Mittwoch, 20. August 2008

Arbeit 2008


Insofern die Zeitungen aufgeschlagen oder Statistiken durchblättert werden, lässt sich eindeutig der Trend zum Rückgang der Arbeitslosigkeit feststellen. In diesem Zusammenhang ist besonders erfreulich, dass diese Entwicklung trotz einer Reduktion der Menschen, die bei verpflichtenden AMS und WIFI Kursen eingespannt werden, vonstatten gegangen ist.
Generell hat sich die Arbeitswelt in den letzten Jahrzehnten enorm verändert. Während frühere Arbeitnehmer/Innen oftmals ihr ganzes Berufsleben in einem Betrieb, in einer Firma und/ oder in einem Büro verbracht haben, bleibt der gegenwärtige, durchschnittliche Mensch um die 2 Jahre bei der gleichen Arbeitsstelle. Die so genannte Nachfragepolitik war früher allgegenwärtig. Das bedeutet, dass die Unternehmen den Menschen etwas bieten mussten und die Wirtschaftspolitik an den Konsument/Innen orientiert war. Heute herrscht die Angebotspolitik. Die Konsument/Innen und philosophisch betrachtet die Arbeitnehmer/Innen müssen sich an die Unternehmen, an das Waren, Produkt- und Arbeitsplatzangebot anpassen und orientieren. Polemisch ausgedrückt: Hat man früher bei Arbeitslosigkeit gemeint, das Angebot an Arbeitsplätzen erhöhen zu müssen, ist heute alltägliche Meinung, dass die potentiellen Arbeitnehmer/Innen sich selbstständig besser ausbilden müssen, um am Arbeitsmarkt erfolgreich sein zu können. Die Verantwortlichkeit für Arbeitslosigkeit wurde also vom Staat und den Menschen der Wirtschaft auf die arbeits- suchenden Personen abgeschoben.
Des Weiteren bedeutete in früheren Zeiten ein Arbeitsplatz finanzielle Sicherheit, gesundheitliche Versorgung und vollständige Eingliederung in das soziale System. Bis vor kurzem florierte das Beschäftigungsverhältnis „freier“ Dienstnehmer. Es gab in diesem Zusammenhang keine Krankenversicherung, keine Anrechnung für Pensionsjahre usw. Auch im Falle der Kündigung gab es kein Arbeitslosengeld. Mittlerweile hat die nun scheidende Regierung auf Initiative der SPÖ die freien Dienstnehmer/Innen auf Arbeitslosigkeit versichern lassen.
Trotzdem gibt es immer noch die große Gruppe der geringfügig und Teilzeit beschäftigten Menschen, die ständig damit auseinandergesetzt werden, aus dem sozialen Auffangnetz zu fallen und zu wenig Geld zum Leben haben. Insbesondere die Teilzeitarbeit ist weiblich. Nachdem die Frauen jahrelang zu Hause bei Familie und Kind bleiben ist ihnen die Rückkehr in den Beruf zumeist nur noch auf Teilzeit möglich. Der Vorteil für die Arbeitgeber/Innen sind die geringeren Kosten. Derzeit floriert die so genannte soziale Schicht der „working poor“. Sie beinhalten die Menschen, die zu wenig Geld aufbringen um leben zu können, trotzdem sie arbeiten. 230 000 Menschen sind in Österreich trotz! Arbeit armutsgefährdet und 97 000 Personen sind bereits manifest von Armut betroffen.
In diesem Zusammenhang und diesen Statistiken sind die arbeitslosen Menschen nicht erwähnt.
Insgesamt sind über 1 Million Menschen in Österreich armutsgefährdet.
Das ist jeder achte Mensch in diesem Land. Gleichzeitig befinden sich in diesem Staat über 60 000! Euro- Millionäre. Ein prekäres Bild der sozialen Situation in Österreich und repräsentativ für die Entwicklung der Wirtschaftspolitik aller Westindustriestaaten.

Während früher also Arbeitsplätze soziale Sicherheit und die Leistbarkeit des Lebens implizierten, sind heutige Beschäftigungsverhältnisse keine Garantie für die Teilnahme an der Gesellschaft. Viele Arbeitnehmer/Innen sind berechtigt, trotz Arbeitsstelle Sozialhilfe zu beziehen.
In diesem Zusammenhang ist die Entwicklung des Arbeitsmarktes differenziert zu betrachten. Nachdem die Arbeitslosigkeit real gesunken ist, müssen auch die notwendigen Maßnahmen getroffen werden, um den Menschen soziale Sicherheit zu geben. Die schon oft angesprochene Steuerreform ist in diesem Zusammenhang notwendig. Die Bezieher/Innen von kleinen und mittleren Einkommen müssen enorm entlastet werden. Auch wirtschaftspolitisch betrachtet, ist die Entlastung der kleinen Einkommen immer rentabel gewesen, da diese Menschen zumeist wenig sparen und das „Mehr“ im Geldbörsel auch wieder in die Wirtschaft stecken.
Abschließend gesagt: Können sich die armen Menschen mehr leisten, geben sie auch mehr aus.
Antizyklische Wirtschaftspolitik ist nach dem Desaster mit ehemaligen Finanzministern in Österreich notwendig.

1 Kommentar:

Friedhofsgänger hat gesagt…

Dem Artikel kann ich zum Großteil zustimmen. Tatsache ist aber, dass der - scheinbare - Rückgang der Erwerbsarbeitslosigkeit nur deswegen möglich ist, weil immer mehr prekäre Jobs geschaffen werden, die schnell besetzt sind. Und würden die Außendienst-Jobs abgezogen, die zum Großteil von Männern "geleistet" werden, gäbe es wahrscheinlich eine um 20 % höhere Arbeitslosigkeit.

Es kommt also ganz darauf an, wie diese "Statistiken" interpretiert werden. Früher gab es in den Industrieländern einen Arbeitgebermarkt, heute gibt es einen Arbeitnehmermarkt. D.h. die gewillten Erwerbstätigen müssen sich an den konfusen Arbeitsmarkt anpassen.

Wichtig ist auch noch darauf hinzuweisen, dass in diesem Artikel ausschließlich von Erwerbsarbeit die Rede ist. Leider hat Erwerbsarbeit einen extrem hohen Stellenwert! Ohne ehrenamtliche Arbeit würde die Wirtschaft von heute auf morgen zusammenbrechen, wie mehrere Studien schon belegt haben. Beim Erwerbsarbeitsmarkt sieht die Sache etwas anders aus.

Die Aufwertung von ehrenamtlicher Arbeit sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Erwerbsarbeit ist längst von der "Leistung" abgekoppelt, auch wenn gerne die "Leistungsgesellschaft" als non plus ultra propagiert wird.

Insgesamt ist die Situation - nicht nur in Österreich - absurd.