Mittwoch, 29. Oktober 2008

Der Rückgang der Geburtenrate in Europa und die Ursachen


Oftmals werden die Rückgänge der Geburtenraten in den Westindustriestaaten mit dem „neuen Individualismus“ der Menschen erklärt. Da wird dann ganz offen über das Zerbrechen der konservativen Familienverhältnisse, über Patchworkfamilien und die endgültige Integration der Frauen in das Berufsleben philosophiert.

Ein konservativer Ansatz ist es, den Rückgang der Geburtenrate auf den dauerhaften Einstieg in das Berufsleben der Frauen zu erklären. Deshalb sind es ja auch immer konservative Kräfte und Parteien (zumeist auch nationalistische), die Frauenpolitik unter Anführungszeichen betreiben, indem sie es „Familien“ (im eigentlichen Sinne dem Mann) ermöglichen, durch Steuerbegünstigungen (z.B. Familiensplitting) es der Frau zu „ermöglichen“, abhängig und im Schoße der Familie (des Mannes) ein fremdbestimmtes Leben zu führen.

Mein Ansatz entlarvt komplett andere Probleme und bezieht sich vor allem auf die Frage der Motive des Geburtenrückganges. Enorm wichtig ist es für Familien und Paare, einen finanziellen Background, eine berufliche Absicherung und eine durchgeplante Zukunft vorweisen zu können. In den Jahren der großen Familien war es üblich, dass Menschen ihr gesamtes Leben in ein und demselben Betrieb verbringen und erst mit dem Eintritt in die Pension eine neue Strukturierung des Alltages vornehmen müssen.

Durch die Liberalisierung und die Globalisierung haben wir es jetzt mit einem mobilen, sich ständig verändernden, widersprüchlichen Arbeitsmarkt zu tun.
Niemand kann mehr getrost von sich behaupten, sich in einem konstanten Berufsbereich zu befinden. Pragmatisierungen gibt es so gut wie gar nicht mehr. Insofern es überhaupt zu fixen Arbeitsverträgen kommt, so sind diese zumeist auf 6, maximal 12 Jahre befristet und dementsprechend ist da von einer geeigneten, familientauglichen Absicherung nicht zu sprechen.
Aufgrund der ständigen Mobilität in der Arbeitswelt ist generell die Struktur der Familie stark angegriffen. Früher war es so, dass der Beruf gewissermaßen dich gefunden und bis in die Pension begleitet hat. Heutzutage muss aufgrund von Umschulungen, Zusatzqualifikationen, Erschließung eines neuen Berufsfeldes usw. teilweise dem Job richtiggehend „gefolgt“ werden.

Dabei sind dann die ungebundenen Menschen gewissermaßen „konkurrenzfähiger“, weil sie einfach ihre sieben Sachen packen und ins Ausland ziehen können.
Hinzu kommt noch der soziale Aspekt der Selbstverwirklichung der Frauen. In früheren Zeiten galten Frauen oftmals lediglich als „Mitbewohnerin“ der Familie und der Mann war das Oberhaupt. Die berufliche Verwirklichung wurde dementsprechend nur auf den Mann ausgerichtet, der ja auch dementsprechend die Familie finanziell unterstützt hat.

Heute ist es so, dass auch Frauen im Berufsleben erfolgreich sein und Selbstbestimmung praktizieren wollen. Dementsprechend sind nun gegenwärtig zwei Interessen aufeinander abzustimmen- Das Interesse der Frau und das des Mannes. In früheren Jahren wurde das Interesse der Frau maximal über die Vorstellungen des Mannes definiert.

Dann folgt noch in weiterer Folge der finanzielle Druck, der heutzutage auf Familien ausgeübt wird. Kinder zu haben bedeutet ein hohes Aufkommen an finanziellen Ressourcen. Während früher Kinder oftmals als „Beilage“ zur Familie, zumeist im konkreten Fall zur Mutter gegolten haben, sind die jungen Menschen gegenwärtig zu Individuen, insbesondere zu Käufer/Innen geworden.
Der Markt mit der Jugend floriert. Kinder und Jugendliche haben einen eigenen Markt erhalten und sind für die Unternehmen zu potentiellen Kunden geworden. Mittlerweile haben Jugendliche eigene Kulturen (Stichwort: Krocha z.B.) und eigene marktspezifischen Verhaltensweisen. So gibt es eigens auf die Vorstellungen von Kindern und Jugendliche abgestimmte Produkte.

So ein Verhalten wäre in der Vergangenheit wirtschaftspolitisch untragbar gewesen. Kinder verfügten über wesentlich weniger Budget und insbesondere der Nutzen für die Eltern musste bezüglich eines Produktes suggeriert, und nicht der individuelle Nutzen des Kindes impliziert werden.

Durch die gesellschaftspolitische Liberalisierung werden die Kinder und Jugendliche immer schneller in die Rolle der Erwachsenen getrieben. Das führt einerseits regelmäßig zu schnelleren, sozialen Entwicklungen und andererseits birgt es ein gefährliches Potential in sich. Durch die wirtschaftspolitische Individualisierung und der Entdeckung der Kinder als Käufer/Innen werden ihnen der Markt für alle Produkte eröffnet. Dabei gibt es nicht nur die Produkte, die ohnehin bereits für Erwachsene am Markt waren (Alkohol, Zigaretten, Handys) sondern auch ein ganz eigener, spezifischer Markt (Ringtones, Screensaver, Modemarken usw.).

Die Individualisierung und schnellere Eingliederung in soziale Gruppierungen impliziert aber gleichzeitig keine unmittelbare, schnellere Entwicklung bezüglich sozialer Kompetenzen und Fähigkeiten der Jugendlichen. Diese Problematik möchte ich jedoch nun nicht weiter erläutern.

Durch diese Entwicklung haben die Jugendlichen ein wesentlich größeres Potential an Produkten, die sie für sich einnehmen können. Dementsprechend werden die Kinder und Jugendlichen für die Eltern auch immer teurer.
Noch vor wenigen Jahren waren Computer und Telefone z.B. Gegenstände der gesamten Familie. Das bedeutet sie wurden einmal gekauft und von allen genutzt. Die erste Entwicklung diesbezüglich war zum Beispiel in früheren Jahrzehnten mit dem Fernseher zu sehen. War der TV früher ein Gemeinschaftsprodukt, das von allen gemeinsam genutzt wurde, so wird er heute häufig extra für Kinder und andere Familienmitglieder angeschafft.

Aufgrund der problematischen, gegenwärtigen Bildungspolitik in Österreich floriert auch der Nachhilfemarkt. Unmengen an Geld wird in Nachhilfe und Fördermodelle gepumpt.

Abschließend können wir also von vielen Problemen bezüglich der abnehmenden Geburtenrate in den Westindustriestaaten sprechen.
1.) Individualisierung der Familienmitglieder (Vater, Mutter, Kind- wobei Mutter und Kind neu sind)
2.) Fehlende Sicherheit und Zukunftsperspektive im Berufsleben
3.) Das Berufsleben bevorzugt Mobilität
4.) Kinder und Familie werden insgesamt immer teurer und sind mit mehr finanziellem Aufwand verbunden.

Auf Dauer betrachtet muss es dementsprechend in vielen Teilbereichen der Wirtschaft, der Politik und insbesondere der Sozialpolitik Reformen geben.
Das Berufsleben und die Familie wird in Zukunft wieder vereinbarer werden müssen. Vorschläge dafür wären zum Beispiel eine Aufwertung der Teilzeitarbeit, gut durchdachte Karenzmodelle oder auch eine Reduzierung der Arbeitsstunden für Vollzeitarbeit.
Höhere Förderungen von Familien- Höheres Kindergeld, Familienbeihilfe und größeres sowie billigeres Angebot für Kindergärten.
Sozialpolitisch und pädagogisch gäbe es noch die Überlegung, die Identität des Kindes auf jeden Fall NICHT über die Konsumenteneigenschaften zu definieren. Das bedeutet zum Beispiel die Schaffung der Kinder- und Jugendkulturen nicht wirtschaftlich, sondern vor allem sozialpolitisch und gesellschaftspolitisch zu nutzen.

In diesen Bereichen wird es in Zukunft eine Reihe von Maßnahmen geben müssen. Ansonsten werden sich die Westindustriestaaten in der Alltagsrealität und demographisch entscheidend und unwiederbringlich verändern.

