufenzeit zu erinnern. In der dritten Klasse Oberstufe überlegte sich mein Klassenvorstand, ob wir Schlink’s „Der Vorleser“ auf die Literaturliste setzen sollten. In dem Werk kommen einige Wenige sexuelle Szenen vor und sie überlegte ernsthaft aufgrund dieses Umstandes, das Buch nicht lesen zu lassen. Zur Information: In der dritten Klasse ist man im Regelfall zwischen 17 und 18 Jahren alt.

Wann trug sich diese Geschichte rund um die Diskussion in der Schulklasse zu? War es in der prüden Zeit der 50er Jahre, Anfang der 80er Jahre? Insofern man heute fernsieht, die Boulevard Blätter durchliest oder einfach aufmerksam durch die Stadt Wien schlendert, muss einem die Zeit, in der über „Der Vorleser“ diskutiert wurde, jahrzehntelang her vorkommen.
Die ganze Geschichte trug sich 2003 zu.
Welche Gedanken eröffnen sich meinem Geist, insofern ich solche Begebenheiten überdenke?

Sexualität war lange Zeit ein großes Tabu. Kinder und Jugendliche wurden wie Anhängsel der Eltern behandelt und gingen bis in die Teenagerzeit keinen individuellen, sondern den Weg des erziehenden Elternteils, also zumeist den der Mutter. Der obligatorische Sonntagsspaziergang in der Sonntagshose oder im Sonntagskleid war gelebte Familientradition, der sich niemand entziehen konnte. Oftmals konnte das Kind erst durch den Auszug aus dem Elternhaus individuelle Fertigkeiten entwickeln. Das Mädchen war oftmals erst in der Lage ausziehen, insofern es schwanger und dementsprechend baldigst verheiratet war. Danach begab es sich allerdings zumeist sofort erneut in Abhängigkeit.

In diesen Zeiten waren Jugendliche auch von Gewalttätigkeiten seitens der Erwachsenen nicht befreit. „A gsunde Hauswatschn“ war in der Öffentlichkeit ebenso akzeptiert, wie die Einschränkung und Vorbestimmung des Lebens der zukünftigen Erwachsenen.
Daher gab es auch logischerweise kaum Möglichkeiten, Sexualität und individuelle Freiheit ausleben zu können.

Das traditionelle und konservative Familienbild der Mutter und Hausfrau ist mittlerweile aus der Mode gekommen. Emanzipierte Frauen möchten unabhängig sein und haben ein Recht auf individuelle Auslebung ihrer Interessen. Oftmals werden die Verpflichtungen der Eltern jedoch nicht gemeinsam aufgeteilt und dementsprechend ist wesentlich weniger Aufmerksamkeit für das Kind gepachtet. Der „gute, alte“ Vater zieht es eben immer noch lieber vor, in das Wirtshaus zu Wein und Gesang zu schlendern, statt die Mutter und Familie zu unterstützen.
Der individuellen Freiheit wird auch durch Handys und Internet Nahrung gegeben. Kinder waren zumeist unter ihren Altersgenossen und wie auch sonst? Wie hätte auch ein z.B. vierzehnjähriges Mädchen mit 20jährigen Burschen in Kontakt treten können? Die Tagesabläufe verfügen über keine Schnittpunkte und in die Disko durfte man sowieso erst ab 18. Durch das Internet, Chat- und Singlebörsenbekanntschaften ist nun der alterstechnischen, gesellschaftlichen Vermischung Tür und Tor geöffnet. Rein theoretisch ist es durchaus möglich, dass sich auch 40, 50jährige Männer vernetzten und in Kontakt treten mit Mädchen unter 14 Jahren.

