Als ich heute morgens die Nachrichten im Fernsehen sah, konnte ich die Mitteilung über den Unfalltod von Jörg Haider nicht begreifen. Dieser Unfall macht jedem Menschen wohl die Vergänglichkeit bewusst, die für alle Menschen gleich ist.
Ein Politiker, Landeshauptmann oder Künstler hat letztendlich auch einen zerstörbaren und verletzlichen Körper, und selbst eventuelle Bevorzugen im Krankenhaus usw. können in einem so tragischen Unfall wie heute früh Nichts am Tod ändern.
Es ist makaber, dass der Rechtspopulist und Demagoge Jörg Haider am zweiten Höhepunkt seiner Karriere starb. Schaffte er es einst mit der FPÖ zur zweitstärksten Partei aufzusteigen, ehe ihn Wolfgang Schüssel politisch „ausbremste“, so war ihm unlängst die Sensation gelungen, eine Partei zu beachtlicher Größe zu verhelfen, die allein seine Person als Wahlprogramm beinhaltete. Denn das BZÖ ist in Wahrheit nicht mehr und nicht weniger als der verstorbene Jurist.
Es kann vermutet werden, dass die Zukunft für das Bündnis Zukunft mit dem Tod des Kärntner Landeshauptmanns abgelaufen ist.
Jörg Haider war ein charismatischer, populistischer, intelligenter und flexibler Politiker. Seine Stärke war es, den jeweiligen, aktuellen Bedürfnissen der Menschen Ausdruck zu verleihen.
Dies gelang ihm auch durch eine ausländerfeindliche und minderheitsfeindliche Politik. Zu den verzichtbaren Errungenschaften Jörg Haiders gehört es, dass er das so genannte „dritte Lager“ wieder salonfähig und wählbar gemacht hat.
Tatsächlich konnte ich vor einigen Jahren Haider für einen kurzen Augenblick persönlich sprechen. Ich persönlich fühle mich dem linken Spektrum zugehörig, fand und finde die rechtspopulistische Kultur in Österreich schlichtweg „irrational“ und Ängste schürend.
Während linksgerichtete Politik immer auf Zusammengehörigkeit und Gemeinsamkeiten bauen sollte, war es über lange Zeit das Ausspielen von Interessen und die Ängste über Modernisierung, Zukunft und Zuwanderung, die Jörg Haider aufsteigen ließ.
Während des persönlichen Aufeinandertreffens konnte ich mich allerdings davon überzeugen, wie der Politiker seine Karten perfekt ausspielt. Gegenüber den Menschen und Otto Normalverbraucher/In, war er freundlich und begegnete jeder Person auf Augenhöhe. Während viele Politiker/Innen durch Arroganz negativ auffallen, schien Haider zumindest oberflächlich gegenüber jedem Menschen freundlich zu sein.
In seinen letzten politischen Jahren war es ruhig um den alternden Politiker geworden. Seine Ausdrucksweise erlangte Akzeptanz, er gab sich staatsmännisch und bedeutend „ruhiger“. Im Vergleich zu seinen freiheitlichen „Nachfolger“ HC Strache wirkte er zeitweise richtiggehend „gemäßigt“ und in seinen Vorschlägen bezüglich sozialpolitischer Reformen war durchaus einige positive Schaffungskraft erkennbar. So wollte er zum Beispiel eine Spekulationssteuer einführen, die insbesondere aufgrund der gegenwärtigen Finanzmarktkrise an Aktualität gewonnen hat. Des Weiteren wollte er die Kindergartenplätze ausweiten und hatte das sozialdemokratische Modell der Gesamtschule in Kärnten als Schulversuch impliziert.
Außerdem war es sein Wunsch, die kleinen und mittleren Betriebe zu entlasten und immer wieder pries er das Tankstellenmodell in Kärnten an.
Besonders in den letzten Jahren häuften sich die Verdachtsmomente, das Jörg H. in homosexuellen Kreisen verkehre. Die Freiheitliche Partei Österreichs versuchte die Homophobie der Wähler/Innen des dritten Lagers aufgrund dieser Gerüchte auf ihre Seite zu bringen. Immer wieder griffen sie den Juristen in diesem Zusammenhang unter der Gürtellinie an.
Des Weiteren hatte er in Kärnten ein Modell der „Grundsicherung“ initiiert, weshalb er dem SPÖ- Modell von Erwin Buchinger bis zuletzt eine Absage erteilte. Aufgrund dieses Umstandes konnte und kann die notwendige bedarfsorientierte Grundsicherung nicht umgesetzt werden.
Heute kam es zu einigen pietätlosen Äußerungen in Foren von verschiedenen Zeitungen. Vorweg möchte ich dazu meine Meinung sagen. Die politische Strahlkraft des Jörg Haider und seine Fähigkeit, Stimmen immer und immer wieder auf sich ziehen zu können, war eine unwahrscheinlich große und starke, individuelle Fähigkeit des gebürtigen Oberösterreichers.
Seine politische Zugehörigkeit ist mir fremd und viele seiner Aussagen und Politik hatten Unmengen von Menschen verletzt, diskriminiert und demontiert.
Der politische und ideologische Inhalt des Jörg Haider ist aufgrund meiner Sozialisation und Vorstellungen von Politik nicht erstrebenswert und abzulehnen. Rechtspopulismus dürfte im Jahr 2008 keine Stimme mehr haben.
Die individuellen Fähigkeiten, das Charisma und die Möglichkeiten, Wahlen allein durch die eigene Person für sich zu entscheiden waren beachtenswert.
Menschen aus dem linken Spektrum dürften im Zusammenhang mit Haider nicht entschieden genug nachdenken, wenn sie seinen Tod feiern und belächeln. Jedes Menschenleben ist gleich viel wert. Das ist eine Grundaussage des Sozialismus. Ein Mensch, der über den Tod Jörg Haiders pietätlose Äußerungen trifft und diesen befürwortet, kann dementsprechend nicht wahrhaftig dem linken Spektrum zuzuordnen sein.
Denn spätestens dort, wo das Leben aufhört und der Tod beginnt, bleibt auch der nackte, einzelne Mensch einfach nur Mensch, entpolitisiert und verblichen.
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