Sonntag, 26. Oktober 2008

Der obligatorische FUNKE


Letztens habe ich mir das Ostliga Match Wiener Sportklub gegen Admira Amateure angesehen. Wenige Tage darauf war im Fernsehen die „erstklassige“ Begegnung Austria Kärnten gegen LASK Linz zu sehen.
Vorweg möchte ich eins sagen: Ich bin nicht so unrealistisch und möchte behaupten, dass ich keine wesentlichen technischen Unterschiede im Fußball zwischen erster, und dritter Liga erkennen kann. Tatsächlich ist der Fußball in der höchsten Spielklasse viel schneller, aggressiver und mehr taktisch geprägt.
Während in der Ostliga regelmäßig ein großer Schwachpunkt in einer Mannschaft aufgedeckt werden kann, der dennoch oftmals ohne Folge bleibt, so ist es in der höchsten Spielklasse viel eher so, dass letztendlich Tore fallen und Fehler „provoziert“ werden.
Dabei gibt es ja noch mal den Unterschied zwischen der höchsten österreichischen, und zum Beispiel der höchsten spanischen Liga festzustellen.
Denn während in der höchsten österreichischen Spielklasse mittlerweile offensichtlich Rentnervereine wie der LASK problemlos, und Vereine die lediglich offensiv agieren wie Sturm Graz oder Red Bull Salzburg sogar um den Meistertitel mitspielen können.

Mit Wehmut erinnere ich mich da noch an die Zeiten, als die stärksten Vereine der österreichischen Liga in der Championsleauge aufgezeigt haben. Austria Salzburg mit teilweise sensationellen Leistungen gegen damals enorm starke Spieler von Ajax Amsterdam, oder insbesondere Sturm Graz unter Ivica Osim.

Heute kann man bereits froh sein, insofern ein österreichischer Verein überhaupt in einen internationalen Wettbewerb kurzfristig hineinschnuppern kann. Trotzdem objektiv betrachtet die Aufwände und der finanzielle Hintergrund wesentlich mehr zu Optimismus veranlassen müsste. Red Bull investiert enorm viel Geld in den Verein Salzburg und über ein Jahrzehnt pumpte der ehemalige Werkzeugmacher Frank Stronach Millionen in die Austria aus Wien.
Doch dennoch bleibt der Erfolg im Fußball versagt.
Dabei muss doch lediglich mal jemand auf den Wiener Sportclub Platz kommen, um zu erkennen, was konkret fehlt.
Der WSK hatte vorige Saison wesentlich mehr Budget und startete dennoch katastrophal.
Objektiv betrachtet kann man durchaus davon reden, dass der WSK der letzten Saison den diesjährigen Verein aus Hernals an die Wand spielen müsste. Tatsächlich ist es aber so, dass trotz weniger Geld und scheinbar „schlechterem“ Spielermaterial, der Funke übergesprungen ist. Die unerfahrenen Sportklubspieler lassen sich gegenwärtig von den erfahrenen Spielern, die ebenfalls erst zumeist Mitte 20 sind, mitreißen und kämpfen gegen JEDE Mannschaft.

Momentan erkämpft sich der WSK einen Sieg gegen Stegersbach genau so hart wie Siege gegen Wienerberg auswärts oder hoffentlich nächste Woche gegen Parndorf.
Jedes Spiel ist so zu sagen „auf der Kippe“ und kann verloren werden. Doch der Kampf und die Leidenschaft machen momentan jeden einzelnen, finanziellen Nachteil wett und vergessen.

Es muss wieder mehr Leidenschaft in den Fußball, mehr „Funken“ in das Spiel und mehr Identifikation mit dem Verein. Dann wird es auch wieder international funktionieren. Womöglich sogar im österreichischen Nationalteam.

Samstag, 25. Oktober 2008

Der Bürgermeister


Gestern starb der Altbürgermeister Helmut Zilk in den Morgenstunden im Wilhelminen Spital. Wenige Tage zuvor war ja wie berichtet Jörg Haider tödlich verunglückt.
Ich persönlich bin jetzt an den Trauerfeierlichkeiten und deren Inszenierung sehr interessiert.
Vermutlich werden die Festivitäten nicht annähernd so groß hoch sterilisiert sein, wie das Begräbnis des Landeshauptmannes in Kärnten.

Dabei ist wahrscheinlich Jörg Haider schuld. Der alternde Politiker war polemisch ausgedrückt „niemandem wurscht“. Hinzu kommt noch der unerwartete und schnelle Tod.
Helmut Zilk wiederum verstarb unter völlig anderen Umständen. Nachdem der Altbürgermeister bereits mehrfach dem Tod von der Schippe gesprungen war, ließ er sich in das Krankenhaus aufgrund einer Infektion einliefern. Freitag morgens wollte er sich noch einmal kurz hinlegen und wachte niemals wieder auf. Er war verstorben.

Anders als Jörg Haider war Helmut Zilk von allen politischen Parteien respektiert worden. Hinzu kommt noch die langjährige Fernsehtätigkeit. Selbst nach seinem Rücktritt als Bürgermeister von Wien war er erneut im Fernsehen tätig und moderierte die Serie „Lebenskünstler“. Oftmals konnte dabei kritisiert werden, dass Zilk nachgesagt wurde, dass er sehr gerne sich selbst beim Diskutieren zuhöre und dem eigentlichen Gast zu wenig zu Wort kommen ließe.
In den Blickpunkt der Öffentlichkeit geriet auch Zilk, nachdem er einen Briefbombenanschlag in den 90er Jahren überlebte. Danach war seine Hand immer verwundet und entstellt geblieben. Seinen Peiniger Franz Fuchs hat der ehemalige Bürgermeister viele Jahre überlebt. Dieser erhängte sich eines Tages in seiner Gefängniszelle.

Sehr rührend gekümmert muss sich seine Ehefrau Dagmar Koller haben. In seinen schweren Zeiten hat sie ihren Helmut intensiv gepflegt und war somit Mitgrund, weshalb Helmut Zilk überhaupt das Alter von 81 Jahren erreichen konnte.
Wie allen Wiener Bürgermeistern wurde auch Helmut Zilk eine große Vorliebe zum Alkohol nachgesagt. Nicht zu guter Letzt aus diesem Grund wird ja die Liebe zum Alkohol polemisch ausgedrückt schon nahezu als Berufsprofil des Wiener Bürgermeisters akzeptiert.

Während Haider laut, skandalös, mysteriös und völlig unerwartet bei einem Autounfall verstarb, schlief Helmut Zilk 81jährig ein.
Neben der großen Polarisierungskraft Jörg Haiders ist es insbesondere auch die Art des Unfalls, die den Tod in den Medien hochspielen ließ.
Zilk verstarb ruhig und leise. Der Politiker hatte viele Freunde und war auch als Ombudsmann der umstrittenen Tageszeitung Krone tätig.

Auch Zilk konnte während seines Lebens die eigene, persönliche und individuelle Rolle hochspielen. Er galt immer als „guter“ Bürgermeister. Das liegt wahrscheinlich auch in der Stadt Wien begründet. Wenngleich die Wiener/Innen oftmals für das obligatorische Jammern berühmt sind, ihren „Bürgermeister“ lieben sie immer.
Das liegt auch an der so genannten „roten Festung“ Wiens. Trotzdem Wien durchaus auch als Zentrum des in der Vergangenheit aufgekeimten Antisemitismus eingeordnet werden kann, ist die Hauptstadt Österreichs insbesondere seit der zweiten Republik die Hochburg der Sozialdemokratie.
Und Helmut Zilk konnte als langjähriger Bürgermeister diese Hochburg repräsentieren.


Neben

Michael Häupl ist er der einzige Mensch, den ich aktiv als Bürgermeister Wiens mitbekommen habe.

Ich bin davon überzeugt, dass der als charismatisch gegoltene Zilk ebenfalls ein gut besuchtes Begräbnis erhalten und den Menschen in Erinnerung bleiben wird.
Dagmar Koller wird jetzt lernen müssen, ohne ihrem Ehepartner leben zu können. Sie kann sich bezüglich ihrer Bemühungen Nichts vorwerfen und stand ihrem Mann immer zur Seite.
Zuletzt fiel Helmut Zilk durch Kommentare bezüglich der Neuwahlen und Kritik an der SPÖ Politik auf. Dabei ließe es sich nicht vermeiden, dass der gealterte Politprofi oftmals wie ein Instrument der Kronenzeitung wirkte, dass in die mediale Auseinandersetzung mit einbezogen wurde, um Gesprächsstoff zu inszenieren.

Ruhe Sanft , Helmut Zilk

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Neoliberale Propaganda mal anders ausgelegt


Hier ein paar Auszüge der neoliberalen Propaganda umfunktioniert:

Mehr privat- Weniger Staat
Laissez faire


Keine Unterstützung in Zeiten der Finanzkrise für die Unternehmen- Der Staat hat doch ohnehin keine Ahnung und die „invisible hand“ des Marktes wird schon Alles richten.