Durch das eigene Handy verlieren die Eltern binnen kürzester Zeit jeden Überblick über den Freundeskreis ihrer Kinder.
Unsere Kinder sind mittlerweile oftmals im Alter von 10 oder 12 Jahren bereits vollfertig in das Erwachsenenleben integriert. Sie verfügen über ein Budget, gehen aus, haben einen breiten Freundeskreis, haben Sex, trinken Alkohol und mitunter konsumieren sie auch weiche Drogen.
Die Liberalisierung ihres Lebens ist nur positiv zu sehen. Insofern sich Kinder endlich selbst entwickeln können und individuelle Freiheit erleben, kann ihre Entwicklung positiv bereichert werden.
Es ist allerdings ein großer Unterschied zwischen der antiautoritären Erziehung der Kinder in den 70er Jahren in den so genannten „Kinderläden“ und der heute häufigen Gleichgültigkeit oder Überforderung der Eltern ihren Sprösslingen gegenüber.
Freiheit ist die Freiheit zur Wahl und alternativen Möglichkeiten. Insofern die Eltern einfach keine Zeit haben, der Vater seine Ruhe haben will und die Mutter die Aufgabe der Powerfrau, Arbeiterin, Hausfrau und Mama erfüllen muss, bleiben den Kindern keine Wahl.
Ihr Weg ist dann der einsame, individuelle Weg ohne Rat und Hilfe seitens der Eltern, der viele Gefahren birgt.
Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass unsere Kinder und Jugendliche durchaus die richtigen Entscheidungen für sich treffen können und in der heutigen Zeit dadurch selbstständiger, gesellschaftlich freier, selbstbestimmter und glücklicher leben können. Insofern allerdings kein Ratgeber, keine Lehrer/Innen und/ oder Vertrauenspersonen für sie da sind, sind die Möglichkeiten gesellschaftlich abzurutschen viel variantenreicher als jemals zuvor.

Zurück zu dem Philosophen am Würstelstand: Das Theaterstück Reigen ist aus heutiger Sicht Nachmittagsprogramm. Jede durchschnittliche Teenie- Komödie enthält mehr Sexualität als dieser ehemalige Skandal. Die Zeiten haben sich geändert und glücklicherweise wird oftmals Sexualität nicht mehr tabuisiert. Ich mit meinen bald 25 Jahren bin dafür schon längst alt genug und Reigen ist im Vergleich zu teilweise enorm gewaltverherrlichenden Zeichentrickserien viel eher als Kinderprogramm geeignet, als so manches „kinderfreundliches“ Programm.

Sonntag, 17. August 2008

Sozialismus, Sozialdemokratie und soziale Heimatpartei


Zum besseren Verständnis beginne ich diesen Beitrag mit einer kurzen Erklärung: Nach der Neugründung der SPÖ definierte sich die Partei sozialistisch. In den 90er Jahren wandte sie sich wiederum der Sozialdemokratie zu. Viele bedeutende Wissenschaftler sind der Meinung, dass die Partei generell immer sozialdemokratisch angelegt war und die damalige Umbenennung in „Sozialistische Partei“ lediglich initiiert wurde, um ihrer Radikalität nach dem zweiten Weltkrieg mehr Ausdruck zu verleihen.

Interessant ist auch der Zeitpunkt der erneuten Neuorientierung in den Anfängen der 90er Jahre. In diesem Zeitraum platzte der Real- Sozialismus der UDSSR endgültig. Selbstverständlich sind namhafte Sozialist/Innen in diesem Punkt ohnedies davon überzeugt, dass im Realsozialismus lediglich der Begriff an sich sozialistisch ausgelegt war. Im Zusammenhang mit dem Realsozialismus der UDSSR wird auch häufig von Staatskapitalismus gesprochen.
Was ist nun der Unterschied zwischen Sozialismus und Sozialdemokratie?

Sozialismus bietet den Menschen eine Alternative zum Kapitalismus. Es ist nicht nur eine gesellschaftspolitisch ausgerichtete Philosophie, sondern insbesondere auch wirtschaftlich anzuwenden. Im Sozialismus ist die Priorität diametral zum gegenwärtigen kapitalistischen System. Während im kapitalistischen System der Wirtschaftsdarwinismus (the fittest will survive) ausgelebt wird, agiert, produziert und lebt der Mensch im Sozialismus wirtschaftspolitisch gemeinsam. Die Gesellschaft hingegen ist liberal und frei. In einer idealen sozialistischen Version ist das liberale Gesellschaftsbild umgesetzt und Künstler können sich verwirklichen. Der Mensch und nicht seine Leistung ist im Mittelpunkt.

