Donnerstag, 2. Oktober 2008

Zwei Studien- Zwei Welten

Während meiner Oberstufenzeit in der HBLA für wirtschaftliche Berufe habe ich sie ja Alle schon mal kennen gelernt. Die Karrieristen, die geschniegelten und gestriegelten Menschen im Anzug, im Kleid und mit hohen Ambitionen. Wobei diese hohen Ambitionen in keiner Weise auf sozialer Ebene einzuordnen sind. Sozialwirtschaft kann getrost vernachlässigt werden, denn schlussendlich ist damit sowieso kein Geld zu verdienen.
Seit heute früh bin ich Student an der Wirtschaftsuniversität. Neben meinem Studium der Politikwissenschaft möchte ich mir ein zusätzliches Standbein in der Betriebswirtschaft aufbauen. Falls es in BWL nicht wirklich auf Dauer klappen sollte, möchte ich mir die erworbenen ECTS Punkte für Politik anrechnen lassen.
Gestern besuchte ich bereits die Einführungsveranstaltung für die ersten Semester.
Auffällig dabei vor allem die Sprache. Während auf dem Politikwissenschaftsinstitut hauptsächlich von Interessen gesprochen wird, ist die spätere berufliche Aussicht offensichtlich die einzige Motivation für jeden an der WU studierenden Menschen, zu lernen.
Die Unterrichtenden scheinen dabei auch keinen Hehl aus der Sache zu machen. Im Vorhinein wird die Möglichkeit, aus Interessensgründen zu studieren zu dem Platz der Mythen, Fantasien und Märchen platziert und über das wesentliche gesprochen: Wie kann ich bestmöglich viel erreichen, um bestmöglich viel zu verdienen?

Während auf dem NIG, dem Institut für Sozialwissenschaften jede Menge verschieden Student/Innen verkehren und im Winter durchaus auch obdachlose Menschen eine warme Behausung vorfinden, ist die WU elitär aufgebaut. Schon das Gebäude zeigt den Studierenden, dass sie sich unter der zukünftigen Spitze der Gesellschaft befinden. Und die Student/Innen wissen sich anzupassen. Sicherheitshalber kleiden sie sich bereits vor dem Abschluss vornehm, elegant und angepasst. Dieser Umstand trifft der Fairness halber nicht auf alle Menschen zu. Die breite Mehrheit ist allerdings auf meinen Bericht zugeschnitten.

Bereits am Anfang wird den Student/Innen klar gemacht, dass sie es nicht einfach haben werden. „70% der Student/Innen scheitern nach dem ersten Jahr.“wird jedem erklärt und insbesondere die ehemaligen Gymnasiast/Innen schlucken, denn das Syndrom des Durchfallens ist ihnen zumeist spätestens ab der Oberstufe eine Seltenheit geworden.
Interessant ist vor allem mein Vergleich zu der wirtschaftlichen Schule. Auch ich wurde insbesondere in den ersten zwei Jahren der HBLA oftmals darauf hingewiesen, dass nur wenige auf diesem Institut maturieren werden.
Offensichtlich ist der Gedanke des Drucks, der Effizienz und der Rentabilität ein Gedanke, der sich in allen Institutionen der Wirtschaft wieder spiegelt.
Die Absolvent/Innen können sich bereits auf den obligatorischen Herzinfarkt Mitte 40 vorbereiten, den sie nach jahrzehntelanger Arbeit unter Druck und ewiglanger Beschäftigung mit dem hundertmalig bereits durchgekauten, sägemehlähnlichem Stoff erleiden werden.
Ich werde verschont bleiben.

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