The fittest will survive ( Wirtschaftsdarwinismus)

Der Kapitalismus krachte bereits nicht nur gegenwärtig wie eine Kaisersemmel- Das System hat sich also auf Dauer nicht bewährt. Es war ideal für die Industrialisierung und den wirtschaftlichen, sowie technischen Aufbau von Wohlstand, ist aber auf Dauer dem Untergang geweiht- Also ein NEUES System, dass das schwächere, kapitalistische System verdrängt, muss her.

Was Nichts kostet, ist Nichts wert.

Richtig. Deshalb sage ich: Her mit der Schenkungs-, Erbschafts- und Vermögenssteuer. Das Vermögen der Fiona Svarovski ist doch Nichts wert, insofern es vererbt wird und Nichts kostet.

Zitat Molterer: Gott sei Dank machen wir nicht mehr den Fehler, zuerst auszugeben und dann einnehmen zu wollen.

Richtig- Ein Grund mehr, keine Investitionen für Rettungspakete usw. zu initiieren.
Zuerst privat kassieren, um dann staatlich Hilfe abzukassieren?

Leistung muss sich lohnen!

Richtig sage ich. Daher sofortige Einfrierung der Provisionen für Manager in den hart betroffenen Businessbereichen.
Außerdem Einführung einer Spekulationssteuer. Leistung soll sich lohnen- Nicht Vermögen. Dementsprechend müssen Vermögenszuwächse aus Vermögen konkret besteuert werden.

Steuern runter macht Österreich munter (Traurigerweise sogar ein Zitat eines Bundeskanzlers)

Gut sage ich- Sofortige Umstrukturierung der Steuersätze, beginnend beim Einstiegssteuersatz (muss niedriger eingestuft werden) und endend beim Spitzensteuersatz, der erhöht werden soll.
Außerdem eine Ausweitung der arbeitenden Menschen, die keine Steuern zahlen müssen.




Dienstag, 21. Oktober 2008

Der Sport und der Mann

Besonders interessant ist ja immer noch der Sport. Durch Sport finden Klassifizierungen statt.
Bist du Rapid oder Austria Wien Anhänger? Bist du pro oder contra Didi Mateschitz und Red Bull Salzburg? Warst du für Michael Schumacher oder Damon Hill?

Für viele Männer nimmt der Sport eine so genannte Ersatzkultur ein. Der Sport gibt Identität, Zugehörigkeitsgefühl und Emotionen.
In vielen sozialen Gruppierungen gilt es als ein Non plus ultra sich im Sport auszukennen. Insofern du im Sport ungebildet bist, giltst du dann als Flasche oder ungeeignet für eine Fortführung der Diskussion.

Schon der gute alte Thomas Bernhard hat zu diesem Thema einige Gedanken zusammengetragen und ich dachte damals bei mir: „Meine Güte, ich sehe ja selbst so viel Sport. Und jetzt hat er mich damit selbst gekränkt,…“
Offensichtlich hat Bernhard sich selbst von der Kritik nicht ausgeschlossen, denn bei einer Dokumentation seines Schaffens und einem Fernseh- Interview wird er selbst beim Zusehen einer Sportveranstaltung beobachtet und gefilmt.

Auch Reinhard Fendrich befasste sich mit diesem Thema in seinem Lied „Es lebe der Sport“. Sinngemäß kritisiert er in dem Song just die Umstände, die ich gerade erläutere. So lautet es im Lied: „..weil wenn sich zwei in die Goschen hauen, steigert das (…) sein Selbstvertrauen.“
Hinzu kommt noch die Nationalität, die Identität stiftet.
So heißt es doch immer in den Nachrichten, dass WIR im Fußball gewonnen, verloren usw. haben.

Sport ist schon ein sehr interessantes Phänomen, das wohl niemals neu strukturiert werden und/oder aufgebrochen werden wird. Wobei grundsätzlich zu sagen ist, dass es mir hundertmal lieber ist, insofern Meinungsverschiedenheiten sportlich, und nicht im Krieg ausgefochten werden.
Jetzt am Schluss fällt es mir ein: Daher kommt wohl der Spruch des obligatorischen Sportsgeistes…

Der Student zwischen Verdammung und Demut


Mittlerweile kann ich durchaus behaupten, bereits seit längerer Zeit Erfahrungen als so genannter Student zu sammeln. Dabei ist vor allem eins auffällig. Die oftmals kritisierte „Entfernung zur Realität“ ist unter den Student/Innen durchaus auf der Tagesordnung.
Aufgrund der sozialen Selektion gibt es nahezu keine Student/Innen, die tief greifende, berufliche Erfahrungen vorweisen können. Dabei ist es unwesentlich, ob der Mensch Anfang, Mitte oder Ende 20 ist.
Oftmals wird in Sozialstatistiken angegeben, dass die Student/Innen geringfügig arbeiten müssen, um sich ihr Studium „leisten“ zu können. Dabei muss ich berichtigen, dass mit maximal 345 Euro pro Monat niemand leben kann. Niemand kann sich ein Studium in einer fremden Stadt, außerhalb der Wohnung der Eltern nicht einmal in der Heimatstadt leisten. Bei Studien und einer geringfügigen Beschäftigung ist immer die Unterstützung der Eltern beigemengt.
Allein das Wohnen würde schon dermaßen hohe Kosten verschlingen, das an ein Studium gar nicht mehr zu denken wäre. Im Übrigen kann niemand von 345 Euro, von der Hand im Mund leben.

Das bedeutet also, dass die Student/Innen tatsächlich ein gewisses Defizit haben zwischen den wirklichen Lebensbedingungen und ihren eigenen. Außerdem wird eine Student/In mit der Zeit gemäß ihres Studiums sozialisiert. Das bedeutet, dass die Jurist/Innen ihre eigene Sprache, die Politikwissenschaftler/Innen ihre eigenen Begriffe und polemisch ausgedrückt, die Theaterwissenschaftsstudent/Innen ihre eigenen Gesten aufweisen.
So kann es durchaus vorkommen, dass im Laufe eines Studiums ein sozialwissenschaftlich ausgebildeter Mensch für Otto Normalverbraucher kaum zu begreifen ist.
Hinzu kommt noch, dass er komplett anders gesellschaftlich geprägt ist, als der Durchschnittsmensch. Dementsprechend können den Student/Innen jetzt zwei beobachtete Phänomene entgegentreten: Sie können von Otto Normalverbraucher verflucht, oder in Demut bewundert werden.
Beides ist sichtlich falsch. Die Student/Innen haben ihr Studium in 95% der Fälle aufgrund ihrer sozialen Voraussetzungen ergreifen, und nicht aufgrund besonderer Gedankenleistungen wählen können.
Das bedeutet, dass nur die wenigsten Student/Innen über dieses Übermaß an Intelligenz verfügen, dass gewisse „Demut“ hervorbringen könnte.
Dennoch ist die Grundintention dieser Demut richtig und der Gedanke völlig logisch konstruiert. Menschen, die „intelligenter“ und tatsächlich gebildeter sind, sollte mit entsprechendem Respekt gegenüber getreten werden. Dabei meine ich keinen besonderen Respekt. Einzig und allein gleich behandelt sollten Student/Innen werden als eine soziale Gruppierung, die insbesondere in der österreichischen Gesellschaft nicht übermäßig häufig auftritt.
Oftmals kommt es allerdings ganz anders. Über Student/Innen wird geflucht und geschimpft.
Nicht selten habe ich den Ausspruch: „Die können ja nicht mal einen Nagel in die Wand schlagen.“vernommen und immer wieder dabei gestutzt.
Menschen aus dem Arbeitermilieu neigen sehr oft dazu, die körperliche über die geistige Arbeit zu stellen. Der Gedankenschritt impliziert, die Qualität der Arbeit in körperlichem Anstrengungsgrad zu messen.
Dementsprechend gibt es auch andere oftmals gehörten Klischees wie: „Die im Büro sitzen ja den ganzen Tag nur rum, saufen Kaffee und tun Nichts.“

Der andere Fall ist wie bereits vorhin erwähnt ebenfalls durchaus anzutreffen. Restlose Vergötterung des Studierten. „Du musst gescheit und intelligent sein.“
Natürlich sind mir als Student solche Klassifikationen und Klischees wesentlich lieber, als die Verfluchungen und Verwünschungen, denen Student/Innen oftmals ausgesetzt werden.
Doch schlussendlich sind Beide falsch.

Wer studiert, und wer nicht studiert, entscheidet in Österreich und auf der ganzen Welt in erster Linie immer noch die Sozialisation und die Geldbörse, und erst in zweiter Linie das Gehirn.
Wobei die Sozialisation immer noch vor die Geldbörse einzuordnen ist.