Sozialdemokratie ist keine Alternative zum gegenwärtigen Wirtschaftssystem, sondern eine gewisse Ausgleichsmöglichkeit. Die Entwicklung und die Fixierung der Wirtschaftspolitik werden nicht bekämpft, sondern gewissermaßen „ausgeglichen“. Die Aufgabe der Sozialdemokratie ist es, Verbesserungen für Arbeit- und Dienstnehmer/Innen zu initiieren und im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Teilnahme aller Gesellschaftsschichten am Leben, an den Bildungsinstanzen usw. zu ermöglichen. Grundsätzlich wurde die Wirtschaftspolitik der Sozialdemokratie in Österreich keynesianisch ausgerichtet. Nachdem es Mitte der 80er Jahre endgültig zu einem Paradigmenwechsel von Keynesianismus zu Neoliberalismus kam, konnte auch in Österreich das berühmte System von John Keynes nicht aufrecht erhalten werden.

Zu guter Letzt die soziale Heimatpartei FPÖ. Fast immer wenn ich Wirtshäuser, Gemeindebauten usw. besuche, stelle ich fest, dass viele Menschen in den Freiheitlichen die Alternative zur SPÖ sehen. Hier liegt der wahre Betrug an den Menschen begraben. Die Freiheitlichen negieren das aktuelle Wirtschaftssystem in keiner Weise und geschichtlich betrachtet waren die Nationalisten immer eine Partei des Kapitals. Zumeist war es vor allem die Rüstungsindustrie, die am Nationalismus verdiente. Während im Sozialismus die Gesellschaftsschichten arm und reich entscheidend sind, wird im Nationalismus über Grenzen differenziert. Polemisch ausgedrückt: Der Sozialist unterscheidet zwischen gstopft und arm, der Nationalist hauptsächlich zwischen Aus- und Inländer.

Ich bin davon überzeugt, dass dieser Umstand den Menschen nicht bekannt ist. Grund dafür ist auch, dass den Menschen suggeriert wird, dass das kapitalistische Wirtschaftssystem gerecht und richtig ist. Dabei bedienten sich die Kapitalisten der Strategie von Antonio Gramsci. Politische Inhalte werden in das Denkvermögen, den so genannten „Hausverstand“ eingepflanzt und umgesetzt. Wie sind sonst solche Weltansichten zu verstehen wie: „Es muss nun mal arme und reiche Menschen geben.“ Oder: „Er ist intelligenter als ich und deshalb verdient er es auch, mehr zu verdienen als wir.“? Bei aller Differenzierung nach Intelligenz, Bildungsgrad usw.--> Verdient es wirklich ein Mensch auf dieser Erde, hunderttausendmal mehr zu verdienen, als Andere? Und ist es gerecht, dass er dabei oftmals nicht mal eine Leistung erbringen, sondern lediglich Geld anlegen muss, dass er oftmals nicht mal selbst erwirtschaftet hat?
Oftmals gibt es dann zumeist auch folgendes Gegenargument: Die Natur ist auch nicht gerecht.

Die Welt in der wir leben ist allerdings eine künstlich geschaffene Umgebung, die bewusst in diesem Ausmaß kreiert wurde. Dementsprechend ist es auch logisch nachzuvollziehen, dass sie auch umstrukturiert werden kann.

Fangen wir noch heute damit an.

Mittwoch, 13. August 2008

Newsflash- Nationalratswahl 2008 Teil1


Nachdem die Grünen monatelang eine Schleimspur für die konservative Volkspartei gelegt hatten, stellten sie fest, dass sie auf diese Art und Weise keine zusätzlichen Stimmen erhalten werden. Tatsächlich ist es so, dass aus heutiger Sicht die Grünen keinen Stimmenzuwachs zu erwarten hätten. Hauptsächlich würde die FPÖ, das BZÖ und die neu gegründete Liste Dinkhauser von der Unzufriedenheit der Menschen profitieren.

