Dienstag, 7. Oktober 2008

Die Frage nach der Rentabilität

Mein zweiter Tag auf der WU hat mich gleich in das Austriacenter geführt. Statt überfüllter Lehrsäle (oder gemäß des oftmals wie Sägemehl wieder gekautem Stoffes: Leersäle) konnte sich gemütlich hingesetzt werden und es wurde den fabelhaften Worten der Professoren gelauscht.
Dabei ist sofort auffällig, dass das oberste Gebot der Betriebsführung die Rentabilität ist. Selbst bei sozial wichtigen Non- Profit Organisationen kommt es zu einer Messung des Erfolges. Rentabilität und effektive Nutzung der Ressourcen ist oberstes Gebot.

In der Politikwissenschaft wiederum wird gerade die Frage der Rentabilität und perfekten Nutzung der Ressourcen komplett ausgeklammert. In einer sozialwissenschaftlichen Theorie wird nach der Richtigkeit gefragt und eventuell neue Gesetzmäßigkeiten eruiert werden.
Ob sich die politikwissenschaftliche Theorie finanziell, strategisch oder erfolgstechnisch rentiert und auszahlt, wurde zumindest bis zum heutigen Tage im Studium nie gefragt.

Der politikwissenschaftliche Mensch beschäftigt sich hauptsächlich mit den Variablen, die von der BWL nahezu komplett ausgeklammert werden. Modelle, die die Welt definieren, erklären und mitunter auch normative Wertvorstellungen belegen und/ oder widerlegen können.
Der BWL- Absolvent interessiert sich hingegen in keiner Form um den ideologischen Wert. Im Zusammenhang mit Wert denkt der Mensch aus der Betriebswirtschaft nur an Gewinnmaximierung, Umsatzsteigerung und/ oder bei Non- Profit Organisationen an Steigerungen des effektiven Erfolges.

So gesehen ist es wesentlich einfacher in die Gedankenwelt eines Menschen der BWL, als in die eine/r PolitoglogIn einzudringen. Der einzige Drang nach Effektivität, perfekter Nutzung und Kalkulation ist berechenbar, während normative Maßstäbe von Richtig, Falsch, ethisch und „moralisch“ vertretbare Handlungsmuster eine Vorsozialisierung erfordern, die mitunter bei Menschen der Wirtschaft sogar als Schwäche identifiziert werden können.

Der Abbau von Arbeitsplätzen ist in der Wirtschaft lediglich die Optimierung des Umsatzes und Gewinnes. Ein/e Arbeitnehmer/In muss dem Unternehmen „etwas“ bringen und tun sie das nicht, dann müssen sie gehenà aus Rentabilitätsgründen.
In diesem Moment hört der Gedanke für den Menschen der Wirtschaft auf: Es sind zum Beispiel zehntausend Arbeitsplätze abgebaut und Umstrukturierungen vorgenommen worden, so dass nun der Gewinn optimiert wurde.
Dies ist der Augenblick, in dem die Politikwissenschaft im Grunde erst beginnt zu forschen. Warum kommt es zu Arbeitslosigkeit? Welche Wirtschaftssysteme und Sozialsysteme gibt es? Welche Paradigmen herrschen gegenwärtig, in der Vergangenheit und/oder womöglich auch zukünftig vor usw.

Das die BWL zum Beispiel aus lediglich einem wirtschaftlichen Paradigma heraus impliziert wird, war durchaus nicht immer so und wird definitiv aus dem Inhalt des Stoffes ausgeklammert.
Zwar wird tatsächlich öfters darauf hingewiesen, dass die Sichtweisen bezüglich Gewinn, Verlust usw. differenzieren und es andere Ansichten gibt. Selbst diese differenzierten Ansichten gehen allerdings immer noch von dem gleichen Wirtschaftssystem aus.

Während die Politikwissenschaft viele Abzweigungen, Hohlräume und neue Möglichkeiten zur Erkundung bietet, bietet die BWL einen strikten Weg und Gang. Dieser eine Weg ist grundsätzlich in jedem Schritt nachvollziehbar und lautet Gewinn und Gewinnmaximierung.

Die Kombination der Studien Politikwissenschaft und BWL ist sehr interessant. Sie bietet auf der einen Seite einen enorm abstrakten und sozialtheoretischen Teil und auf der anderen Seite einen rentablen, fundamentalen Stand in der gegenwärtigen Welt.
Die Unterschiede werden bereits in den ersten Stunden markant und sicher noch ausgeweitet werden.

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