Als Abschluss möchte ich noch mal erwähnen, dass ich mir persönlich wesentlich bessere Kommunikation zwischen den sozialen Gruppierungen wünschen würde. Gelegentlich besuche ich einen Wirt im zehnten Bezirk, der ein tolles Beispiel für verschiedenste soziale Gruppierungen gibt. Ich besuche dieses Lokal insbesondere aufgrund des Umstandes, weil ich dort keine Student/Innen sehe und dementsprechend immer wieder neue, erfrischende Eindrücke gewinnen kann.
Die Menschen sollten aufeinander zugehen, statt sich gegenseitig auszugrenzen. Und oftmals stößt man auf Verständnis und Toleranz, wo es nicht vermutet worden wäre.
Natürlich ist auch immer wieder das Risiko der gefährlichen Auseinandersetzung gegeben, doch dieses Risiko muss zum allgemeinen, besseren Verständnis eingegangen werden.

Montag, 20. Oktober 2008

Die Realität der wirtschaftlichen Studien


Die Statistiken der Universitäten sprechen eine klare Sprache. Es gibt nahezu Niemanden, der aus einer Familie mit unter 1000 Euro Gesamthaushaltseinkommen maturiert, geschweige denn studiert. Auch aus Familien mit Einkommen bis 1500 Euro sieht die Statistik nur unwesentlich besser aus.
Hinzu kommt noch, dass die wenigen Student/Innen, die aus diesem Kreis zum Studieren kommen, zumeist aufgrund finanzieller Probleme abbrechen und/oder ein sozialwissenschaftliches oder Kunststudium wählen, da sie falls sie abschließen, schnell abschließen müssen.
Daher ist es nicht verwunderlich, dass sehr wenig Menschen aus sozial schwächeren Familien auf der WU, dem Juridicum und/ oder Medizin Fakultäten studieren.
Ich möchte nun ein bisschen auf die Kerntheorie meiner Aussagen am Beispiel der WU näher eingehen.
Wirtschaft wird immer mit Realität in Zusammenhang gestellt. Auch Staatswirtschaft wird zum Beispiel zumeist mit Betriebswirtschaft oder Familienhaushaltskassen verglichen, trotzdem der Vergleich nicht nur hinkt, sonder im Grund illusorisch und erwiesenermaßen falsch ist.
Doch wissen die Student/Innen der WU überhaupt über Familienhaushaltskassen, Rentabilitätsfragen oder individuellen Bedürfnisauswahlverfahren bescheid?
Insofern ein Mensch aus mehr als ausreichend abgesicherten Familienverhältnissen kommt, niemals Arbeiten muss um sich zu erhalten und auch kein eigenes, familiäres oder eigenes Haushaltsbudget kreieren muss, da ja das Budget von den Eltern bis zum Ende des Studiums komplett abgesichert ist, muss folglich ein großer Unterschied zwischen den eigenen Erfahrungswerten und dem Gelernten entstehen.
Polemisch ausgedrückt: Kann Fiona Svarovski überhaupt über die Bedürfnispyramide von Maslow Kausalitäten und Zusammenhänge feststellen?
Oder kann jemand, der in seinem Kaufverhalten sehr selten oder nie die Preisfrage eruiert, überhaupt die Preispolitik verfolgen, die letztendlich zum unternehmerischen Erfolg führt?
Und falls das trotzdem gekonnt wird, könnte es nicht jemand besser, der selbst in diesen zu erforschenden Segmenten hauptsächlich involviert ist?

Ist es ein Zufall, dass simple Werkzeugmacher wie Frank Stronach letztendlich ein besonders gutes „wirtschaftliches“ Näschen entwickelten, oder Notwendigkeit?
Ich persönlich bin der Meinung, dass es mehrere Komponenten braucht, um wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit zu erzeugen.
Zum einen ist die Erfahrung der Praxis unbedingt notwendig und erforderlich. Falls die Praxis aus familiären Gründen und sozialer Absicherung nicht notwendig ist, um wirtschaftlich überleben zu können, so müssen zumindest Praktika in den Ferien absolviert werden, um in die Materie letztendlich einzutauchen.

Des Weiteren sollte man (und das passiert leider nur viel zu selten) den Menschen jeder sozialen Herkunft auf Augenhöhe begegnen. Dieser Prozess ist vorderrangig nicht nur wirtschaftlich wichtig um Bedürfnisse zu identifizieren, sondern vor allem menschlich, um sich persönlich weiter zu entwickeln und Realitätsferne zu verhindern.
Nicht umsonst sagt man oftmals gerade den Student/Innen realitätsferne Ansichten nach, da sie sich zumeist unter ihresgleichen aufhalten und dementsprechend nur eine soziale Gruppierung von Vielen aufsuchen.

Man muss sie alle mögen, um nicht zu sagen lieben: Die Verlierer der Modernisierung, die Arbeitslosen, die ehemaligen Gefängnisinsassen, die Wirtschaftsbosse, die Politiker/Innen, die Alkoholiker/Innen und die Stammtischphilosophen.
Aus all diesen Erfahrungswerten ergibt sich letztendlich ein Abbild der Realität, dass aussagekräftig ist und aus dem Rückschlüsse gezogen werden können.
Rückschlüsse für die Wirtschaft, für das Selbst und insbesondere Verständnis, Einfühlungsvermögen für die Probleme der Menschen.

Auch politologisch und sozialwissenschaftlich ist es unerlässlich, die Stammtische dieser Welt zu besuchen. Georg Danzer sang eindrucksvoll in einem Lied von dem so genannten „Herrn Wesely“. Dieser Mann ist ein ehemaliger Nationalsozialist, der immer noch Hitler regelmäßig am Stammtisch propagiert. Dabei fallen Sprüche wie: „Damals unterm Hitler war es schon gut. Es bräuchte wieder so einen kleinen Hitler…usw.“
So lange diese Menschen von der so genannten „Bildungselite“ links liegen gelassen und mit ein wenig Sozialhilfe oder Arbeitslose abgespeist werden, werden sie sich kontinuierlich ausbreiten und die politische Landschaft Österreichs dauerhaft prägen…

Dienstag, 14. Oktober 2008

DER Inspektor


Meine absolute Lieblingskrimiserie ist und bleibt Inspektor Columbo. Das Besondere an dieser Serie ist der Umstand, dass in 99% der Folgen der Täter bereits von Anfang an bekannt ist und es lediglich um die Frage des „Wie“ geht, die den Zuseher beschäftigt.
Dabei geht der Inspektor auf eine Art und Weise vor, die bereits als so genannte „Columbo Strategie“ eingegangen ist. Seine Taktik ist es, denn Täter in die Lösung des Falles mit einzubeziehen, unscheinbar und ungefährlich zu wirken.
Dadurch bewirkt er, dass sich die Täter/Innen zumeist sehr sicher und ungefährdet fühlen und in diesen Momenten schlägt der markante, kleine Polizist zu.

Ursprünglich beruht die Serie auf einem Theaterstück, dass auch mit einem „anderen“ Columbo aufgeführt wurde. Peter Falk als Inspektor Columbo wurde erst für die TV Serie eingebunden und war im Übrigen nicht die erste Wahl. Es ist ein Glück für die Zuseher/Innen, dass letztendlich Falk den Zuschlag für die Rolle erhielt. Bing Crosby hatte zum Beispiel abgesagt und aufgrund der Lebensdauer hätte es ohnehin nicht übermäßig viele Folgen gegeben. Hinzu kommt noch, dass Falk dem Inspektor viel eigene Identität beigefügt hat.

Sehr typisch für den Inspektor ist zum Beispiel das Wiederauftauchen in einer Szene. Er verließ bereits den Raum und betritt ihn erneut, weil er „noch eine Frage“ hat. Diese Eigenheit führte Falk selbst ein, nachdem er einen Aspekt seines Textes vergessen und mit einem zweiten Auftritt auf der Bühne, der improvisiert war, seinen Fehler ausgebügelt hatte.
Der zerknitterte Trenchcoat ist ebenfalls ein markantes Symbol für den Inspektor ohne Vornamen. Auch dieses Stück Fernsehgeschichte nahm der einäugige Falk eigenhändig auf das Set mit und initiierte damit eine Individualität, die seines Gleichen in der Krimigeschichte sucht.

Ein weiterer Teil der Erfolgsgeschichte der Krimiserie ist der Umstand, dass die Frau Columbos niemals gezeigt wird. Oftmals wird das Gefühl erzeugt, sie in der nächsten Szene sehen zu müssen und letztendlich wird der Running gag weiter zelebriert, niemals seine Ehefrau im Fernsehen zu zeigen.