Da spätestens jetzt die Alarmglocken der Parteizentrale der Grünen geläutet haben, versuchen sie eine optische Täuschung, eine kurzfristige Wendung nach Links zu initiieren. Plötzlich wird da eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes gefordert, die Abschaffung der Studiengebühren könnten wieder diskutiert und die ÖVP nicht mehr Lieblingspartner nach den Nationalratswahlen werden.

Die Spindoktoren der Partei haben in diesem Zusammenhang viel zu spät gehandelt. Ich glaube nicht, dass die Menschen diesen plötzlichen Sinneswandel noch glauben. In den Bundesländern wie Oberösterreich ist schon längst erkannt worden, dass die Grünen ein willkommener Partner sind für Privatisierungen und Verkauf von wirtschaftlichen, österreichischen Aushängeschildern.
Tatsächlich verbinden viele junge Menschen mit den Grünen eine jugendlichere, dynamischere und fortschrittlichere Alternative zur Sozialdemokratie. Tatsächlich ist die Partei vom Bürgertum durchzogen und nicht nur gesellschaftspolitisch, sondern auch wirtschaftspolitisch liberal.

Im Zusammenhang mit der Forderung der ÖVP nach einer zusätzlichen, dreizehnten Familienbeihilfe gelang Werner Faymann ein politikstrategischer Schachzug. Die Umsetzung dieser Forderung soll bereits vor den Neuwahlen initiiert werden. Dadurch verliert die ÖVP nicht nur ein Wahlkampfthema, sondern muss zusätzlich ihrem Wahlversprechen tatsächlich nachkommen. Falls die konservative Partei diesem Angebot Faymanns nicht nachkommt, wird jedem Menschen klar sein, dass die ÖVP letztendlich immer nur ihr eigenes Klientel bedient.
Der Antritt des Liberalen Forums wird durchaus positiv gesehen.


Interessanterweise präsentiert sich die Partei von Heide Schmidt wirtschaftspolitisch sozialdemokratisch. Tatsächlich könnte sich die Juristin Spitzensteuersätze von bis zu 80%! Vorstellen, erklärte sie in einem Interview mit Armin Wolf in der ZIB. Gesellschaftspolitisch stellt sich die Partei erwartungsgemäß liberal dar. Damit ist sie neben der SPÖ und den Grünen die dritte gesellschaftspolitisch liberale Partei. Auf dieser Basis gäbe es zwischen SPÖ, Grünen und LIF viele interessante Schnittpunkte, die Zusammenarbeit ermöglichen würde.
Demnach präsentiert sich das LIF momentan genau so, wie sich meiner Meinung nach die Menschen die Grünen erwarten würden. Gesellschaftspolitischer Liberalismus wird von der Bevölkerung richtigerweise als „linksgerichtete“ Politik verstanden. Wirtschaftspolitischer Liberalismus, Neoliberalismus ist die Ausdehnung des wirtschaftlichen Anarchismus, des „survival of the fittest“ und ist dementsprechend politisch rechts einzuordnen und zu verstehen.
Womöglich scheitern gerade an diesen innerparteilichen Widersprüchen die Grünen mit der Ausweitung ihres Wähler/Innenkontingents.
Dem LIF wird mit Schätzungen von 4 bis 5% der Einzug in das Parlament zugetraut.
Das BZÖ wiederum rechnet mit einer Verdoppelung der Stimmen. Während sich das Bündnis in den Anfängen der Gründung als gesellschaftspolitisch liberal darstellen wollte und Wahlplakate wie: „Weil der Mensch wichtiger ist als das System“ publizierte, ist es mittlerweile ähnlich der FPÖ eine rechts- außen anzusiedelnde Partei, die sich am politischen Scheideweg befindet. In Wahrheit hält lediglich Dr. Jörg Haider diese Partei am Leben und ohne den demagogischen Politiker gäbe es keine Chance auf einen Einzug in das Parlament.
HC Strache wiederum macht keinen Hehl daraus, dass er aus der rechtsradikalen Szene stammt und seine Partei an die Grenzen der Legalität geführt hat. Mit der Forderung nach in Inländer und Ausländer getrennten Krankenkassen fordert er nicht nur die Differenzierung, sondern macht des Weiteren aus den Immigranten Arbeiter/Innen zweiter Klasse, die billiger als die Inländer wären und dementsprechend käme es zu wirtschaftlich und sozialpolitisch irreparablen Schäden.
Des Weiteren zeigt der gelernte Zahntechniker, dass die soziale Heimatpartei „rot- weiß- rote“ Interessen vertritt. Tauschen wir in diesem Zusammenhang das Wort Heimat durch National, so erkennt man, welche Farbe die Blauen gegenwärtig tatsächlich verkörpern.

