Montag, 6. Oktober 2008

Der verstaatlichte Verlust

Die in den Medien präsente Finanzkrise hat nun auch Europa getroffen. Sarkozy versuchte eine ähnliche Hilfe wie das Paket von George W. Bush jr. zu initiieren und scheiterte insbesondere auch an Angela Merkel. Diese wiederum hat ihrerseits mittlerweile eigene, nationale Hilfsmaßnahmen eingeläutet.
Es ist makaber und unglaublich, dass die ganzen Menschen, die ständig nur von Deregulierung, Eigenverantwortung und Rückzug des Staates gesprochen haben, nun nach der Hilfe des Staates brüllen.
Nach dem Motto: „Komm doch lieber Staat, verstaatliche unsere Verluste und lass unsere Gewinne weiterhin privatisiert.“
Beim neoliberalen Bild der Wirtschaft dürfte es streng genommen gar nicht zu einem derartigen Finanzkollaps in den USA und auf der Welt kommen. Die „invisible hand“ steuert den Markt und der Staat zieht sich auf die Funktion als Gesetzeshüter, Regler und eventuell Richter zurück.
Selbstverständlich verselbstständigt sich dieses System mit der Zeit. Der wirtschaftliche Druck nimmt immer mehr zu. Die Arbeitsbedingungen und sozialen Grundvoraussetzungen werden aufgeweicht und zerstört, bei gleichzeitiger Gewinnoptimierung. Um Gewinn zu erzielen muss immer mehr Risiko eingegangen werden und kalkuliert wird mit Fantasiezahlen, die allenfalls bei einer enorm günstigen Konjunktur funktionieren könnten. Dabei wird auch immer mehr Kredit mit einbezogen und mit dem Risiko steigen auch die Aussichten auf Verluste und einen Kollaps der Wirtschaft.

Schon öfters hat das kapitalistische System bewiesen, dass es insbesondere ohne demokratischer Regulierung und Steuerung kontinuierlich der eigenen Zerstörung näher kommt. Gesellschaftspolitisch ist Kapitalismus ohnehin ein asoziales System, dass lediglich durch Eingriffe des Staates ein wenig abgefedert werden kann.
Doch wird der Markt gänzlich den Menschen der Wirtschaft überlassen, wird er auf Dauer nicht haltbar sein.
Generell ist dabei auch die ständige Jagd nach dem obligatorischen Wachstum ein schwieriges Unterfangen, das auf Dauer nicht möglich sein wird.
Bereits jetzt haben wir in den meisten Industriestaaten Wachstumsraten von maximal 4%.
Zumeist ist es sogar wesentlich weniger. Wachstum von 2% stellt in Wahrheit eine Rezession dar. 2% Wirtschaftswachstum bedeutet weniger Arbeitsplätze, mehr Arbeitslose, weniger Einnahmen für die Unternehmen und weniger Kaufkraft.
Lediglich in aufstrebenden Ländern wie China usw. gibt es noch effektive Wirtschaftswachstümer jenseits der 10%.
Auf Dauer wird sich der Markt endgültig übersättigen und wenn mal Alles privatisiert ist und der Staat so gut wie keine Einnahmen mehr hat- Wer kommt dann den einzelnen Menschen zu Hilfe?
Wer schnürt dann das Hilfspaket und hilft dem privaten Menschen mit dem Geld der Steuerzahler/Innen?
Dann wird festgestellt werden, dass die Geschäfte wie Luftblasen zerplatzen, die Banken zahlungsunfähig und die Börsen de facto am Ende sein werden.
Das die Zahlen der jeweiligen Unternehmen an den Haaren herbeigezogen waren und durch die globalisierte Wirtschaft unzählige andere Industrien verwickelt sind.

Einzelne Hilfspakete lösen letztendlich nicht das Hauptproblem. Wir haben einerseits das so genannte Problem der Dependenz. Die hierarchische Abhängigkeit zwischen Industrieländern und Ländern der dritten Welt kann durch das gegenwärtige System nicht verändert werden. Fakt ist, dass die wirtschaftliche Impotenz und Hilflosigkeit der dritten Welt sogar Grundvoraussetzung für den Wohlstand der Anderen sind.
Des Weiteren haben wir das Problem, dass selbst falls der unmögliche Faktor eintritt, dass die Unterentwicklung der 3. Welt Länder beseitigt wird, immer noch das zeitliche Ablaufdatum des neoliberalen Marktsystems eine unlösbare Schwierigkeit sein dürfte.
Vor Allem: Wie können Gewinne erzielt werden, wenn jeder Mensch zum Beispiel das verdient und erhält, was er auch tatsächlich erwirtschaftet durch seine individuelle Arbeit?
Wenn der Arbeiter in Afrika plötzlich 7-10 Euro pro Stunde für das Orangenpflücken, und nicht 1 Cent pro Orange erhält. Und wenn er Zuschläge erhält, Urlaubsgeld, Überhaupt URLAUB usw.

Das Problem der Wirtschaft wird auf Dauer durch Hilfspakete der USA nicht beseitigt werden können. Tatsächlich sind das nur kosmetische Regulierungen, die das Kernproblem nicht antasten.

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