Mittlerweile ist Peter Falk über 80 Jahre alt. Die letzte Folge Columbo liegt bereits fünf Jahre zurück und lange Zeit schien es so, dass es zu keiner neuen, endgültig letzten Folge kommen sollte. Anhand von Homepages und Internetdaten ist es allerdings im Bereich des Möglichen, dass es eine letzte, abschließende Folge geben könnte.
Ich persönlich würde es mir sehr wünschen. Die letzte Folge „Die letzte Party“ zeigte Columbo im untypischen Raver- Milieu und war nicht sehr gelungen. Es wäre eigentlich sehr schade, würde eine so glorreiche Serie wie Columbo durch eine miese Endfolge beendet werden.

Sehr auffällig und hervorzuheben ist auch der Umstand, dass in der TV Serie einzig in einer Folge Columbo eine Waffe trägt und er ansonsten immer auf jede Form des Waffeneinsatzes verzichtet. Columbo ist ein Mensch, der die Menschen durch Intelligenz, Bauernschläue und Aufmerksamkeit entlarvt. Gewalt und Actionszenen werden nahezu nie initiiert und falls es doch zu wenigen Momenten kommt, dann sind diese nicht in der Intensität, wie sie im gegenwärtigen Fernsehen zumeist präsentiert werden.

Samstag, 11. Oktober 2008

Das Trauma

Meinen heutigen Fußballnachmittag verbrachte ich im Wettbüro auf der Favoritenstraße.
Dabei konnte ich Menschen mit Bier und andere Personen mit Wettscheinen sehen. Was ich nicht sehen konnte, war das Fußballmatch, denn es gab keine Bilder der Begegnung.
Vielleicht war es letztendlich auch besser, dass ich nur dem Moderator lauschen konnte, denn die Partie ging ernsthaft nur 1:1 aus.
Insbesondere in der ersten Halbzeit schien das Team mehr als drückend überlegen, verzeichnete mehrere Stangenschüsse und erzielte zwei irreguläre Tore. Letztendlich ging das Spiel 1:1 aus und damit hat sich das österreichische Nationalteam erneut blamiert.
Die Faröer Inseln sind offensichtlich kein guter Boden für österreichische Fußballer.
Bereits vor 18 Jahren verlor das Team in einem unglaublichen Spiel mit 1:0.

Mein Bruder erklärt mir in diesem Zusammenhang immer wieder sein Erlebnis. Er kam nach dem Match nach Hause und fragte unseren Vater nach dem Ergebnis. Nachdem dieser mit 1:0 antwortete, schien er enttäuscht, da er an einen knappen Sieg der Österreicher gedacht hatte.
Damals wie heute ist das Trauma offensichtlich immer noch akut.
Doch viele Nationen haben ein „Faröer“. England konnte zum Beispiel über Ewigkeiten nicht gegen Schweden gewinnen.
Der Wiener Sportklub hatte mit Baumgarten in der Ostliga über Jahre einen akuten Angstgegner, gegen den sie nahezu nie gewannen. Ebenso sieht es mit der Vienna aus, die über lange Zeit nie einen Heimsieg gegen den Sportklub erkämpfen konnten.

Fußball ist eben doch mehr, als bloß 22 Spieler/Innen und ein Schiedsrichter. Fußball hat auch gewisse soziale Regeln, die empirisch belegbar sind und verwundern. Wie kommt es, das es Mannschaften gibt, die NIE Elfmeterschießen gewinnen und andere, die nahezu und/oder gar Keines verlieren?

Bei all dem Geplaudere über das österreichische Team muss vor allem eins gesagt werden. Es muss nun kommenden Mittwoch gegen Serbien ein Sieg her. Alles andere als ein Sieg wäre im Grunde bereits der Beginn einer aussichtslosen Situation. Im Normalfall verdient man sich auch gar keine Teilnahme bei einer WM, insofern nicht gegen dieses Insel- Nationalteam gewonnen werden kann.
Womöglich kann allerdings Österreich diesen Ausrutscher durch Siege z.b in Serbien und/oder Frankreich, Rumänien wieder ausgleichen. Es wäre auf jeden Fall den Spielern von Brückner zu empfehlen, insofern sie noch nach Südafrika reisen wollen.

Jörg Haider

Als ich heute morgens die Nachrichten im Fernsehen sah, konnte ich die Mitteilung über den Unfalltod von Jörg Haider nicht begreifen. Dieser Unfall macht jedem Menschen wohl die Vergänglichkeit bewusst, die für alle Menschen gleich ist.
Ein Politiker, Landeshauptmann oder Künstler hat letztendlich auch einen zerstörbaren und verletzlichen Körper, und selbst eventuelle Bevorzugen im Krankenhaus usw. können in einem so tragischen Unfall wie heute früh Nichts am Tod ändern.

Es ist makaber, dass der Rechtspopulist und Demagoge Jörg Haider am zweiten Höhepunkt seiner Karriere starb. Schaffte er es einst mit der FPÖ zur zweitstärksten Partei aufzusteigen, ehe ihn Wolfgang Schüssel politisch „ausbremste“, so war ihm unlängst die Sensation gelungen, eine Partei zu beachtlicher Größe zu verhelfen, die allein seine Person als Wahlprogramm beinhaltete. Denn das BZÖ ist in Wahrheit nicht mehr und nicht weniger als der verstorbene Jurist.
Es kann vermutet werden, dass die Zukunft für das Bündnis Zukunft mit dem Tod des Kärntner Landeshauptmanns abgelaufen ist.
Jörg Haider war ein charismatischer, populistischer, intelligenter und flexibler Politiker. Seine Stärke war es, den jeweiligen, aktuellen Bedürfnissen der Menschen Ausdruck zu verleihen.
Dies gelang ihm auch durch eine ausländerfeindliche und minderheitsfeindliche Politik. Zu den verzichtbaren Errungenschaften Jörg Haiders gehört es, dass er das so genannte „dritte Lager“ wieder salonfähig und wählbar gemacht hat.

Tatsächlich konnte ich vor einigen Jahren Haider für einen kurzen Augenblick persönlich sprechen. Ich persönlich fühle mich dem linken Spektrum zugehörig, fand und finde die rechtspopulistische Kultur in Österreich schlichtweg „irrational“ und Ängste schürend.
Während linksgerichtete Politik immer auf Zusammengehörigkeit und Gemeinsamkeiten bauen sollte, war es über lange Zeit das Ausspielen von Interessen und die Ängste über Modernisierung, Zukunft und Zuwanderung, die Jörg Haider aufsteigen ließ.

Während des persönlichen Aufeinandertreffens konnte ich mich allerdings davon überzeugen, wie der Politiker seine Karten perfekt ausspielt. Gegenüber den Menschen und Otto Normalverbraucher/In, war er freundlich und begegnete jeder Person auf Augenhöhe. Während viele Politiker/Innen durch Arroganz negativ auffallen, schien Haider zumindest oberflächlich gegenüber jedem Menschen freundlich zu sein.

In seinen letzten politischen Jahren war es ruhig um den alternden Politiker geworden. Seine Ausdrucksweise erlangte Akzeptanz, er gab sich staatsmännisch und bedeutend „ruhiger“. Im Vergleich zu seinen freiheitlichen „Nachfolger“ HC Strache wirkte er zeitweise richtiggehend „gemäßigt“ und in seinen Vorschlägen bezüglich sozialpolitischer Reformen war durchaus einige positive Schaffungskraft erkennbar. So wollte er zum Beispiel eine Spekulationssteuer einführen, die insbesondere aufgrund der gegenwärtigen Finanzmarktkrise an Aktualität gewonnen hat. Des Weiteren wollte er die Kindergartenplätze ausweiten und hatte das sozialdemokratische Modell der Gesamtschule in Kärnten als Schulversuch impliziert.
Außerdem war es sein Wunsch, die kleinen und mittleren Betriebe zu entlasten und immer wieder pries er das Tankstellenmodell in Kärnten an.

Besonders in den letzten Jahren häuften sich die Verdachtsmomente, das Jörg H. in homosexuellen Kreisen verkehre. Die Freiheitliche Partei Österreichs versuchte die Homophobie der Wähler/Innen des dritten Lagers aufgrund dieser Gerüchte auf ihre Seite zu bringen. Immer wieder griffen sie den Juristen in diesem Zusammenhang unter der Gürtellinie an.
Des Weiteren hatte er in Kärnten ein Modell der „Grundsicherung“ initiiert, weshalb er dem SPÖ- Modell von Erwin Buchinger bis zuletzt eine Absage erteilte. Aufgrund dieses Umstandes konnte und kann die notwendige bedarfsorientierte Grundsicherung nicht umgesetzt werden.