Der Wahlkampf wird kurz und spannend werden. Insbesondere die Fernsehduelle werden interessant. Der Kampf um die Unentschlossenen hat schon längst begonnen und wir den Ausgang der Nationalratswahl 2008 entscheiden.

Montag, 11. August 2008

David gegen Goliath


Spätestens seit den ersten oftmals glücklich erreichten Titeln im Fußball sind Erfolge für das deutsche Fußballnationalteam keinem Wunder, sondern vielmehr einer immer wiederkehrenden, inneren Logik gleich, die sich regelmäßig wiederholt. Schließlich hat ein Fußballphilosoph den Sport bereits folgendermaßen erklärt: „Ein Spiel dauert 90 Minuten und am Schluss gewinnt Deutschland!“

Doch nicht immer gewinnt das bevölkerungsreichere Land, der finanziell reichere Verein und/ oder der seelenlosere Retortenklub.
Letzten Sonntag lieferte Red Bull Salzburg eine ausgezeichnete Leistung im Favoritner Horr Stadion ab. Sie dominierten das Spiel und führten bereits mit 2:0, als das Match zu kippen begann. Der ehemalige Rapidler Mario Bazina zirkelte einen Freistoß ins Tor und jeder Zuseher konnte sofort mitbekommen, inwiefern dieser Hoffnungsschimmer neue Kräfte im Team von Karl Daxbacher frei ließ. Von diesem Moment an spielte nur noch die Wiener Austria. Der Ausgleich der Stürmer- Hoffnung Rubin Okotie war dementsprechend ein zu erwartendes Ereignis und das Stadion stand Kopf. Immerhin hatten die Fans über 60 Minuten keinen Grund zur Hoffnung. Danach war es ein offener Schlagabtausch und die Salzburger aus Red Bull hätten oftmals das Spiel für sich entscheiden können, ja fast müssen. Doch nach dem Ausgleich der Wiener war Salzburgs Leistung nicht mehr die gleiche. Unfassbar dann auch noch der Siegestreffer der Wiener in der Nachspielzeit durch den Neuankömmling Diabang. Das Match war endgültig gekippt und Salzburg hat erneut nicht auswärts gewonnen.

In der Regionalliga Ost bekam es der Wiener Sportklub auswärts mit dem Titelanwärter FAC zu tun. Ich habe das Spiel aufgrund meines Urlaubs nicht live mitbekommen und nachdem ich das Ergebnis im Internet nachgelesen hatte, konnte ich es kaum glauben. Der finanziell stark abgespeckte Wiener Sportklub trotzte dem FAC nicht nur ein 1:1 ab, tatsächlich führte der Wiener Traditionsverein bis drei Minuten vor Schluss und hätte gewinnen können.
Nachdem ich das Match gegen Ostbahn XI gesehen und die löchrige Abwehr des WSK bemerkt hatte, hätte ich an einen Punkt in Floridsdorf niemals gedacht. Doch andererseits war doch gerade der Sportklub immer dann besonders gut, wenn die Mannschaft aus dem eigenen Nachwuchs zusammengestückelt wurde und über längere Zeit zusammenspielte.

Geld spielt eben immer noch keinen Fußball. Dieser Spruch gilt nicht nur für die Red Bulls aus Salzburg, sondern auch in kleinerem Maß für den FAC in der Ostliga. Dieser Umstand macht diesen Sport auch besonders interessant. Der Verein kann ein hundertmal höheres Budget, tausendmal teurere Spieler und millionenfache Investitionen in Stadion und Infrastruktur stecken- Am Ende spielen elf gegen elf Menschen, die alle jeweils zwei Beine haben und nicht selten gewinnt David gegen Goliath.

Donnerstag, 7. August 2008

Die Gewinner schreiben die Geschichte


In den letzten Wochen habe ich begonnen, mich in die fantastische Welt von Tim und Struppi zu begeben. Insbesondere für einen großen Comic- Fan ist es Pflicht, im Leben die Geschichten von Herge gelesen zu haben. Mittlerweile zähle ich nahezu alle Ausgaben des belgischen Comics zu meinen Besitz und insbesondere das Erstlingswerk „Tim im Lande der Sowjets“ hat es mir angetan. Vorweg muss ich erwähnen, dass die Geschichte Anfang der 1930er Jahre geschrieben wurde und daher geschichtlich betrachtet enormen Wert besitzt.

Herge verfasste die Geschichte über das Land der Sowjets aufgrund eines Buches, dass als antikommunistisch und konkret sogar kommunismusfeindlich einzuordnen sein musste.
Besonders ins Auge gestochen ist mir eine Szene, in der Tim überraschenderweise eine sowjetische Firma betritt. Die Schornsteine rauchen nur aus Dekorationszwecken und die Geräusche von Arbeit werden imitiert, um Kommunisten aus westlichen Ländern zu täuschen.
Des Weiteren gibt es einen Teil der Geschichte, der eine Essensverteilung an arme Menschen darstellt. Der kommunistische General gibt jedem Menschen Nahrung, der die Frage: „Bist du Kommunist?“ mit einem „Ja“ beantwortet. In dem Moment, in dem jemand diese Frage verneint, bekommt er einen Tritt und landet auf der Straße.
Des Weiteren erinnere ich mich noch an eine Szene gegen Ende der Geschichte, in der Tim gefangen gehalten wird in einem Lagerraum, der wie ein Bolschewik sagt: „…benutzt wurde um die Ernte zu lagern, die Lenin, Trotzki und Stalin den armen Menschen gestohlen haben.“

Der Comic „Tim im Lande der Sowjets“ ist eine Anhäufung von Ereignissen im Lande des Kommunismus, die jeglicher Realität fern sind. In dem Heft sind nur Vorurteile, absichtlich populär in Szene gesetzte Lügen und westliche Propaganda verzeichnet. Im Laufe der Jahre wurde der Künstler Herge bezüglich seiner Recherchen allerdings wesentlich authentischer. Die ersten Bände, die allesamt schon über 70 Jahre alt sind, strotzen jedoch weiterhin vor Vorurteilen gegenüber Afrikanern, Ureinwohnern, Indianern usw.
Die Geschichten Herge’s müssen natürlich im Zusammenhang ihrer Entstehungszeit betrachtet werden. Sie wurden in einer Zeit verfasst, in der der Kolonialismus noch jahrzehntelang wütete. Unabhängigkeitskämpfe waren zwar bereits ausgebrochen, die tatsächliche Freiheit konnten allerdings Länder wie Algerien, und insbesondere Brasilien erst wesentlich später erlangen.
In der Geschichte „Tim im Kongo“ wird ein von Belgien besetztes Land dokumentiert, deren primitive Einwohner den Anforderungen westlicher Zivilisation vollkommen unterlegen sind. Vom damaligen Punkt aus dauerte es noch Ewigkeiten, bis Patrick Lumumba an den Ketten der Unterdrückung zerrte und diese letztendlich gesprengt wurden.

Geschichte wird immer von den „Gewinnern“ verfasst. Zum Zeitpunkt des Comics „Tim im Lande der Sowjets“ waren die Gewinner allerdings noch lange nicht ausgewürfelt. Die UDSSR lieferte den Westindustriemächten, insbesondere natürlich den U.S.A bis in die 70er Jahre hinein ein Wettrennen um die Vormachtstellung auf der Welt.
Es gab viele Punkte während der Weltwirtschaftskrise z.B. und/ oder dem Korea und Vietnamkrieg, an dem die Großkapitalisten der U.S.A den Niedergang des Kapitalismus befürchteten. Aus keinem anderen Grund heraus wurden Lügen gegen die UDSSR verbreitet, Angriffe auf Kuba, Korea und Vietnam eingeleitet usw. Sie hatten Angst vor dem so genannten „Domino- Effekt“, der die These in sich trug, dass ein Land nach dem anderen kommunistisch werden würde, ähnlich einem Stein in einem Dominospiel.