Heute kam es zu einigen pietätlosen Äußerungen in Foren von verschiedenen Zeitungen. Vorweg möchte ich dazu meine Meinung sagen. Die politische Strahlkraft des Jörg Haider und seine Fähigkeit, Stimmen immer und immer wieder auf sich ziehen zu können, war eine unwahrscheinlich große und starke, individuelle Fähigkeit des gebürtigen Oberösterreichers.
Seine politische Zugehörigkeit ist mir fremd und viele seiner Aussagen und Politik hatten Unmengen von Menschen verletzt, diskriminiert und demontiert.
Der politische und ideologische Inhalt des Jörg Haider ist aufgrund meiner Sozialisation und Vorstellungen von Politik nicht erstrebenswert und abzulehnen. Rechtspopulismus dürfte im Jahr 2008 keine Stimme mehr haben.
Die individuellen Fähigkeiten, das Charisma und die Möglichkeiten, Wahlen allein durch die eigene Person für sich zu entscheiden waren beachtenswert.

Menschen aus dem linken Spektrum dürften im Zusammenhang mit Haider nicht entschieden genug nachdenken, wenn sie seinen Tod feiern und belächeln. Jedes Menschenleben ist gleich viel wert. Das ist eine Grundaussage des Sozialismus. Ein Mensch, der über den Tod Jörg Haiders pietätlose Äußerungen trifft und diesen befürwortet, kann dementsprechend nicht wahrhaftig dem linken Spektrum zuzuordnen sein.
Denn spätestens dort, wo das Leben aufhört und der Tod beginnt, bleibt auch der nackte, einzelne Mensch einfach nur Mensch, entpolitisiert und verblichen.

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Die zwei Wallander




Mittlerweile bin ich seit Jahren ein begeisterter Leser von den Abenteuern des schwedischen Ermittlers Kurt Wallander. Es dauerte allerdings nahezu zwei Jahre, ehe ich erstmals auch Filme ansah und dementsprechend war ich anfänglich sehr irritiert.

Der Kurt Wallander, den ich mir vorstellte, war bereits sehr schwerfällig, verliert mittlerweile Haare und ist im Laufe der Jahre ernüchtert. Den Kurt Wallander, den ich erstmals kennen lernte, war gewichtstechnisch durchaus akzeptabel. In den Büchern von Mankell wird häufig darauf hingewiesen, dass Wallander langsam an Gewicht zu legt, etwas dagegen unternehmen sollte und bemerkt, dass ihm langsam die Haare ausgehen. Des Weiteren wird oftmals erwähnt, dass er Cordhosen trägt und Whisky abends trinkt. Kurt Wallander ist ein exzentrischer Schwede, verschlossen und seine Ehe mit Mona ist gescheitert.

Henriksson ist der Name des zuvor beschriebenen Wallander- Darstellers. Er ist höchst wahrscheinlich Zeit seines Lebens schlank gewesen und hat mittlerweile doch beträchtlich zugelegt, trinkt Whisky abends und ist verschlossen. Das einzige Problem dieses Darstellers ist der Umstand, dass er hauptsächlich Kurzgeschichten interpretieren muss. Dementsprechend sind die Geschichten oftmals nicht so gut durchdacht und gezeichnet. Gelegentlich kommt es vor, dass ein Fall enorm gut gefällt und spannend ist, im entscheidenden Moment allerdings plötzlich sehr schnell kippt und beendet wird.

Von meinem Bruder erhielt ich kürzlich einen Film mit dem anderen Darsteller des Kurt Wallander. Er spielte lediglich in den Verfilmungen der Romane von Mankell mit und ist seitdem in keinem weiteren Fall aufgetreten.
Sein Name ist Lassgard und er ist ein anderer Typ des Ermittlers. Seine Statur ist wesentlich kräftiger und schwerfälliger. Während Henriksson schlaksig und „alternd“ wirkt, stellt Henriksson in seiner Erscheinung einen sehr schwerfälligen, kräftigen und emotionalen Wallander dar. Das liegt vor allem auch an den privaten Episoden der Filme. Zugegebenermaßen habe ich erst einen Film mit Lassgard als Wallander gesehen. Da es sich dabei wie bereits erwähnt nur um Verfilmungen der Romane handelt, ist die Figur des Inspektors wesentlich exakter gezeichnet, der Charakter zeichnet sich besser ab und die Personen werden weniger oberflächlich interpretiert.
Sein Nachteil gegenüber dem anderen Darsteller ist die für mich ungewohnte Synchronstimme, die Edgar Ott, dem Sprecher von Benjamin Blümchen ähnelt. Unmissverständlich erhält Henriksson seine Stimme im Deutschen von der gleichen Synchronstimme wie Mr. Monk.

Beide Darsteller machen in den jeweiligen Filmen eine gute Figur und hauchen der Figur Kurt Wallander Leben ein. Ich persönlich finde es ja enorm schwierig, einer Romanfigur Konturen bei zu bringen. Dennoch differenzieren beide intensiv in ihren Darstellungen und vollenden letztendlich doch ein zumeist stimmiges Bild.

Ich werde auch in Zukunft weiter Filme sehen und auch die letzten Wallander Romane lesen. Völlig unvermutet kam ich vor einigen Jahren zu meinem ersten Mankell Roman „Die Brandmauer“ und habe seitdem nahezu Alle verschlungen. Verschlungen insbesondere deshalb, weil mich kein Werk ausgelassen hat und ich niemals länger als drei, vier Tage brauchte, um die Geschichte fertig zu lesen.

Was macht nun diesen Kurt Wallander an sich so interessant? Ist es seine gescheiterte Ehe zu seiner Exfrau Mona? Ich bezweifle dies entschieden aufgrund des Umstandes, dass viele Ermittler Single sind und/ oder geschieden. Der geschiedene Ermittler passt offensichtlich in das klischeehafte Bild der Romanerzähler/Innen.
Ist es dann seine Tochter Linda, die im Laufe der Werke immer mehr von einer Nebendarstellerin zu einer Hauptfigur mutiert? Wäre durchaus möglich. Die Beziehung zu seinem Vater, der im Laufe der Jahre stirbt ist ebenso besonders gelungen.
Meiner Ansicht nach macht Kurt Wallander seine Schwäche aus. Bei all seiner beruflichen Durchschlagskraft bleibt der Ermittler in vielen Lebensbereichen schwach. Er lässt viele wichtige Punkte in seinem Leben brach liegen und unberührt, bleibt verschlossen und vermittelt oftmals ein „konservatives“ Bild vom „alten“ Schweden, dass er heutzutage so nicht wieder erkennt.
Dabei werden insbesondere die Gefühle der Leser/Innen angesprochen. Es gibt sicherlich ohnehin viele Menschen, die sich mit der gegenwärtigen Welt nicht identifizieren können und sich fragen: „Was ist mit dem heutigen Schweden los?“ Dabei ist das Land Schweden völlig frei durch andere Staaten austauschbar.

Gelegentlich kommt in den Büchern sogar Globalisierungs- und Modernisierungskritik auf. Kurt Wallander versteht dabei oftmals die Zusammenhänge nicht wirklich. Die Kritik ist nur aus seiner Sicht geschildert und bleibt dementsprechend unreflektiert. Die Leser/Innen erhalten Einblick in seine individuelle und daher begrenzte, menschliche Ansichtswelt.
Dieser Umstand macht Kurt Wallander zu etwas ganz Besonderem.
Es wäre sehr schade, würde der sympathische Schwede in Zukunft keinerlei Fälle mehr lösen. Ich würde es sehr begrüßen, eine neue Geschichte lesen zu können, die mich in seinem Wohnzimmer auffinden und ihn beim Whiskytrinken zusehen lässt.

Dienstag, 7. Oktober 2008

Die Frage nach der Rentabilität

Mein zweiter Tag auf der WU hat mich gleich in das Austriacenter geführt. Statt überfüllter Lehrsäle (oder gemäß des oftmals wie Sägemehl wieder gekautem Stoffes: Leersäle) konnte sich gemütlich hingesetzt werden und es wurde den fabelhaften Worten der Professoren gelauscht.
Dabei ist sofort auffällig, dass das oberste Gebot der Betriebsführung die Rentabilität ist. Selbst bei sozial wichtigen Non- Profit Organisationen kommt es zu einer Messung des Erfolges. Rentabilität und effektive Nutzung der Ressourcen ist oberstes Gebot.