Die Rückständigkeit der UDSSR gegenüber den Westindustriemächten war gegen Ende der Bipolarität der Welt eine Tatsache. Aber jahrzehntelang lebte diese Tatsache bereits in den Köpfen der westlichen Menschen, trotzdem sie der Realität noch nicht entsprochen hatte.
Im Nachhinein betrachtet kann man den Comic „Tim im Lande der Sowjets“ als witziges und gelungenes Debüt von Herge intepretieren. Geschichtliche Aufklärungsarbeit leistet der belgische Künstler allerdings nicht und seine ersten Arbeiten erinnern mich immer wieder daran, dass Geschichte erstens von den Gewinnern verfasst und zweitens mitunter auch verfälscht wird.

Montag, 4. August 2008

Weniger Steueroase und mehr Asyl- Das Gedränge am rechten Rand




Seit der Gründung des BZÖ ist das so genannte „dritte Lager“ getrennt.
Die Unterschiede zwischen den beiden Parteien sind marginal.

Nachdem der designierte BZÖ- Chef Dr. Jörg Haider Asylanten aus Kärnten ausweisen wollte und an Außenministerin Fekter gescheitert war, verkündete Strache sinngemäß: „Wir wollen nicht straffällige Asylanten in andere Bundesländer innerhalb Österreichs abschieben. Straffällige Asylanten müssen generell aus Österreich abgeschoben werden!“ An diesem Punkt ist zu erwähnen, dass den beteiligten Asylanten offenbar keine Straffälligkeit nachgewiesen werden konnte. Höchstwahrscheinlich wollte sich Kärntens Landeshauptmann lediglich vor den Nationalratswahlen profilieren und in die Schlagzeilen kommen.


Der FPÖ Parteiobmann HC Strache erklärte unlängst in einem Interview, dass seine Partei die rotweißroten Interessen vertrete. Ständig spricht der erlernte Zahntechniker über die österreichischen Interessen. Es galt schon immer als Trick der Besitzenden, nationale über soziale klassenspezifische Interessen zu stellen. Sobald unter den Nationalitäten differenziert wird, werden die Superreichen und Großverdiener in Ruhe gelassen und können ihre Geschäfte weiterführen. Es wird publiziert, dass am Elend und dem Unglück der armen Menschen die Ausländer und Asylanten schuld sind. Die FPÖ bemüht sich immer wieder, die Sozialleistungen von Asylanten mit denen der Österreicher zu vergleichen und mit dem Zeigefinger zu deuten: „Die Asylanten bekommen zuviel!“
Warum werden nicht Statistiken der Großindustriellen, Manager und Superreichen veröffentlicht? Bereits in den 90er Jahren wurde die Vermögenssteuer abgeschafft und in diesem Jahr läuft die Erbschafts- und Schenkungssteuer aus. Die Steuerleistungen und Beiträge der Superreichen an dem Sozialsystem sind marginal und nicht ausreichend.
Während FPÖ und BZÖ immer davon sprechen, dass sie den „kleinen Mann“ vertreten würden, sind in ihren Reihen Finanzgrößen wie Veit Schalle und Konsorten.
Wie viel oder besser gesagt wie wenig Steuern zahlen die Unternehmen in Österreich?