In der Politikwissenschaft wiederum wird gerade die Frage der Rentabilität und perfekten Nutzung der Ressourcen komplett ausgeklammert. In einer sozialwissenschaftlichen Theorie wird nach der Richtigkeit gefragt und eventuell neue Gesetzmäßigkeiten eruiert werden.
Ob sich die politikwissenschaftliche Theorie finanziell, strategisch oder erfolgstechnisch rentiert und auszahlt, wurde zumindest bis zum heutigen Tage im Studium nie gefragt.

Der politikwissenschaftliche Mensch beschäftigt sich hauptsächlich mit den Variablen, die von der BWL nahezu komplett ausgeklammert werden. Modelle, die die Welt definieren, erklären und mitunter auch normative Wertvorstellungen belegen und/ oder widerlegen können.
Der BWL- Absolvent interessiert sich hingegen in keiner Form um den ideologischen Wert. Im Zusammenhang mit Wert denkt der Mensch aus der Betriebswirtschaft nur an Gewinnmaximierung, Umsatzsteigerung und/ oder bei Non- Profit Organisationen an Steigerungen des effektiven Erfolges.

So gesehen ist es wesentlich einfacher in die Gedankenwelt eines Menschen der BWL, als in die eine/r PolitoglogIn einzudringen. Der einzige Drang nach Effektivität, perfekter Nutzung und Kalkulation ist berechenbar, während normative Maßstäbe von Richtig, Falsch, ethisch und „moralisch“ vertretbare Handlungsmuster eine Vorsozialisierung erfordern, die mitunter bei Menschen der Wirtschaft sogar als Schwäche identifiziert werden können.

Der Abbau von Arbeitsplätzen ist in der Wirtschaft lediglich die Optimierung des Umsatzes und Gewinnes. Ein/e Arbeitnehmer/In muss dem Unternehmen „etwas“ bringen und tun sie das nicht, dann müssen sie gehenà aus Rentabilitätsgründen.
In diesem Moment hört der Gedanke für den Menschen der Wirtschaft auf: Es sind zum Beispiel zehntausend Arbeitsplätze abgebaut und Umstrukturierungen vorgenommen worden, so dass nun der Gewinn optimiert wurde.
Dies ist der Augenblick, in dem die Politikwissenschaft im Grunde erst beginnt zu forschen. Warum kommt es zu Arbeitslosigkeit? Welche Wirtschaftssysteme und Sozialsysteme gibt es? Welche Paradigmen herrschen gegenwärtig, in der Vergangenheit und/oder womöglich auch zukünftig vor usw.

Das die BWL zum Beispiel aus lediglich einem wirtschaftlichen Paradigma heraus impliziert wird, war durchaus nicht immer so und wird definitiv aus dem Inhalt des Stoffes ausgeklammert.
Zwar wird tatsächlich öfters darauf hingewiesen, dass die Sichtweisen bezüglich Gewinn, Verlust usw. differenzieren und es andere Ansichten gibt. Selbst diese differenzierten Ansichten gehen allerdings immer noch von dem gleichen Wirtschaftssystem aus.

Während die Politikwissenschaft viele Abzweigungen, Hohlräume und neue Möglichkeiten zur Erkundung bietet, bietet die BWL einen strikten Weg und Gang. Dieser eine Weg ist grundsätzlich in jedem Schritt nachvollziehbar und lautet Gewinn und Gewinnmaximierung.

Die Kombination der Studien Politikwissenschaft und BWL ist sehr interessant. Sie bietet auf der einen Seite einen enorm abstrakten und sozialtheoretischen Teil und auf der anderen Seite einen rentablen, fundamentalen Stand in der gegenwärtigen Welt.
Die Unterschiede werden bereits in den ersten Stunden markant und sicher noch ausgeweitet werden.

Montag, 6. Oktober 2008

Der verstaatlichte Verlust

Die in den Medien präsente Finanzkrise hat nun auch Europa getroffen. Sarkozy versuchte eine ähnliche Hilfe wie das Paket von George W. Bush jr. zu initiieren und scheiterte insbesondere auch an Angela Merkel. Diese wiederum hat ihrerseits mittlerweile eigene, nationale Hilfsmaßnahmen eingeläutet.
Es ist makaber und unglaublich, dass die ganzen Menschen, die ständig nur von Deregulierung, Eigenverantwortung und Rückzug des Staates gesprochen haben, nun nach der Hilfe des Staates brüllen.
Nach dem Motto: „Komm doch lieber Staat, verstaatliche unsere Verluste und lass unsere Gewinne weiterhin privatisiert.“
Beim neoliberalen Bild der Wirtschaft dürfte es streng genommen gar nicht zu einem derartigen Finanzkollaps in den USA und auf der Welt kommen. Die „invisible hand“ steuert den Markt und der Staat zieht sich auf die Funktion als Gesetzeshüter, Regler und eventuell Richter zurück.
Selbstverständlich verselbstständigt sich dieses System mit der Zeit. Der wirtschaftliche Druck nimmt immer mehr zu. Die Arbeitsbedingungen und sozialen Grundvoraussetzungen werden aufgeweicht und zerstört, bei gleichzeitiger Gewinnoptimierung. Um Gewinn zu erzielen muss immer mehr Risiko eingegangen werden und kalkuliert wird mit Fantasiezahlen, die allenfalls bei einer enorm günstigen Konjunktur funktionieren könnten. Dabei wird auch immer mehr Kredit mit einbezogen und mit dem Risiko steigen auch die Aussichten auf Verluste und einen Kollaps der Wirtschaft.

Schon öfters hat das kapitalistische System bewiesen, dass es insbesondere ohne demokratischer Regulierung und Steuerung kontinuierlich der eigenen Zerstörung näher kommt. Gesellschaftspolitisch ist Kapitalismus ohnehin ein asoziales System, dass lediglich durch Eingriffe des Staates ein wenig abgefedert werden kann.
Doch wird der Markt gänzlich den Menschen der Wirtschaft überlassen, wird er auf Dauer nicht haltbar sein.
Generell ist dabei auch die ständige Jagd nach dem obligatorischen Wachstum ein schwieriges Unterfangen, das auf Dauer nicht möglich sein wird.
Bereits jetzt haben wir in den meisten Industriestaaten Wachstumsraten von maximal 4%.
Zumeist ist es sogar wesentlich weniger. Wachstum von 2% stellt in Wahrheit eine Rezession dar. 2% Wirtschaftswachstum bedeutet weniger Arbeitsplätze, mehr Arbeitslose, weniger Einnahmen für die Unternehmen und weniger Kaufkraft.
Lediglich in aufstrebenden Ländern wie China usw. gibt es noch effektive Wirtschaftswachstümer jenseits der 10%.
Auf Dauer wird sich der Markt endgültig übersättigen und wenn mal Alles privatisiert ist und der Staat so gut wie keine Einnahmen mehr hat- Wer kommt dann den einzelnen Menschen zu Hilfe?
Wer schnürt dann das Hilfspaket und hilft dem privaten Menschen mit dem Geld der Steuerzahler/Innen?
Dann wird festgestellt werden, dass die Geschäfte wie Luftblasen zerplatzen, die Banken zahlungsunfähig und die Börsen de facto am Ende sein werden.
Das die Zahlen der jeweiligen Unternehmen an den Haaren herbeigezogen waren und durch die globalisierte Wirtschaft unzählige andere Industrien verwickelt sind.

Einzelne Hilfspakete lösen letztendlich nicht das Hauptproblem. Wir haben einerseits das so genannte Problem der Dependenz. Die hierarchische Abhängigkeit zwischen Industrieländern und Ländern der dritten Welt kann durch das gegenwärtige System nicht verändert werden. Fakt ist, dass die wirtschaftliche Impotenz und Hilflosigkeit der dritten Welt sogar Grundvoraussetzung für den Wohlstand der Anderen sind.
Des Weiteren haben wir das Problem, dass selbst falls der unmögliche Faktor eintritt, dass die Unterentwicklung der 3. Welt Länder beseitigt wird, immer noch das zeitliche Ablaufdatum des neoliberalen Marktsystems eine unlösbare Schwierigkeit sein dürfte.
Vor Allem: Wie können Gewinne erzielt werden, wenn jeder Mensch zum Beispiel das verdient und erhält, was er auch tatsächlich erwirtschaftet durch seine individuelle Arbeit?
Wenn der Arbeiter in Afrika plötzlich 7-10 Euro pro Stunde für das Orangenpflücken, und nicht 1 Cent pro Orange erhält. Und wenn er Zuschläge erhält, Urlaubsgeld, Überhaupt URLAUB usw.

Das Problem der Wirtschaft wird auf Dauer durch Hilfspakete der USA nicht beseitigt werden können. Tatsächlich sind das nur kosmetische Regulierungen, die das Kernproblem nicht antasten.

Samstag, 4. Oktober 2008

Erfolg, Misserfolg und Zukunft

Zukunftsprognosen sind immer schwierig abzugeben. Zumeist werden Erfahrungswerte aus der Vergangenheit impliziert, um auf die Zukunft zu schließen.
Dass diese Vorgehensweise oftmals schief geht dürfte jedem bekannt sein. Man denke dabei nur an die Prognosen bezüglich der vorletzten Nationalratswahl 2006, die der SPÖ nahezu keine Siegchance einräumte.
Auch in der Welt der Künstler und Künstlerinnen wird oftmals eine Zukunftsprognose zu einem wahren Harakiri. Wer hätte noch Anfang der 90er Jahre gedacht, dass Michael Jackson’ s Karriere aufgrund etwaiger Anschuldungen nahezu zum Stillstand kommt?

Wer hätte auch nur einen Cent auf die Jungs von Tokio Hotel gesetzt, dass sie ihren Weg auch in den USA gehen würden?
Insbesondere in der Welt der Medien liegen die Fehlprognosen insbesondere an dem Umstand, dass allein das Talent oder die Fähigkeit zumeist nicht den Künstler ausmacht. Um Kunst kommerziell betreiben zu können muss man sie auch dementsprechend gestalten. Zumindest auf Dauer gesehen führt kein Weg an der eigenen Kommerzialisierung seiner Kunst vorbei.
Wobei insbesondere beim Zusammenhang mit Kunst oftmals ein großer Fehler gemacht wird. Kunst und kommerzieller Erfolg ist nicht gleichzeitig ein Indiz für Können. Ebenso wenig bedeutet der mangelnde kommerzielle Erfolg automatisch eine Unbegabtheit des/ der Künstler/In.
Hinzu kommt noch der Faktor des Zufalls, der weder bei der Kunst, bei der Politik und/oder im Sport berücksichtigt werden kann.
Gut erinnere ich mich an den BAWAG Skandal der SPÖ, der den sicher geglaubten Wahlsieg in einen sicher geglaubten Gang in die Opposition 2006 verwandelte. Oder an Tennisspiele bei denen Spielsituationen durch Netzroller entschieden und in weiterer Folge das gesamte Match zu einer anderen Begegnung wurde.

Wobei bei dem ganzen Gefasel von Zukunftsprognosen, Glück, Fähigkeit usw. auch ein ganz bedeutender Prozentsatz eigenes Engagement angefügt werden muss. Bei fortlaufendem Pech, kommerziellem Misserfolg, sportlicher Pleiten und schulischer Rückschläge gibt es bedeutend viele Menschen, die daran nicht nur zerbrechen sondern auch ihr gesamtes zukünftiges Leben von diesen Bedingungen leiten lassen.
Der Glaube an sich selbst, an den eigenen Erfolg und an die Möglichkeit der Selbstbestimmung kann mitunter oftmals die Essenz sein, die den Tennisball über das Netz rollen, den Fußball an die Stange, die Mathematikschularbeit zu einem knappen Genügend oder die Türe zu einem gut bezahlten und angenehmen Job öffnet.

Misserfolg und Erfolg, Literaturnobelpreis und anonymer Schreiberling, Fußballprofi und Wirtshausmannschaft, Villenviertel oder Rennbahnweg – All diese Begrifflichkeiten sind letztendlich nur Worte, die gegebenenfalls erreicht werden oder unantastbar bleiben.
Tatsächlich ist der Unterschied oftmals nur durch Nuancen geprägt, die häufig nicht mal wirklich auffallen.

Die erfolgreiche Person hat zumeist Erfolg, weil sie den Misserfolg als mögliche Variante nicht anerkennt. Es gibt viele Menschen, die ihr gesamtes Leben lang in jeder Situation erfolgreich sind. Ebenso gibt es enorm viele Personen, die nahezu an allem scheitern. Sie scheitern an der Hauptschule, brechen ihre Lehre ab, usw.
Auch die Auswahl die jemanden zu Erfolg oder Misserfolg verhilft, geschieht zumeist aufgrund der eigenen Integrität und Ausstrahlung. Die Menschen, die Erfolg ausstrahlen, werden höchstwahrscheinlich erfolgreich sein. Selbstverständlich ist dabei die innere Überzeugung maßgeblich. Allein die Zwangsbeglückung und der reelle Wunsch erfolgreich zu sein wird nicht ausreichen, es muss auch die wirkliche Überzeugung gegeben sein.

Des Weiteren muss versucht werden, das Glück, die Zukunft, den Erfolg zu provozieren. Du musst immer in Bewegung, niemals von Stillstand umgeben sein.
Ich möchte jetzt selbstverständlich keine Märchen erzählen. Der Ausspruch: „Wenn du es nur immer wieder versuchst, wirst du es auch schaffen!“ kann nur polemisch gemeint sein und ist nicht anwendbar.
Grundsätzlich ist aber zu erwähnen, dass mit jedem Versuch die Möglichkeit eines Erfolges steigt.
Neben den Menschen, die ohnehin immer erfolgreich waren und sind, gibt es insbesondere die Personen, die aufgrund des einen Versuches mehr als die Erfolglosen, von Glück und Erfolg begünstigt sind.

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Zwei Studien- Zwei Welten

Während meiner Oberstufenzeit in der HBLA für wirtschaftliche Berufe habe ich sie ja Alle schon mal kennen gelernt. Die Karrieristen, die geschniegelten und gestriegelten Menschen im Anzug, im Kleid und mit hohen Ambitionen. Wobei diese hohen Ambitionen in keiner Weise auf sozialer Ebene einzuordnen sind. Sozialwirtschaft kann getrost vernachlässigt werden, denn schlussendlich ist damit sowieso kein Geld zu verdienen.
Seit heute früh bin ich Student an der Wirtschaftsuniversität. Neben meinem Studium der Politikwissenschaft möchte ich mir ein zusätzliches Standbein in der Betriebswirtschaft aufbauen. Falls es in BWL nicht wirklich auf Dauer klappen sollte, möchte ich mir die erworbenen ECTS Punkte für Politik anrechnen lassen.
Gestern besuchte ich bereits die Einführungsveranstaltung für die ersten Semester.
Auffällig dabei vor allem die Sprache. Während auf dem Politikwissenschaftsinstitut hauptsächlich von Interessen gesprochen wird, ist die spätere berufliche Aussicht offensichtlich die einzige Motivation für jeden an der WU studierenden Menschen, zu lernen.
Die Unterrichtenden scheinen dabei auch keinen Hehl aus der Sache zu machen. Im Vorhinein wird die Möglichkeit, aus Interessensgründen zu studieren zu dem Platz der Mythen, Fantasien und Märchen platziert und über das wesentliche gesprochen: Wie kann ich bestmöglich viel erreichen, um bestmöglich viel zu verdienen?

Während auf dem NIG, dem Institut für Sozialwissenschaften jede Menge verschieden Student/Innen verkehren und im Winter durchaus auch obdachlose Menschen eine warme Behausung vorfinden, ist die WU elitär aufgebaut. Schon das Gebäude zeigt den Studierenden, dass sie sich unter der zukünftigen Spitze der Gesellschaft befinden. Und die Student/Innen wissen sich anzupassen. Sicherheitshalber kleiden sie sich bereits vor dem Abschluss vornehm, elegant und angepasst. Dieser Umstand trifft der Fairness halber nicht auf alle Menschen zu. Die breite Mehrheit ist allerdings auf meinen Bericht zugeschnitten.

Bereits am Anfang wird den Student/Innen klar gemacht, dass sie es nicht einfach haben werden. „70% der Student/Innen scheitern nach dem ersten Jahr.“wird jedem erklärt und insbesondere die ehemaligen Gymnasiast/Innen schlucken, denn das Syndrom des Durchfallens ist ihnen zumeist spätestens ab der Oberstufe eine Seltenheit geworden.
Interessant ist vor allem mein Vergleich zu der wirtschaftlichen Schule. Auch ich wurde insbesondere in den ersten zwei Jahren der HBLA oftmals darauf hingewiesen, dass nur wenige auf diesem Institut maturieren werden.
Offensichtlich ist der Gedanke des Drucks, der Effizienz und der Rentabilität ein Gedanke, der sich in allen Institutionen der Wirtschaft wieder spiegelt.
Die Absolvent/Innen können sich bereits auf den obligatorischen Herzinfarkt Mitte 40 vorbereiten, den sie nach jahrzehntelanger Arbeit unter Druck und ewiglanger Beschäftigung mit dem hundertmalig bereits durchgekauten, sägemehlähnlichem Stoff erleiden werden.
Ich werde verschont bleiben.