Auf der Homepage http://www.attac.at/ kann man genau nachlesen: „…Für multinationale Konzerne gilt dies jetzt schon häufig: Sie lassen ihre Gewinne einfach in Steueroasen anfallen, nutzen Steuerschlupflöcher oder manipulieren sogar die Bilanzen. Ergebnis ist, dass sie dort, wo sie tatsächlich tätig sind, fast oder gar keine Steuern mehr zahlen, so zum Beispiel in Österreich (2002):
Baxter AG (0,0%)
Kraft Food Österreich GmbH (0,0%)
IBM Österreich Internationale Büromaschinen (0,0%)
Wienstrom GmbH (0,0%)
Novartis Forschungsinstitut GmbH (0,1%)
Römerquelle AG (0,1%)
Nöm AG (6,2%)
Baumax AG (6,3%)
OMV (11,0%)
Raiffeisen Ware Austria AG (11,0%)
Spar AG (15,6%).
40% der körperschaftspflichtigen Unternehmen zahlten 2002 weniger als 10% Körperschaftssteuer, im Durchschnitt waren es nur 18,2%, obwohl der gesetzliche Steuersatz 34% betrug (nach der Steuerreform 2005 beträgt er nur mehr 25%). Das ist nicht nur gegenüber der Allgemeinheit unfair, sondern auch gegenüber Klein- und Mittelbetrieben, die diese „Gestaltungsmöglichkeiten“ nicht haben, und somit eine unlautere Wettbewerbsverzerrung…“


Diese Statistiken sind die entscheidenden Mechanismen, die das Sozialsystem zerbersten und auseinander brechen lassen und die mächtigen Menschen aller Nationen wissen diese Umstände selbstverständlich. Also hacken FPÖ und BZÖ „brav“ weiter auf Immigranten und Asylanten herum, versuchen ihnen die Wurst vom Brot zu nehmen und aufzuzeigen: „Die Wurst ist zu teuer und außerdem: Das Boot ist voll!“
Das Boot ist tatsächlich voll. Wir brauchen nicht noch mehr Steuervergünstigungen für die Unternehmen und Unternehmer.

Samstag, 2. August 2008

Auftakt in die neue Saison


Mit dem gestrigen Match Wiener Sportklub gegen OstbahnXI startete die Regionalliga Ost in die neue Saison. Seit ungefähr 16 Jahren warten mein Bruder und ich mittlerweile auf die Rückkehr des Traditionsvereins in die Bundesliga. Mit Wehmut denkt man an die Zeit zurück, als die Gegner des Sportklub noch Rapid, Austria, Sturm Graz oder LASK, und nicht Würmla, Zwettl, Rapid Amateure oder Ostbahn XI hießen.

Von dem Verein von damals ist Nichts mehr übrig. Das C im WSC wurde zwecks Schuldenbefreiung und Neugründung des Vereins durch ein K ersetzt und bis auf den ehemaligen Goalie Peter Paluch ist meines Wissens nach kein ehemaliger Spieler in dem Verein integriert. Lediglich der alte, kaputte und liebenswürdige Platz, die treuen und unerschrockenen Fans und die Hoffnung blieb. Die Hoffnung bleibt letztendlich immer. Hoffnung auf den Wiederaufstieg und auf sportlichen Erfolg. Die Hoffnung auf bessere Zeiten, in denen ein Traditionsverein wie der WSC sich erneut mit den besten Mannschaften messen kann.


Das Match gegen Ostbahn XI endete mit 4:2 für die Heimmannschaft. Dabei ist zu erwähnen, dass der Sportklub Unmengen an Chancen für den Gegner zuließ und mit ein wenig Pech auch als Verlierer vom Platz hätte gehen können. Ostbahn XI kämpfte am ersten Spieltag wie verbissen und versuchte bis zum Schluß den Rückstand aufzuholen. Bis kurz vor Schluß stand es lediglich 3:2 und der Ausgleich lag in der Luft.


Der Schiedsrichter ließ unglaubliche 7! Minuten nachspielen und ich war davon überzeugt, dass er lediglich auf den Ausgleich von Ostbahn wartete, eher er abpfeifen würde. Mit dem Schlußpfiff erzielte Rückkehrer Akaslan den erlösenden vierten Treffer zum 4:2 Erfolg und der perfekte Start in die neue Saison ist zumindest dem Ergebnis nach geglückt.


Nächste Woche treffen die Schwarz- Weißen auf den FAC und werden sich steigern müssen, um das Spiel positiv gestalten zu können.


Schwarz Weiße Grüße